Winterthur

Banken treiben Vekselberg in Putins Hände

Westliche Banken künden dem russischen Oligarchen Viktor Vekselberg ihre Kredite. Staatsnaherussische Banken springen ein. Das könnte schwer-wiegende Folgen für denSchweizer Industriekonzern Sulzer haben.

Harte Zeiten: Der russische Oligarch Viktor Vekselberg.

Harte Zeiten: Der russische Oligarch Viktor Vekselberg. Bild: Andrey Rudakov (Bloomberg, Getty)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bislang galt der milliardenschwere russische Unternehmer Viktor Vekselberg nicht eben als Getreuer des autokratisch regierenden Präsidenten Vladimir Putin. Im Gegenteil: Der schwerreiche Unternehmer, dessen Vermögen vom Magazin «Forbes» auf 13,6 Milliarden Dollar geschätzt wird, hält sich von Putin, so gut es geht, fern. Aus Angst vor dem Potentaten hat er schon vor Jahren einen guten Teil seines Vermögens in die Schweiz verschoben.

Doch jetzt gerät Vekselberg, unter gütiger Mithilfe von US-Präsident Donald Trump und westlichen Banken wie der UBS und der Credit Suisse, in eine direkte finanzielle Abhängigkeit staatsnaher russischer Banken.

Wie seine Moskauer Beteiligungsgesellschaft Renova über Pfingsten bekannt gab, hat sie alle Kredite internationaler Banken vollständig an diese zurückbezahlt. «Renova hat keine ausstehenden Kredite mehr gegenüber westlichen Banken», bestätigte Andrei Shtorkh, der Sprecher von Renova.

Zwei Banken springen ein

Vekselberg hatte von westlichen Bankenkonsortien zwei umfangreiche Kredite erhalten. Der eine war 720 Millionen Franken schwer und wurde erst im Dezember von der UBS, der Credit Suisse, der Deutschen Bank, J. P. Morgan, Natixis aus Frankreich und ING aus den Niederlanden herausgegeben.

Als Pfand liessen sich die Geldhäuser Aktien von Vekselbergs Schweizer Industriebeteiligungen Oerlikon (41,35 Prozent aller Stimmen) und Schmolz + Bickenbach (25,5 Prozent) geben.

Der zweite Kredit über 350 Millionen Franken wurde im Juli 2016 von den gleichen Banken gewährt, ausser der UBS. Als Pfand dienten laut der «Schweiz am Wochenende» Aktien des von Vekselberg kontrollierten Winterthurer Industriekonzerns Sulzer – 21,29 Prozent aller Titel. Offensichtlich setzten nun die Banken Vekselberg das Messer an den Hals und drehten ihm den Kredithahn zu.

Die Kredite wurden vorzeitig aufgelöst. Die Finanzinstitute taten dies aus Angst, wegen Missachtung der US-Sanktionen gegen Vekselberg und Renova belangt zu werden. Anfang April hatte die Trump-Regierung den Oligarchen auf eine Sanktionsliste gesetzt. Damit wurden nicht nur die Vermögenswerte des 61-Jährigen und seiner Renova in den USA eingefroren. Unternehmen, die in den USA tätig sind, dürfen auch keine Geschäfte mehr mit ihm machen. Damit sind alle Finanzflüsse verboten – auch Kredite.

Doch selbst ein schwerreicher Unternehmer wie Vekselberg kann seine Geschäfte nicht ohne Bankkredite betreiben. Deshalb suchte er nach einem Ersatz für die Kredite der westlichen Banken – und wurde bei zwei russischen Finanzinstituten fündig. Den 720-Millionen-Kredit ersetzt die Promsvyazbank, die von der russischen Regierung erst im Dezember verstaatlicht worden ist.

Der Kreml will sie nutzen, um sanktionierten russischen Unternehmen zu helfen. Finanzminister Anton Siluanov bestätigte, dass Renova von der Bank einen Kredit erhalten hat, schwieg sich aber über die Höhe und die Kreditbedingungen aus. Für den 350-Millionen-Kredit springt nach Angaben einer Quelle, die Sulzer nahesteht, die Sberbank ein.

Sie wird von der russischen Zentralbank kontrolliert und hatte Renova bereits im August 2016 einen Kredit über 1,1 Milliarden Dollar gewährt. Dieser war mit 42 Prozent aller Sulzer-Titel gesichert.

Bei Geldnot greift die Bank zu

Ob sich die Sberbank als Garantie für den neuen Kredit erneut ein Aktienpaket von Sulzer hat geben lassen, ist unbekannt. Falls ja, würde sie über ein Pfand von bis zu 48,8 Prozent aller Sulzer-Aktien verfügen. Auf diese Höhe hat Vekselberg seine Beteiligung am Winterthurer Konzern nach Inkrafttreten der US-Sanktionen gesenkt.

Sollte Vekselberg in finanzielle Schwierigkeiten geraten – und das ist bei lange anhaltenden US-Sanktionen nicht ausgeschlossen – droht die Gefahr, dass die Sberbank in den Besitz von 48,8 Prozent aller Sulzer-Aktien gelangt. Sie würde den Konzern damit faktisch kontrollieren.

Sulzer-Sprecher Reiner Weihofen sagt dazu: «Für uns ändert sich momentan nichts. Fakt ist: Momentan gehören die Aktien Renova. Was irgendwann passieren könnte, darüber wollen wir nicht spekulieren.»

(Der Landbote)

Erstellt: 23.05.2018, 09:10 Uhr

Artikel zum Thema

Kreditgeschäfte ziehen Sulzer ins Machtfeld des Kremls

Winterthur Ein bedeutendes Aktienpaket des Traditionsunternehmens Sulzer könnte neu an Russland fallen. Grund ist eine russische Finanzspritze für den Investor Viktor Vekselberg. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare