Brühlberg-Fiasko

«Bei Krisen zieht sich Felix Müller zurück»

Seit Jahren sitzt Beat Meier in derselben ­Schulpflege wie der kritisierte Felix Müller. Nun äussert sich der Vizepräsident erstmals zur Schulkrise im Brühlberg – und schiesst scharf gegen ­seinen Amtskollegen.

«Es braucht eine neue Schulleitung»: Beat Meier will das Vertrauen in die Brühlberg-Schule und in die Kreisschulpflege wiederherstellen.

«Es braucht eine neue Schulleitung»: Beat Meier will das Vertrauen in die Brühlberg-Schule und in die Kreisschulpflege wiederherstellen. Bild: Madeleine Schoder

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Herr Meier, was läuft schief an der Schule Brühlberg?
Beat Meier: Es hat sich in den letzten Jahren eine negative Dynamik entwickelt, der Dialog zwischen Lehrern und Schulleitung funktioniert aus meiner Sicht nicht mehr. Viele kleine Faktoren dürften so zum Scherbenhaufen beigetragen haben, vor dem wir jetzt stehen.

Wer trägt die Schuld dafür?
Die Zusammenführung der Schulkreise oder der Schulhäuser Brühlberg und Neuwiesen, wie das auch schon geäussert wurde, ist nicht das Problem. Es geht vielmehr um konkrete Personen. Einen Anteil an der Schuld dürfte die Schulleiterin haben, die nun auf unbestimmte Zeit krankgeschrieben ist. Sie kam 2014 aus dem Bankenbereich an die Schule, es fehlte ihr wohl an Erfahrung. Einen weitaus grösseren Anteil dürfte aber Schulpflegepräsident Felix Müller haben. Es wäre seine Aufgabe, die Schule und das Personal zu führen.

Was werfen Sie Müller vor?
Vom Fachlichen her macht Müller sicher einen guten Job, er kennt sich aus im Schulwesen und ist gut vernetzt. Erhebliche Mängel sind im Bereich der Führung und in der Kommunikation vorhanden.

«»Vom Fachlichen her macht Müller sicher einen guten Job»Beat Meier (FDP),
Vizepräsident Schulpflege Stadt Töss

Wie äussert sich das?
Müller ist in Krisensituationen ungenügend präsent, er zieht sich dann hinter seinen Schreibtisch zurück. Und bevor es zur Krise kommt, ist er kaum proaktiv, geht nicht auf die Leute zu. Er führt meines Erachtens viel zu wenig Gespräche und fühlt deshalb auch nicht den Puls von Lehrern oder Eltern. Man kann es sich ja auch nicht anders erklären, dass neun Lehrpersonen gleichzeitig kündigen und er im Vorfeld nicht viel mitbekommen hatte.

Neun Lehrpersonen? Die Rede war bisher von acht.
Neben den acht Hauptlehrpersonen der Unter- und Mittelstufe hat sich in den letzten Tagen eine weitere Person entschieden zu gehen.

Sie haben eine klare Meinung, sitzen aber selber seit rund zehn Jahren in der Schulpflege. Weshalb hat das 13-köpfige Gremium nicht früher interveniert?
Ich habe in Schulpflege- oder an Bürositzungen oftmals intern seine Vorgehensweise kritisiert, ich wollte eine proaktivere Haltung, mehr Führung und eine transparentere Kommunikation. Zudem hat das Gremium Herrn Müller wiederholt angesprochen, er solle sein Doppelmandat als Baurekursrichter überdenken. Dabei muss man berücksichtigen, dass nur der Präsident der Schulpflege einen bezahlten 100-Prozentjob hat, wir anderen arbeiten stundenweise und opfern auch Freizeit für unser Amt. Hinzu kommt, dass seit den letzten Wahlen 2014 die Hälfte der Schulpflegemitglieder zurückgetreten ist. Das machte ein geschlossenes Auftreten schwierig.

«Das Gremium hat Herrn Müller wiederholt angesprochen, er solle sein Doppelmandat als Baurekursrichter überdenken.»

