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Beim Barte des Propheten

Der Berliner Rapper Bushido bedient mit seinem neuen Album «Sonny Black» wieder knallhart sein Böser-Bube-Image.

Ach, was war das für ein Schlagzeilenhagel im Blätterwald pünktlich zur Albumveröffentlichung. Bushido motzt gegen Ex-Kumpel Kay One im Track «Leben und Tod des Kenneth Glöck­ler». Bushido ruft zum Boykott der Drogeriekette Müller auf. Bushido wird von Gregor Gysi doch nicht verklagt. Bushido beschimpft Markus Lanz und Peter Maffay. Bushido muss wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht – er soll einen Fan mit einem Schuh geprügelt haben. Wer bis dahin noch nichts von der Existenz Bushidos wusste, wusste spätestens jetzt sogar alle Details. Die PR-Maschine lief an, sie kam so richtig auf Touren, und sie läuft weiter und bleibt auf Touren, dafür sorgt für den Moment das neue Album «Sonny Black». Es ist ein beeindruckendes Konzeptwerk aus dem Genre Gangsta-Rap, das 15 Tracks lang wild um sich boxt und ballert, protzt und pöbelt. Gefeiert wird ein finsteres Fest der Gossenpoesie, das vom krass gnadenlosen, weil krass eindimensionalen, dabei aber krass expliziten Ausbeuten seines Themas lebt und deshalb als krass gelungen gelten darf, auch weil nebenbei zahlreich Prominenz von Lanz, Heino, Pocher oder Westerwelle bis MC Fitti, Culcha Candela oder eben Kay One ihr Fett abbekommt. Taliban-Rapper Anis Mohamed Youssef Ferchichi, 35 Jahre alt, ist in doppelter Deckung zurück im knallharten Milieu. Aus der Rolle des Bushido schlüpft er wieder einmal in die Rolle des Sonny Black. Nimmt er als Bushido Bezug auf die Samurai, nimmt er als Sonny Black Bezug auf die italoamerikanische Mafia. Sonny Black war das Pseudonym des Gangsters Dominic Napolitano, leitender Angestellter bei der La Cosa Nostra. Ferchichi alias Bushido alias Sonny Black kommt zum Ende hin kurz auf die Figur Johnny Fontane und «Der Pate Teil 4» zu sprechen, sein Gangster präsentiert sich aber anders. Nennt sich im Stück «Osama Flow» einen «Taliban-Rapper», der mit Stichwortsalven wie «Saudis Audis» und «Soldat Vollbad» schiesst, sieht auf dem Album­cover mit Bart und Kopftuch aus wie ein «Taliban-Rapper». Doch eigentlich ist Sonny Blacks Hauptquartier Berlin, hier ist er der King, der Chef, der Boss, der Tyrann. Der Status, das Territorium werden – die Titel vieler Tracks verraten es – resolut verteidigt bei einer «Messerstecherei», «Mitten in der Nacht», auch mit «Blei-Patronen» oder «Baseballschläger». Sonny Black jagt die «Hurensöhne» (Feinde), schmiert «die Bullen» (Polizei), droht mit seiner «Sippe» oder «La Famiglia» (Abou-Chaker-Clan). Schreie, Schüsse, Detonationen sind zu hören, kaputte Beats und kirre Sounds, eine sinistre Stimme preist seinen Namen. Klavier- oder Kontrabass-Samples treiben assoziative, metaphorische Poser-Reime an. «Electro-Ghetto-Rap» wird das treffend im ersten Track genannt. Den Gangster hat Bushido auf seinem zehnten Album «Sonny Black» überzeugend drauf. Statt «Keine Macht für niemand» lautet seine Parole «Kein Respekt vor niemand». Da die gewaltige Bejubelung seiner selbst viel Platz in Anspruch nimmt, bleibt relativ wenig Platz für primitive Beleidigungen und Herabwürdigungen anderer – Frauen, Schwule oder Juden. Am Ende menschelt es sogar mächtig, dann spricht der Gangster zu schmalziger Streicherei von seiner schweren Jugend, dankt Mama und Fans, ist stolz auf sein Image, das er selbst kreiert hat. Auch noch ein Gangster mit Herz, dieser Sonny Black, wie ihn Bushido gibt, der von Anis Ferchichi verkörpert wird.

Bushido

Sonny Black (Bushido/Sony Music). Konzert: 27.?09.?2014, Zürich, Komplex 457

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