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Beim Schmidheiny- Prozess haben alle Beteiligten verloren

ie Empörung der Asbestopfer und ihrer Angehörigen nach dem Freispruch für Stephan Schmidheiny ist auf den ersten Blick verständlich. «Tausende Tote – und kein Schuldiger?» Doch die Frage ist falsch gestellt. Richtig müsste sie lauten: Sind wir wirklich sicher, dass die Justiz mit dem ehemaligen SEG-Chef den richtigen Schuldigen vor Gericht gestellt hat? Die italienische Justiz und die Medien hatten sich seit Beginn des Prozesses auf Schmidheiny eingeschossen. Das war bequem: Es lenkte von der Verantwortung der eigenen Behörden ab, welche die Asbestverarbeitung erst Jahre nach dem Ausstieg Schmidheinys aus der Asbestverarbeitung verbot. Es war bequem für die Gewerkschaften, welche einst gegen die Schliessung der Eternitfabriken protestierten und sich dann im Prozess als Zivilkläger aufspielten. Es war bequem für die Invalidenversicherung, die Vorschriften für den «safe use» verspätet erlassen und dann kaum kontrolliert hatte und nun darüber jammert, dass die Asbestopfer schon 280 Millionen Euro gekostet hätten. Es war bequem für alle. Schmidheiny trifft als führender ehemaliger Asbestunternehmer zweifellos eine Mitverantwortung. Doch der Versuch, das tödliche Vermächtnis der Asbestverarbeitung mit einem Strafprozess gegen einen Einzelnen aufzuarbeiten, war der falsche Weg. Dass mit dem Freispruch durch das Kassationsgericht noch ein Rest von Rechtsstaatlichkeit gewahrt wurde, ist nur ein kleiner Trost. Denn verloren haben bei diesem Prozess alle: die italienische Justiz, die sich mit einer neuen Anklage endgültig lächerlich machen wird; Schmidheiny, der seit Jahren im Stillen den Opfern hilft und als Massenmörder verunglimpft wurde; der italienische Staat, der ausländische Investoren abschreckt und Millionen für absurde Prozesse ausgibt. Und nicht zuletzt die Opfer und ihre Angehörigen, denen jahrelang vorgegaukelt wurde, ihnen werde Gerechtigkeit zuteil, wenn ein Sündenbock hinter Gitter wandere.

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