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«Bei der Information glänzten wir nicht»

Auf dem dicht befahrenen Zürcher Schienennetz harzt es. Gestern gab es schon wieder eine Panne. Die SBB wollen nicht von einer Serie sprechen: Es handle sich um Einzelereignisse mit unterschiedlichen Ursachen – diese sind aber noch nicht bekannt.

Nachdem der Zürichbergtunnel am Mittwochabend in der Hauptverkehrszeit gesperrt werden musste, rollte der Verkehr gestern zwischen den Bahnhöfen Stettbach und Stadelhofen am Morgen wieder an. Allerdings konnten die Züge nur für ein paar Minuten durch das wichtige Nadelöhr fahren – um 6.10 Uhr fiel wegen eines defekten Fahrleitungsschalters der Strom aus. In der Folge blieb der Tunnel, der unter anderem das Oberland (S5, S15) sowie die Region Winterthur (S12) mit Zürich verbindet, wieder bis 8.22 Uhr gesperrt. Schon wieder – ärgerten sich zahlreiche Passagiere (siehe auch nebenstehende Grafik der Pannen). Auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter fielen wie bereits am Mittwoch harsche Worte: Es sei fast wie in einem Drittweltland, hielt einer fest. «Man geht zum Bahnhof und schaut, ob und wann ein Zug in die gewünschte Richtung fährt.» Die SBB, die im Auftrag des Zürcher Verkehrsverbundes fahren, haben gestern in ihrer Kommandozentrale beim Flughafen über die Serie informiert. L Serie von Einzelereignissen Für die SBB handelt es sich nicht um eine eigentliche Pannenserie. In den vergangenen Tagen seien einige Ereignisse zu verzeichnen gewesen, sagte Bruno Stehrenberger, Leiter Betrieb und Mitglied der Geschäftsleitung In- frastruktur. «Es bestehen keine direkten Zusammenhänge, es handelte sich um Einzelereignisse.» Damit wollte Stehrenberger sagen: Es bestehen eigentlich keine Probleme, die Häufung der Störungen war einfach nur Pech.

L Die Unbekannten Ursachen Weshalb es zu den einzelnen Vorkommnissen kam, ist noch unbekannt. Das sei nun Gegenstand von intensiven Abklärungen, sagte Stehrenberger. Aber klar ist: «Die Vorkommnisse, vom Umkippen des Baukrans in Oerlikon bis zum defekten Fahrleitungsschalter, sind zu unterschiedlich.» Sie seien nicht auf dieselbe Ursache zurückzuführen. L Die Sprachregelung SBB-Kunden, die in den vergangenen Tagen verspätet nach Hause, zur Arbeit oder an ihre Termine kamen, ärgerten sich unter anderem über mangel- oder fehlerhafte Informationen. So kritisierten mehrere Personen, dass als Ursache für den gesperrten Zürichbergtunnel stets eine an sich harmlos klingende «Stellwerkstörung» genannt wurde. Dabei gab es am Mittwoch zwei Schwelbrände in Kabelkanälen, am Donnerstag fiel der Strom aus. Seitens der SBB weist man dar­auf hin, dass wegen dieser verschiedenen Ursachen die Weichen und Signale nicht bedient werden konnten – dass also in der Tat eine «Stellwerkstörung» vorlag. L Die Fehlenden Busse Verärgert zeigten sich Kunden, deren S-Bahnen nicht weiterfuhren, auch über das Ausbleiben von Bahnersatzbussen. «Angesichts der Grösse des Vorfalls war dies schlicht nicht möglich», sagte Anton Häne, Leiter Verkehrsmanagement und Mitglied der Geschäftsleitung Personenverkehr. Am Mittwochabend war in der Rushhour nicht nur der Zürichbergtunnel gesperrt, fast gleichzeitig streikte auch ein Stellwerk bei Effretikon. «An zwei Nadelöhren stockten die Züge.» Es seien Zehntausende Personen betroffen gewesen, so viele Busse würden kurzfristig gar nicht zur Verfügung stehen, um alle aufnehmen zu können. L Fehlerhafte Durchsagen Kritik wurde auch an den offiziellen Durchsagen und Anzeigen laut. «Wir haben bei der Kundeninformation nicht geglänzt», räumte Anton Häne gestern ein. Es sei teilweise zu widersprüchlichen Angaben gekommen. Häne wies aber auch auf das «ausserordentliche Ereignis» hin. «Bleibt ein Zug mit 500 Personen stecken, gilt es 100 verschiedene Anliegen zu befriedigen.» Die Reiseziele, die Anschlussverbindungen seien unterschiedlich. Im Störungsfall über all die verschiedenen notwendigen Informationen zu verfügen, sei nicht einfach. L Falsche Online-Fahrpläne Nicht Schritt gehalten hatten auch die Online-Fahrpläne. So empfahlen sowohl die Internetseiten der SBB als auch deren Handy-App für die Strecke Zürich Hauptbahnhof–Winterthur die S12 – obwohl diese wegen der Tunnelsperrung gar nicht über den Hauptbahnhof verkehrte. Linus Looser, der Leiter Bahnproduktion, begründete dies mit der doppelten, komplexen Störungslage am Mittwoch. Während einfache Verspätungen automatisch ins System einfliessen, müssen insbesondere Umleitungen manuell eingegeben werden. «Wir hatten an jenem Abend mehr als 300 Umleitungen, da kamen wir nicht nach.» Die SBB wollen nun die Probleme analysieren. Laut Anton Häne ist geplant, insbesondere die direkte Information über jene Geräte, welche die Kunden stets bei sich tragen, zu verstärken. Entsprechende Handy-Apps werden nun forciert.

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