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Baustelle Fraumünster

«Woran glaubst du?» Das Performance-Kunst-Projekt «Baushtellë: Balkan Temple» bringt Menschen aus drei Städten zu einer Frage zusammen – auch im Fraumünster.

Ortstermin gestern vor dem Fraumünster. Um 10 Uhr geht die Kirche auf, eine Gruppe japanischer Touristen wartet schon. Die Chagall-Fenster und die Giacometti-Fenster stehen auf dem Besuchsplan, nur schnell ins Himmlische Paradies und dann weiter. Eine andere Gruppe hats nicht so pressant und auch nicht so mit der Kirche – einer davon hat glatt das Grossmünster mit dem Fraumünster verwechselt. Aber es geht ja dieser Gruppe auch nicht um die Fenster. Sondern komplett um den ganzen Raum – im September wird das Fraumünster von dieser Gruppe sechs Stunden lang bespielt. Die Gruppe gehört zum Projekt «Baushtellë: Balkan Temple». Der Inhalt des Unternehmens: 30 Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz, Kosovo und Serbien setzten sich auf einer zehnwöchigen Tour durch die drei Länder mit der Frage «Woran glaubst du?» auseinander. Die Ergebnisse der künstlerischen Auseinandersetzung werden dann in Pristina, Belgrad und Zürich in einer sechsstündigen Performance vorgestellt. Bekannt sind nur Datum und Ort (zumindest für Zürich), der Rest ist offen. «Meint einer, sich mit der flachen Hand auf die Stirne zu schlagen, um eine Antwort auf die Frage zu geben, muss er dies halt sechs Stunden lang tun», sagt Tobias Bienz (27); der Musiker und Theatermacher leitet das Projekt. Nichts ist gewiss Da schaut Fraumünster-Pfarrer Niklaus Peter, der die Gruppe zum Rundgang durch die Kirche einlädt, schon ein bisschen fragend. Aber es ist gerade die Offenheit des Projekts, die ihn interessiert. Käme ein grosser Name, nehmen wir mal Thomas Hirschhorn, ins Fraumünster, um hier eins seiner Kunstprojekte zu machen, wüssten alle, was sie erwartet. Die Kirche ist aber immer eine Baustelle: ein work in progress. Und nichts ist da gewiss. Schicht um Schicht Niklaus Peter verweist auf die Geschichte des Hauses. Schicht habe sich da über Schicht gelegt. Das Fraumünster war auch einmal ein Heumagazin – und später eine orthodoxe Kirche. Als Zürich von russischen Soldaten besetzt war, stand im Querschiff eine Ikonostase. «Jeder, der in die Kirche kommt, bringt seine eigenen Fragen zum Glauben in den Raum», sagt der Pfarrer. So wird es auch in der Performance sein, ganz viele Kulturen und Anschauungen kommen hier zusammen. Die ersten Schritte Das Projekt ist selber noch eine Baustelle. Unzählige Ideen sind da. Der erste Schritt ist gemacht. Aber der Rest – das sind noch viele Fragen. Aber dar­um geht es gerade bei «Baushtellë: Balkan Temple». Ein früheres Projekt von Tobias Bienz hiess «Prishtinë, mon amour». Auch Liebe hat mit Glauben zu tun. Wie der Glaube mit Liebe. Und dar­über werden sich jetzt die Künstler viele Gedanken machen. Wie ist es aber mit dem Heu? Pragmatisch sagt es Arbër Salihu, der Performer und Co-Leiter aus Pristina, zur Frage der Finanzierung des Projekts: Es gebe sicher in Zürich Balkan-Boys mit viel Money. What do you believe in? Kick-off-Party, Donnerstag, 5. Febr., in der Roten Fabrik, Zürich, mit der Balkan-Gruppe Sebass. Weitere Informationen: www.baushtelle.org

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