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Bärtige Pinguine luden zum lautstarken Schaulaufen

Mit Bart, Frack und Zylinder: Die frisch diplomierten ZHAW-Ingenieure knatterten mit ihren Anhängern durch die Altstadt und liessen dabei die Trommelfelle erzittern.

Kurz ging ein Aufschrei durch die Zuschauer, dermassen laut war der Knall. Dabei hatte dieser sich angekündigt, als die bärtigen Pinguine auf ihrem Fahrzeug, einem Feuerwehrauto aus den 1970ern, ihre Menschenkanone mit Konfetti stopften. «Studiere bis de Chopf platzt», lautete das Motto der frisch gebackenen Maschineningenieure. Ihr Diplom endlich im Sack, liessen sie es entsprechend knallen. Zusammen mit rund 360 Kommilitonen fuhren sie am traditionellen Frackumzug im Schritttempo durch die Altstadt, prosteten der Menge zu und verteilten Bier und Bonbons von ihrem Wagen. Die Männer im Frack, mit hundert Tage alten Bärten im Gesicht, Spazierstock und Bier in der Hand, die Zigarre im Mund, die Frauen adrett gekleidet mit Röcken im Biedermeierstil. Am Oberen Graben, der Marktgasse und der Steinberggasse verfolgten die Zuschauer amüsiert, wie der Tross von fünfzehn Wagen vorbeizog. Denn der Frackumzug bot wieder reichlich skurrile Bilder und damit Anlass zum Schmunzeln und Staunen. Eifrig wurde daher das Schaulaufen der selbstgebastelten Anhänger mit Handys abgeknipst.

Eingerostet, aber sexy Sujet

Einige der jungen Ingenieure hatten sich beim Tüfteln mächtig ins Zeug gelegt. Von bewusster Ästhetik bis zum puren Trash war an improvisierter Ingenieurskunstalles dabei. Elegant beispielsweise kurvten die Aviatker mit ihrem aufwendig verkleideten Helikopter um die Häuser, der aus allen Löchern rauchte. «Die Rotoren fahren wir erst bei der ZHAW aus», versicherte Neo-Aviatiker Peter Gmür. Man wolle die Stadt ja nicht gleich in Schutt und Asche legen. Ein ganzes Semester lang hätten sie einen Tag pro Woche am Gefährt herumgefeilt. Ihre Antipoden fanden sie in den Material- und Verfahrenstechnikern. Sie rollten mit einem zweiköpfigen «Las Vegas»-Mobil an, offensichtlich ein echtes «Gebastel». Vorne und hinten von zwei Autohälften zusammengehalten, stimmten sie sich auf dem Wagen im Mittelteil auf ihre Studienreise nach Las Vegas ein. In der Kühlerhaube am Heck brutzelten derweil Würste auf dem Grill. Die Elektrotechniker feierten ihr Zugfahrzeug als Prunkstück: der abgehalfterte englische Autotraktor («Austin 8») aus den 1930ern entpuppte sich als äusserst beliebtes Fotosujet. «Den haben wir im Internet für 2300 Franken ersteigert», verriet der 28-jährige Absolvent Michael Siegenthaler. Neu einbauen musste er lediglich das Auspuffsystem und die Autobatterie. «Der Motor funktionierte einwandfrei!» Sagte es und knatterte mit derart buschigem Bart weiter, dass man Robinson Crusoe mit Zylinder am Steuer wähnte. Auch eine lokale Sportlergrösse feierte im ungewohntem Tenue ihren Abschluss. Julian Krieg, Pfadi Winterthur-Topskorer und diplomierter Maschinentechniker, führte seinen Wagen von der Strasse aus an. Mit Pfadi steckt der Handballprofi wieder mitten in der Saisonvorbereitung. Gestern aber machte auch er eine Ausnahme und trank «Ein, zwei, zehn Bier» mit. Beim Sport gestört habe der Hunderttagebart nicht gross. Er könne aber sehr gut damit leben, dass er am Abend bei der «BartAb»-Feier wegkommt. «Und meine Freundin erst recht.»

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