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Bankräuber vor Gericht

Ihre Handys wurden nahe den ausgeraubten Banken geortet. Auch Spuren ihrer DNS wurden dort aufgefunden. Doch die Angeklagten sagen vor Gericht: «Flaach? Rickenbach? Nie gehört.»

Nur vier Stunden nach dem Überfall auf die ZKB-Filiale in Flaach verhaftete die Polizei in Zürich mehrere Personen. Der schnelle Erfolg hatte einen einfachen Grund: Einige der festgenommenen Kroaten waren seit Längerem im Visier der Fahnder – allerdings nicht wegen Überfällen, sondern wegen Frauenhandels. Doch das ist eine andere Geschichte. Die Festgenommenen konnten im Verlaufe der Abklärungen mit anderen Tatorten in Verbindung gebracht werden. Ihre DNS stimmte mit Spuren überein, die bei einem Raubüberfall an einem Bankmitarbeiter in Langenthal BE am 31. März 2004 gefunden worden waren. Zudem gab es weitere DNS-Treffer zu den Banküberfällen in einer ZKB-Agentur in Rickenbach ZH am 29. November 2006, in einer Clientis-Filiale in Roggwil BE am 28. Dezember 2006 und zuletzt in Flaach ZH am 12. Januar 2007. Angeklagt waren ursprünglich drei Personen. Der heute 48-jährige «Chef» der Bande wurde wegen seiner Lügengeschichten vom Staatsanwalt als den «Widersprüchlichen» bezeichnet. Dieser war es auch, auf den die Polizei aufmerksam geworden war (Frauenhandel). Der 62-jährige «Vergessliche» hatte an allen vier Tatorten seine DNS-Spuren hinterlassen. Und der 41-jährige «Aalglatte», einst ein kroatischer Berufssoldat, hatte während der Untersuchung nichts preisgegeben und sich wie ein Kriegsgefangener verhalten. Vom Zürcher Geschworenengericht wurden die drei zu langen Haftstrafen verurteilt. Der Kopf der Truppe, der «Widersprüchliche», erhielt eine Freiheitsstrafe von neun Jahren. Der «Vergessliche» eine von acht, der «Aalglatte» eine von sechs Jahren. Alle befanden sich seit dem Tag ihrer Verhaftung in Haft – der «Vergessliche» und der «Aalglatte» haben deshalb ihre Strafe (oder zumindest die üblichen zwei Drittel davon) bereits verbüsst und befinden sich inzwischen wieder auf freiem Fuss. Doch das Urteil des Geschworenengerichts ist nicht rechtskräftig geworden – zwei der drei vermeintlichen Bankräuber haben es erfolgreich beim Kassationsgericht angefochten. Deshalb standen gestern der noch immer im Gefängnis sitzende «Widersprüchliche» und der wieder in Kroatien lebende «Aalglatte» vor dem Bezirksgericht Winterthur. Und die beiden pochten erneut auf einen Freispruch. Mit den Banküberfällen wollen der 48- und der 41-Jährige nach wie vor nichts zu tun haben. «Flaach? Der Ortsname sagt mir nichts», entgegnete der vermeintliche Kopf der Bande. Rickenbach? Nein, auch diesen Ort kenne er nicht, geschweige denn die lokale Bankfiliale. Die Staatsanwaltschaft verwies indes auf Ortungen des Handys, die den Angeklagten mit diesen Ortschaften in Verbindung bringen. Auch der Richter fragte diesbezüglich mehrmals nach. Vielleicht, entgegnete da der Kopf der Band, habe er eines seiner Mädchen zu einem Freier gefahren. «Aber, sehr geehrter Herr Richter, Banküberfälle habe ich weder geplant noch ausgeführt.» Und dass in der Tiefgarage, in der der Bankmitarbeiter überfallen wurde, ein Zahnstocher mit der DNS seines Mandanten gefunden wurde, sei auch noch kein Beweis, führte dessen Anwalt aus. «Ein Zahnstocher kann auch von einer Drittperson dort liegen gelassen worden sein.» Auch der «Aalglatte» stritt eine Beteiligung an den Überfällen ab. Er sei ohnehin erst zwei Tage vor der Verhaftung erstmals in die Schweiz eingereist. Und er habe hier nur ein Auto kaufen wollen. Ohne seinen Führerausweis mitzubringen?, fragte der Richter nach. «Es war noch nicht richtig durchgeplant», lautete die Antwort. Die Verteidiger kritisieren, dass keine geschlossene Indizienkette vorliege. Zudem gebe es Anzeichen auf unterschiedliche Täterschaften – mal werden die Bankräuber als sportlich, mal als korpulent beschrieben. Mal reden sie gebrochen Englisch, mal gebrochen Deutsch. Schliesslich seien ihre Mandanten von keinem ihrer Opfer später wiedererkannt worden – auch von jenen nicht, die sie unmaskiert überfallen haben sollen. «Es gibt keine Beweise», folgerte ein Verteidiger. Für den Staatsanwalt sprach allerdings das Gesamtbild für die angeklagten Kroaten als Täter. Das Vorgehen, die Handy-Ortungen, die DNS-Spuren: «Es gibt nur einen einzigen möglichen Schluss: Sie sind für die Überfälle verantwortlich.» Das Bezirksgericht hat das Urteil noch nicht gefällt. Denn es kommt gegen den «Widersprüchlichen» noch eine Zusatzanklage hinzu: Heute Mittwoch muss er sich erneut vor den Winterthurer Schranken verantworten – diesmal gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin wegen Frauenhandels.

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