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Bei der Schlosshalde fing alles an

30 Jahre ist es her, seit es erstmals über eine Aktion von Naturschützern in der Gemeinde Kyburg zu berichten gab. Das Ehepaar Katharina und Johann Frei war damals dabei und kann heute mit einigem Stolz auf das Erreichte zurückblicken.

«Hast du gesehen?», fragt Katharina Frei ihren Mann. Wenn die beiden durch Kyburger Wälder und Wiesen gehen, stellt sie ihm diese Frage oft. Sie lieben die Natur, und auf ihren Spaziergängen bleibt kaum ein Tier, kaum eine Pflanze ungesehen. Ob Amphibien, Insekten oder Vögel, ob Bäume oder Blumen: Katharina und Johann Frei kennen die meisten der heimischen Tier- und Pflanzenarten. Der 68-jährige Architekt und die 75-jährige Biologin sind Naturschützer der ersten Stunde.Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren berichtete der «Landbote» erstmals über eine ihrer Naturschutzaktionen an der Schlosshalde, unterhalb der Burg. Damals berieten sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen vom Natur- und Vogelschutzverein Winterthur-Seen dar-über, wie sie die dort heimische Flora am besten schützen und fördern könnten. Heute zählt die kleine Anhöhe neben der Hauptstrasse zu den bedeutendsten Naturschutzgebieten der Gemeinde Kyburg. Orchideen, wie Frauenschuh, Fliegen-Ragwurz oder Gefranster Enzian: Das Trockengebiet ist bekannt für seine ausserordentliche Flora. Dank der naturverträglichen Pflege des Waldstückes ist es der Familie Frei und ihren gleichgesinnten Kollegen gelungen, die dortige Artenvielfalt zu bewahren und sogar zu erhöhen. Einer der grössten Erfolge des Kyburger Naturschutzes.

Die Objekte inventarisiert

Blicken Johann und Katharina Frei zusammen mit weiteren Helferinnen und Helfern auf ihre jahrzehntelange Naturschutzarbeit zurück, können sie auf vieles stolz sein. So manche Riedfläche, manche Magerwiese, einige Hecken und der eine oder andere Obstgarten würden ohne diese Arbeiten heute wohl nicht mehr so existieren. In den ersten Jahren präsidierte Katharina Frei – und später dann ihr Mann – die Naturschutzkommission Kyburg (NKK). Das fünfköpfige Gremium berät den Gemeinderat dar­über, welche Gebiete schützenswert sind und welche nicht. So ar­bei­te­te die NKK in den vergangenen 30 Jahren an der Inventarisierung und der Pflege dieser sogenannten Schutzobjekte. Die Kommissionsarbeit beschränkte sich aber nicht nur auf die Theorie. Auch für die notwendigen handfesten Pflegemassnahmen an Waldsümpfen, Wiesen oder Waldrändern ist die Kommission verantwortlich. Im Herbst, vor allem anlässlich des «Grünen Samstags», sieht man ihre Mitglieder jeweils mit Rechen, Spaten und Heckenschere hantieren, wie sie Riedgebiete mähen und Hecken zurückschneiden. Dabei werden sie unterstützt von Schülerinnen und Schülern der Schulen Kyburg und Weisslingen, Zivilschützern, Mitgliedern des Rotary Clubs Kyburg und des Lions Clubs Kyburg und vielen anderen. «Ohne diese Unterstützung wäre dieser aktive Naturschutz bei uns nicht möglich», sagt Johann Frei.

Es gibt auch Widerstände

Doch erhalten die Freis und ihre Kolleginnen und Kollegen für ihre Arbeit nicht immer nur Unterstützung. Für die Landwirte etwa kann der Naturschutz auch Mehraufwand bedeuten – oder Mindereinnahmen. «Ich kann die Bauern gut verstehen», sagt Johann Frei. Immer höher sei ihr wirtschaftlicher Druck, immer schwieriger sei es für sie, von der Landwirtschaft zu leben. Und dennoch: Die Familie Frei bedauert es, dass bei einigen Kyburgern der Naturschutz noch heute, im Jahr 2014, kaum der Unterstützung wert ist. Daran denken sie aber nicht, wenn die beiden wieder einmal die Schlosshalde hochgehen. Jenen Hang, an dem nicht nur die Föhren und seltene Bäume wie die Elsbeere, sondern auch ihre Naturschutzbemühungen ihre Wurzeln haben. Dort nickt Johann schon, bevor Käthi ihm die Frage gestellt hat. Denn natürlich hat er ihn auch gesehen, den blühenden Huflattich. «Schön sieht er aus», lächelt er.

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