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Babysitter vergriff sich am Knaben, den er hütete

Ein Kinderbetreuer belästigte einen Knaben sexuell, den er beaufsichtigen sollte. Nun darf er fünf Jahre nicht mehr als Betreuer arbeiten und muss eine Therapie machen.

Das Plädoyer der Mutter war ergreifend. «Mein Sohn rennt jetzt immer in die Schule, aus Angst, weil der Angeklagte ganz in der Nähe wohnt», sagte sie am Dienstag vor Bezirksgericht. Und: «Die Therapeutin sagte, er könnte in der Pubertät Probleme bekommen.» Dem Täter redete die Mutter verzweifelt ins Gewissen. Er habe das Vertrauen missbraucht, dass sie und die Leiter der Kinderkrippe ihm geschenkt haben: «Wir fanden es lässig, dass es einen Mann hat in der Krippe.» Der junge, noch nicht 20-jährige Kinderbetreuer hatte sich im vergangenen Jahr am Sohn der Frau vergriffen, der damals im Kinder­gartenalter war. An einem Babysitter-Abend hatte er auf der Toilette am Wohnort des Knaben im Raum Winterthur den Penis des Kindes in den Mund genommen und daran geleckt. Weiter hatte er das Kind aufgefordert, seinen halb erigierten Penis anzufassen und ebenfalls in den Mund zu nehmen und daran zu lecken.

«Das ist unser Geheimnis»

Nach dem Übergriff hatte der Baby­sitter zwar zum Kind gesagt, es dürfe mit niemandem dar­über reden: «Das ist unser Geheimnis.» Doch der Knabe hatte das Erlebte sofort den Eltern erzählt. Nach einigen Tagen war der Kinder­betreuer verhaftet worden, sofort hatte er die Stelle verloren, einen Monat verbrachte er in Unter­suchungshaft. Das Motiv des geständigen Täters blieb vor Gericht rätselhaft. Laut psychologischem Gutachten ist er zwar persönlichkeitsgestört und befindet sich in einer «sexuellen Reifungskrise», ist aber nicht pädophil. Der junge Mann selbst, dessen Beziehung zu einer gleichaltrigen Frau kürzlich zerbrochen ist, sagte, er fühle sich nicht von Kindern angezogen. Er meinte aber auch, er sei wohl ungeeignet als Kleinkinderbetreuer, denn «man weiss ja nie».

Bei Mutter entschuldigt

Seit der ersten Schulklasse sei er das Opfer von Mobbing gewesen, führte er aus, wegen seiner «weiblichen Züge». Der Vater des Täters war einst ins Gefängnis gekommen, weil er sich an der Tochter vergangen hatte. Seine Schwester spreche seit seinem Übergriff nicht mehr mit ihm, sagte der Angeklagte. Wie es zur konkreten Tat kam, konnte er nicht schlüssig erklären. Er habe sich erst vor dem Knaben geekelt, «vielleicht fühlte ich mich dadurch angeregt oder so». Die Mutter des Opfers sagte, der Täter scheine nicht dumm zu sein. «Es regt mich auf, wenn er einfach sagt: Ich habe mir nichts dabei gedacht.» Dem jungen Mann war bei der Begegnung mit der Mutter sichtlich unwohl. Als er sich am Ende bei ihr entschuldigte, wandte sie den Blick ab.

Bedingte Gefängnisstrafe

Der Staatsanwalt verlangte eine bedingte Gefängnisstrafe von zwölf Monaten. Der Pflichtverteidiger plädierte für eine mildere Strafe von sieben Monaten; er wies dar­auf hin, dass es sich um eine «einmalige Entgleisung» gehandelt habe und sein Mandant nicht gewalttätig geworden sei. Die Richter folgten weit­gehend den Anträgen des Staatsanwalts und verurteilten den Täter zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr sowie zu einer Busse von 500 Franken. Zudem sprachen sie ein fünfjähriges Berufsverbot aus, die längstmögliche Dauer nach geltendem Gesetz. Ins Gefängnis muss der junge Mann nur, wenn er in den nächsten zwei Jahren wieder straffällig wird oder aber wenn er die Psychotherapie abbricht, die das Gericht zusätzlich anordnete.

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