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Autos verschenkt, Geld im Libanon

Dem bankrotten Unternehmer Rolf Erb droht nicht nur eine lange Gefängnisstrafe, ihm sitzen auch die Gläubiger im Nacken. Deren Vertreter hat gestern vor dem Zürcher Obergericht Millionen gefordert – in Form von Schloss, Autos und «Libanongeldern».

Rechtsanwalt Matthias Hotz sprach ruhig und emotionslos. Sein stundenlanges Plädoyer vor Zürcher Obergericht hatte vor allem ein Ziel: Geld einzutreiben. Hotz ist der Vertreter von zahlreichen Gläubigern, die zehn Jahre nach dem Konkurs der gigantischen Erb-Gruppe noch immer auf ihr Geld warten. Dazu gehört auch die Stadt Winterthur. Ihr soll das bankrotte Firmenimperium rund 12 Millionen Franken an Steuern schulden. Diese Forderung hat das Steueramt offenbar beim Konkursamt deponiert, bestätigen will es sie aber nicht. Inzwischen hat das Amt den hohen Betrag auch abgeschrieben. Trotzdem kämpft Anwalt Hotz darum, einen Teil dieser offenen Rechnungen begleichen zu können. Er will, dass Erbs Familie dafür verschiedene Immobilien, Aktienpakete, Autos und Bargeld herausrückt. Diese haben insgesamt einen Wert von mehreren Millionen Franken, seien eigentlich Eigentum der Erb-Gruppe und gehörten deshalb deren Gläubigern, sagte Hotz. «Er sah den Konkurs kommen» Die Güter sollen helfen, den Schuldenberg von mehreren Milliarden Franken abzutragen. Insgesamt seien Forderungen in der Höhe von 6,5 Milliarden gegen Rolf Erb und das Unternehmen eingegangen, sagte Hotz. Nur ein Teil davon werde von den zuständigen Stellen aber als Schulden anerkannt. Für Hotz, die Staatsanwaltschaft und das Bezirksgericht Winterthur ist klar: «Erb sah den Konkurs genau kommen.» Deshalb habe er gewusst, dass ihm bald die Gläubiger im Nacken sitzen würden, und er habe den wertvollen Besitz in Sicherheit bringen wollen – indem er ihn kurz vor der Pleite seinen kleinen Kindern und seiner Lebenspartnerin schenkte. Nicht nur Güter, sondern auch Bargeld Zu diesen Besitztümern gehören das Schloss, ein Haus in Rüdlingen, das Zen­trum Töss und die Villa Wolfensberg. Daneben vermachte der Angeklagte eine Oldtimersammlung seiner Freundin. Vor Obergericht spielte Erb den Wert der Fahrzeuge zwar her­un­ter und sagte: Es handle sich nur um ein paar Autos, die er gefahren habe. Allerdings sind auch seltene dar­un­ter wie ein Mercedes aus den Siebzigerjahren. Hotz fordert für die Gläubiger aber nicht nur diese Güter, sondern auch Bargeld. Zum Beispiel mehr als zwei Millionen Franken der sogenannten «Libanongelder». Staat ermittelte gegen Erb und seine Lebenspartnerin Dieses Geld stammt aus Aktienverkäufen und wurde von Erbs Lebenspartnerin über Liechtenstein in den Libanon und zurück in die Schweiz verschoben – auf das Konto einer neuen Firma, die Erb beraten hatte und die inzwischen ebenfalls in Konkurs ist. Bevor diese Firma das Geld aus dem Libanon verwenden konnte, blockierte die Staatsanwaltschaft das Konto. Wegen solcher Überweisungen ermittelte der Staat gegen Erb und seine Lebenspartnerin auch wegen Geldwäscherei. Diese Ermittlungen wurden aber eingestellt. Für Hotz gibt es dennoch keinen Zweifel: «Dieses Geld stellt Deliktsgut dar.» Es gehe nicht an, dass es im Familienbesitz bleibe – genauso wenig wie Schloss Eugensberg.

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