Zum Hauptinhalt springen

Axpo bodigt Leitungen (fast) von sich aus

Die Axpo reisst zwei Hochspannungsleitungen in einem Wohnquartier ab. Ein Verein ist mit seiner Kritik am Ziel – die Axpo nennt aber einen anderen Grund für den Abriss.

Was der Stromkonzern Axpo in Rhein­au tun will, will er in Unterstammheim nicht tun – ein kleines Stück Hochspannungsleitung in die Erde verlegen. So bleibe die Landschaft «weiter von diesen massiven Masten und Leitungen beeinträchtigt», schrieb der Unterstammer Gemeinderat im Februar. Vorfreude herrscht hingegen in Rhein­au. «Der Gemeinderat begrüsst es sehr, dass die Leitungen in die Erde verlegt werden», heisst es auf Anfrage. Im nächsten Jahr schon soll die neue Kabelleitung mit einer Spannung von 110 Kilovolt (kV) parallel zur Poststrasse in den Boden kommen. Sie wird den Strom aus dem Flusskraftwerk Rhein­au ableiten. Nach der Inbetriebnahme des neuen Unterwerks Anfang 2016 werden die zwei oberirdischen 50-kV-Freileitungen abgebrochen (siehe Karte). Diese zwei Leitungen sind erst rund 40 Jahre alt – laut der Axpo könnten sie doppelt so lange Strom transportieren. «Gesundheitsschädigend» Am westlichen Rand des Einfamilienhausquartiers Im Ziel verlaufen die zwei wegfallenden Leitungen, die der «Verein gegen die Hochspannungsfreileitung im Ziel» seit längerem weghaben will. Seinen Zweck beschreibt der Verein wie folgt: «Die Eliminierung oder die massive Reduzierung der gesundheitsschädigenden Immissionen, herrührend aus der heutigen 50 000-Volt-Hochspannungsfreileitung.» Auf Anfrage teilte der Verein vor gut einem Jahr mit, dass er mit der Axpo «eine sehr gute und offene Zusammenarbeit» zum Thema Hochspannungsfreileitung pflege. Auch habe man vereinbart, «dass wir uns nur in Absprache äussern». Auch die Axpo schrieb vor wenigen Tagen, dass sie mit dem Verein «seit geraumer Zeit einen einvernehmlichen Kontakt» pflege. Mit der nun vorliegenden Lösung würden die Anliegen des Vereins vollumfänglich erfüllt. Entscheidende Wende 2011 Doch der freundliche Umgangston kann nicht dar­über hinwegtäuschen, dass der vorzeitige Abbruch nicht auf den kritischen Verein, sondern auf die Axpo selbst zurückzuführen ist. «Auslöser für den Rückbau ist die geplante Spannungsumstellung von 50 auf 110 Kilovolt», sagt Axpo-Mediensprecherin Daniela Biedermann. Auf die Nachfrage, ob das bedeute, dass der Rückbau auch auf Wunsch des Vereins nicht vorzeitig erfolgt wäre, schreibt die Axpo zurückhaltend: «Wenn eine bestehende Leitung keiner Umstellung, Sanierung oder Erneuerung bedarf, besteht für einen Rückbau beziehungsweise eine Erdverlegung weder eine rechtliche noch wirtschaftliche Grundlage.» Doch auch wenn der Verein nur eine marginale Rolle zu spielen scheint: Im Falle einer Klage hätte er einen starken Fürsprecher gehabt – das Bundesgericht. Das Gericht entschied im Juli 2011 gegen die Axpo, die in der aargauischen Gemeinde Riniken ein Stück einer Höchstspannungsleitung aus Kostengründen nicht in den Boden verlegen wollte. Der Rechtsstreit dauerte über 20 Jahre. Im Rhein­au­er Quartier Im Ziel zog die Axpo einen Umbau der bestehenden Freileitungen nicht mehr in Betracht, «aufgrund der heutigen Rechtsprechung», wie Biedermann schreibt. Strahlung spielte keine Rolle Im Fall Riniken änderte das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung und fällte einen Entscheid mit Grundsatzcharakter. Ausschlaggebend in diesem Präjudizfall ist die Tatsache, dass Erdverlegungen ge­gen­über früher günstiger geworden sind. Sie sind zwar immer noch teurer als Freileitungen, dafür ist der Stromverlust im Boden geringer. Dabei stellte das Gericht klar, dass das Ener­gie­gesetz einen sparsamen Umgang mit Strom vorschreibt, wozu auch ein möglichst verlustarmer Transport gehört. Aus Angst vor der Strahlung der Freileitung trugen viele Privatpersonen die Riniker Beschwerde mit. Nur: Dieses Argument wurde vom Bundesgericht weder geprüft noch gewichtet.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch