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Basler Kritik an Zürcher Grossprojekt

Die Pläne für das neue Zürcher Kongresszentrum seien nicht sinnvoll, findet der Stadtentwickler von Basel. Wenn man schon nicht am See bauen könne, sollte man dies direkt am Flughafen tun.

Der Zürcher Hochbauvorstand André Odermatt (SP) verbreitet seit Monaten die immer gleiche Kernbotschaft, wenn man ihn auf das geplante Kongresszen­trum in Zürich West anspricht: «Kein Problem.» Je nach Standpunkt und Umständen klingt das nach Optimismus, nach Zweckoptimismus oder nach Durchhalteparole. Fakt ist: Die skeptischen Stimmen sind in letzter Zeit nicht leiser geworden, der Widerstand nicht geringer. Die Verhandlungen um den nötigen Landkauf auf dem Gerold-Areal beim Bahnhof Hardbrücke ziehen sich seit einem Jahr hin, die jüngste Frist ist eben erst ergebnislos abgelaufen. Es harzt mit dem Kongresszentrum.

Führende Zürcher Wirtschaftsvertreter stellen das Bauvorhaben inzwischen öffentlich in Frage, und kürzlich hat sich auch noch eine Stimme aus einer anderen Ecke in die Diskussion eingemischt: Der einstige grüne Kantonsrat Thomas Kessler, heute leitender Stadtentwickler in Basel, hat an einem Fachpodium die Zürcher Pläne als wenig sinnvoll bezeichnet. «Zürich boomt ohnehin stark und braucht definitiv nichts, was es anderswo auch schon gibt», sagte er. Solange das spektakuläre Luzerner Kultur- und Kongresszen­trum KKL in einer Fahrstunde erreichbar sei, gebe es mit einem Dutzendprojekt nichts zu gewinnen.

Das KKL übertreffen geht nicht

Zürich hat laut Kessler nur zwei Optionen, wenn es denn unbedingt ein neues Kongresszentrum haben müsse: Die erste sei es, voll auf die landschaftlichen Reize Zürichs zu setzen. Dafür müsste aber ein Prestigebau direkt am See her, ein «Leuchtturm», der im globalen Wettbewerb um Kongresse auffalle und das KKL überstrahle – eine Vorgabe, die Kessler allerdings für wenig realistisch hält. Ganz zu schweigen davon, dass das Seeufer als Standort für den Zürcher Stadtrat vom Tisch ist, seit das Moneo-Projekt beim Bürkliplatz an der Urne scheiterte. Auch Alternativen weiter draussen beim Hafen Enge oder im Tiefenbrunnen beurteilt er seither als chancenlos. Obwohl eine solche Lösung laut einem Bericht nach wie vor die attraktivste und begehrenswerteste wäre.

Nach Kesslers Ansicht bleibt als zweite Option ein Kongresszentrum, das statt auf landschaftliche Reize voll auf die wirtschaftliche Potenz Zürichs setzt. Und für ein solches gäbe es ihm zufolge nur einen geeigneten Ort: den Flughafen. Dort ist im Zusammenhang mit dem Megaprojekt «Circle» tatsächlich ein Kongressbereich in Planung. Dessen ungeachtet hält die Stadt an einer eigenen Lösung fest. Dabei beruft sie sich auf Experten, denen zufolge die Zen­trumsnähe ein wesentlicher Faktor für den Erfolg ist. Urs Spinner vom Hochbaudepartement weist zudem dar­auf hin, dass die Kapazität am Flughafen beschränkt ist. Nach aktuellem Stand der Planung beträgt sie 1500 Plätze; entsprechende Verträge mit der Hyatt-Gruppe sind schon unterzeichnet. Zürich hingegen will ein grösseres Zen­trum mit 3000 Plätzen bauen.

Noch etwas anderes muss für die Stadt gegen ein Kongresszentrum am Flughafen sprechen: Die dortigen Verantwortlichen verfolgen mit dem Circle erklärtermassen das Ziel, eine Art Erlebniswelt zu schaffen, die für Geschäftsreisende den Besuch in der Zürcher Innenstadt überflüssig macht. Das kann nicht im Interesse des Zürcher Stadtrats um Präsidentin Corine Mauch (SP) sein, die nicht zuletzt deshalb fürs Kongresszentrum wirbt, weil sie sich davon Wertschöpfung und Arbeits­plätze in der Stadt verspricht.

Die Stadt verliert die Geduld

Der Stadtrat verhandelt deshalb weiter mit dem Altmetallhändler Georg Mayer-Sommer über dessen Land auf dem Gerold-Areal in Zürich West. «Das ist keine Verlegenheitslösung», sagt Urs Spinner. Die vergangenen Monate seien zwar ein dauerndes Auf und Ab gewesen, zurzeit stünden sich beide Seiten aber wieder näher als auch schon. Die Stadt habe nun klar signalisiert, dass die Verhandlungen endlich zu einem Abschluss kommen müssten. Das klingt wie ein Hinweis darauf, dass es Mayer-Sommer ist, der mit seinen Forderungen den Handschlag hinauszögert. Auch die jüngsten Bemerkungen von Hochbauvorstand Odermatt, er behalte als Alternative den Carparkplatz beim Hauptbahnhof im Auge, könnten ein Wink an die Adresse des Unternehmers sein, dass die Geduld der Stadt nicht ewig währt. Mayer-Sommer selbst äussert sich nicht zu den Verhandlungen.

Die Wirtschaft ist skeptisch

Vertreter der Zürcher Wirtschaft sähen es offenbar gern, wenn das Zen­trum nicht auf dem Gerold-Areal zu stehen kommen würde. Die Kantonsräte Regine Sauter (FDP), Direktorin der Handelskammer, und Martin Arnold (SVP), Geschäftsführer des kantonalen Gewerbeverbands, versuchen jedenfalls mit einer Anfrage den Regierungsrat ins Spiel zu bringen, um das zu verhindern, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet hat. Ihre Hoffnung ist, dass der Kanton die Stadt bei der Suche nach Alternativen unterstützt. Der Grund: Zürich West wirke zu wenig anziehend, um ein Kongresszentrum rentabel zu betreiben, deshalb könnten die Investoren ausbleiben. Martin Arnold klingt fast wie Stadtentwickler Thomas Kessler, wenn er sich mit den Worten zitieren lässt: «Es wäre ein Kongresszentrum, wie es schon viele gibt – austauschbar.»

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