Sie hätten aber doch schon längst eine Sonderkommission ansetzen oder die Öffentlichkeit informieren können – Sie wurden ja schliesslich auch vom Volk gewählt.
Im Nachhinein betrachtet, hätten wir genauer hinschauen müssen. Aber bisher waren die Kündigungen vereinzelt und wir hatten bis zuletzt Vertrauen, dass es gut kommt. Müller stellte die Situation auch schöner dar, als sie es wirklich war. Jetzt hat es aber geknallt, und wir nehmen unsere Verantwortung wahr. Wir geben den Eltern das Versprechen, dass wir die Schule Brühlberg aus den Turbulenzen heraus und in die Kontinuität führen. Was wir momentan nicht brauchen können sind politische Kämpfe, und gezielte Falschinformationen.

Was meinen Sie damit?
Was gar nicht geht, ist die Medienmitteilung von Müllers Partei. Die Grünen behaupten, die gesamte Schulpflege sei für die Einsetzung einer neuen Schulleitung zuständig. Das ist schlicht falsch, der Präsident allein setzt die Schulleitung zusammen mit dem Volksschulamt ein. Die Kreisschulpflege wird darüber lediglich orientiert.

«Müller stellte die Situation schöner dar, als sie es wirklich war.»

Ein vierköpfiges Kernteam soll nun zumindest die neuen Lehrer rekrutieren, Sie sind dabei, Müller aber nicht. Weshalb ist denn das möglich?
Herr Müller hat an der Sitzung vom 11. April dem Kernteam zugestimmt. Das ist immens wichtig, um nun das Vertrauen wieder aufzubauen. Auch wenn Müller nicht kritisiert würde, wäre es wichtig, ihn aus der Schusslinie zu nehmen.

Wie geht es in den nächsten Wochen weiter?
Wir brauchen schnell ein gutes und motiviertes Lehrerteam, das sich mit dem Konzept des altersdurchmischten Lernens identifizieren kann. Und es braucht aus meiner Sicht umgehend eine neue Schulleitung, nur eben sind uns da die Hände gebunden.

Wird Felix Müller die Leitung ersetzen?
Bis jetzt ist nichts passiert. Wir können nur hoffen und auf ihn einwirken, dass er sich der Sache rasch und effektiv annimmt.

Ihre Äusserungen lassen bezweifeln, dass die Zusammenarbeit mit dem Präsidenten noch konstruktiv ist. Die nächsten Wahlen sind erst in einem Jahr. Wie geht es in der Schulpflege weiter?
Wir können zusammenarbeiten, Felix Müller kann mit der Kritik an seiner Person aus meiner Sicht umgehen. Die Situation bei uns ist aber auch exemplarisch für die Schulpflege im Allgemeinen.

Was müsste sich ändern?
Viele gewählte Schulpfleger haben wenig Erfahrung und brauchen eine gewisse Zeit, bis sie sich in Themen eingearbeitet haben. Die Parteien müssen ihre Schulpfleger besser rekrutieren und es braucht eine Professionalisierung der Behörde. Und die Sitzungskadenzen müssen erhöht werden. Wir sehen uns nur alle zwei Monate, dazwischen amtet Felix Müller praktisch alleine.

Der Bezirksrat untersucht als Aufsichtsbehörde nun zum zweiten Mal Vorwürfe gegen Müller. Wurden Sie schon zu einem Gespräch eingeladen?
Noch nicht, aber ich hoffe sehr, dass das noch passiert. Der Bezirksrat und die Schulpflege sind nun in der Pflicht, die Situation zu bereinigen. Im Zentrum steht das Wohl der Kinder. Wir sind es ihnen schuldig, einen möglichst reibungslosen Übergang ins nächste Schuljahr zu gestalten. Dazu braucht es Offenheit und viel Sozialkompetenz.


Beat Meier ist FDP-Mitglied und wurde vor zehn Jahren erstmals in die Schulpflege gewählt. Er ist ­Personalchef der Zürcher Strassenverkehrsämter und für über 400 Mitarbeiter zuständig. (Der Landbote)

Erstellt: 21.04.2017, 18:33 Uhr

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Zur Person

Beat Meier ist FDP-Mitglied und wurde vor zehn Jahren erstmals in die Schulpflege gewählt. Er ist ­Personalchef der Zürcher Strassenverkehrsämter und für über 400 Mitarbeiter zuständig.

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