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Beide wollen an die Spitze der Gemeinde

Nur vier Monate waren Christian Moos (SVP) ­ als Gemeindepräsident vergönnt, als er unerwartet starb. Um ­ seine Nachfolge kämpfen Vizepräsidentin Katharina Weibel (FDP) und Schulpräsident Marco Calzimiglia (SVP).

Zuerst die Frage an Sie beide: Wann und mit welcher Motivation haben Sie sich in dieser schwierigen Ausgangslage zur Kandidatur für das Gemeindepräsidium entschieden?

Katharina Weibel: Als erste Vizepräsidentin musste ich nach dem Tod von Christian Moos Ende ­August 2014 das Gemeindepräsidium ad interim übernehmen – das ist meine Aufgabe. Meine Zielsetzung war es damals, eine ein­fache Lösung im Gemeinderat im Sinne von Kontinuität zu finden. Als sich durch die Kandidatur von Marco Calzimiglia dann eine komplizierte Lösung mit einem Wechsel auch in der Schulbehörde abzeichnete, entschloss ich mich, ­zu kandidieren.

Marco Calzimiglia: Kurz nach dem Tod von Christian Moos ­einigten wir uns im Gemein­de­rat dar­auf, jemanden aus der Behörde für das Präsidium zu finden. Katha­rina Weibel sagte damals, ­ sie suche das Amt nicht. Ich erhielt dann den Auftrag, die Si­tua­tion ­ in der Schulpflege abzuklären, ­ da mein Wechsel ja dort zu einer Vakanz führen würde. Meine Abklärungen ergaben, dass sich zwar in der Schulbehörde niemand zur Übernahme des Schulpräsidiums bereit zeigte, sich aber dafür ein valabler externer Kandidat zur Verfügung stellen würde. Da habe ich mich zur Bewerbung entschieden. Hätte Katharina Weibel nicht auch kandidiert, wäre ich im Dezember in stiller Wahl als einziger Kandidat zum Gemeindepräsiden­ten gewählt geworden.

Die SVP will das Präsidium ­ in Ihrer Hand wissen. Wie wird dieser Anspruch begründet?

Calzimiglia: Einerseits gehörte der verstorbene Gemeindepräsident der SVP an. Andererseits verzichtete die FDP in der Gesamterneuerungswahl 2014 auf eine Kampf­wahl ums Gemeindepräsidium. Nachdem das Gemeindepräsidium – abgesehen von den vier Monaten mit Christian Moos – 17 Jahre lang mit Jürg Spiller von der FDP besetzt war, fände ich es richtig, wenn es nun in SVP-Hand bliebe.

Dass nach dem tragischen Tod von Christian Moos nun um seine Nachfolge gestritten wird, empfinden einige Leute in Seuzach als pietätlos.

Weibel: Tatsächlich wäre es der einfachste und ruhigste Weg gewesen, einen weiteren Gemeinderat zur Vervollständigung der ­Behörde zu suchen. Das hätte ­wenig Differenz und Unsicherheit bedeutet. Durch die Kampfwahl wird das Personalproblem des Gemeinde­rates in die Schulpflege exportiert. Was ist aber pietätlos? Einen Wirbel in den Behörden ­ zu veranstalten oder der Versuch, Kontinuität zu gewährleisten? Calzimiglia: Einige Bewohner von Seuzach halten es in der Tat für pietätlos, dass es nun zu Kampfwahlen kommen muss. Natürlich hat Katharina Weibel das Recht, ebenfalls zu kandidieren; ich verstehe jedoch ihren Meinungsumschwung nicht so ganz.

Frau Weibel, hatten Sie zuerst gesagt, dass Sie für das Amt nicht zur Verfügung stehen?

Weibel: Nein, das habe ich nicht. Das ist eine Unterstellung. Ich suchte eine einfache Lösung, die Konstanz und möglichst wenig Unsicherheit für die Bevölkerung bringt.

Sie betrachten das Gemeinde­prä­sidium «als spannenden ­Abschluss Ihrer politischen Karriere», wie Sie an anderer Stelle sagten. Inwiefern?

Weibel: Seit letztem Sommer übe ich das Amt ad interim aus. Vom Typ her bin ich jemand, der sich gerne für eine bestimmte Sache engagiert. Ich bin seit 1988 in ­ der Gemeinde und das neunte Jahr in der Behördenarbeit aktiv. Ich weiss ziemlich genau, was mich erwartet. Das Gemeinde­präsidium finde ich spannend und es macht mir Spass.

Ihre Kandidatur steht unter dem Slogan «Konstanz mit Katha­rina Weibel als Gemeindepräsidentin» – wie lange?

Weibel: Die Kontinuität hat schon begonnen. Die Zielsetzung, die auch in besagtem Communiqué der FDP zum Ausdruck kommt, war ein möglichst runder Ablauf. Wir gingen davon aus, dass in einer Ersatzwahl ein neuer Gemeinderat gewählt wird und ­ das Präsidium dann aus der ­Behörde heraus besetzt wird. Ich hoffe, dass mich die Wähler auch 2018 nochmals wählen würden. Dann wäre ich gerne eine ak­tive, engagierte Gemeindepräsidentin, die sich um die Anliegen der Bevölkerung kümmert – und auch Zeit dafür hätte.

Ganz sicher bis 2022?

Weibel: Das ist möglich. Wer kann heute sagen, was 2022 ist.

Herr Calzimiglia, Sie kandi­dieren auch für den Kantonsrat, auf der Poleposition. Wären beide Ämter nicht zu viel?

Calzimiglia: Als ich im Juni 2014 Ja zur Kantonsratsliste sagte, war ich neben dem Schulpräsidium und dem daran geknüpften Gemeinderatsmandat dazu bereit. Meiner Meinung nach sind einerseits Schulpräsidium mit kombiniertem Gemeinderat und andererseits das Gemeindepräsidium vom Pensum her sehr ähnlich. Ich habe mich mit meiner Familie und meinem Geschäftspartner abgesprochen und würde das Pensum im Geschäft reduzieren. Für den Kantonsrat und das Gemeindepräsidium hätte ich sicher genügend Zeit.

Was ist aus Ihrer Sicht jetzt wichtig für Seuzach?

Weibel: Kurzfristig ist aus mei­- ner Sicht das Wohnen im Alter ­ ein enorm wichtiges Thema. Wir brau­chen hier Lösungen in die weite Zukunft. Wichtig ist auch die ­Frage, was mit dem alten Kinder­gar­ten Oberohringen beziehungsweise mit dem Haus dort geschieht. Priorität hat auch die ­Frage, wie es mit der definitiven Lösung für die Buslinie 674 vom Hauptbahnhof Winterthur via ­Rosenberg nach Seuzach weitergeht. Wichtig sind mir ausserdem eine attraktive Schule und dass ­ wir wieder mehr Wohnraum für junge Familien haben. Im Dorf soll es einen guten Mix von Jung und Alt geben. Auch das Thema Gemeinsinn liegt mir am Herzen. In einer Gemeinde von über 7000 Einwohnern muss der Einsatz für das Gemeinwohl gefördert und hono­riert werden.

Calzimiglia: Wir haben eine erfolg­reiche Gemeinde. Das würde ich gerne so beibehalten. Seuzach ist die grösste Landgemeinde im Bezirk Winterthur-Land. Als solche hat sie auch Zen­trums­funk­tion für andere Gemeinden, die ge­wisse Angebote nicht mehr selbst an­bieten können oder wollen. Beim wich­tigen Thema Wohnen im ­Alter geht es jetzt darum, ein ­gutes Projekt zu lancieren. Wir haben über 21 Prozent ältere Leute ­ in Seuzach. Ihnen müssen wir ­ eine Möglichkeit anbieten, ein ­Zu­hause zu finden. Dar­über hinaus müs­sen wir meiner Meinung nach steuerlich attraktiv bleiben und die ­Lebens­qualität erhalten. Ein ­gemeinschaftliches Mit­ein­ander in Seuzach ist mir wichtig.

Das tönt ähnlich, worin unterscheiden Sie sich denn effektiv?

Calzimiglia: Einerseits im Alter – um fast eine Generation – und ­natürlich im Geschlecht Der ­Gemeinderat Seuzach ist bürgerlich geprägt, weshalb SVP und FDP nicht weit auseinanderliegen. Wir ziehen am gleichen Strick und wollen in vielen Bereichen das Gleiche: eine gute, schöne, aktive und lebenswerte Gemeinde.

Weibel: Da stimme ich zu. Im Ge­mein­de­rat schauen wir fürs ­Ganze. Klar, ich bin eine Frau, ich bin ­älter – und habe keine grossen Familienaufgaben mehr. Dafür bringe ich neben meiner Erfahrung Zeit mit. Zurzeit bin ich dabei, von meinen langjährigen Ämtern im Kantonsrat und in der Berufs­bildungskommission zurückzutreten. Wenn ich an Dinge herangehe, dann konzentriere ich mich auf die Aufgabe, bis sie erfüllt ist.

Calzimiglia: Ich habe bewiesen, dass ich gleichzeitig auf meh­re­ren Baustellen arbeiten kann. Ich ­geniesse dabei aber auch meinen wöchentlichen Papitag und bin stolz darauf. Geschäftlich kann ich meine Zeit flexibel einteilen. Interview: Dagmar Appelt

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