Zum Hauptinhalt springen

Benaglio – der Ausländer unter den Bundesliga-Goalies

Seit ihn Köbi Kuhn im Februar 2008 in einem Londoner Nobelhotel zur Nummer 1 für die Heim-EM machte, ihn also Pascal Zuberbühler, dem WM-Helden von 2006, vorzog, ist Diego Benaglio unbestritten der Mann im Schweizer Tor. Es mag zurzeit diskutiert werden, ob der erfahrenere Berner Marco Wölfli noch immer zu Recht die Nummer 2 sei vor dem talentierteren Basler Yann Sommer – nicht diskutiert aber wird, auch von diesen beiden, dass Benaglio zu Recht erste Wahl ist.

Der Match am Freitag in Slowenien war jüngster Beweis dafür. Paraden, wie sie Benaglio nach einer halben Stunde gegen Tim Matavz vom PSV Eindhoven bot, können spielentscheidend sein. In diesem Falle wäre ein 1:1 – Sekunden nach Eren Derdiyoks Pfostenschuss – womöglich ein fatales Zeichen gewesen.

Schon auf Platz 4

Tags dar­auf wurde Benaglio 29 Jahre alt, heute steht er gegen Albanien zum 46. Mal im Schweizer Tor. Damit ist er bereits die Nummer 4 in der nationalen Hierarchie, hinter Erich Burgener, der nie ein grosses Turnier bestreiten durfte, mit 64 Länderspielen, Marco Pascolo mit 55 und «Zubi» mit 51. Die Zeit der WM 2014 in Brasilien könnte also, läufts wunschgemäss, damit zusammenfallen, dass Benaglio der Rekordmann unter den Schweizer Goalies wird.

Benaglio ist mittlerweile auch ein Führungsspieler in der Nationalmannschaft. Zusammen mit Captain Gökhan Inler handelte er beispielsweise die WM-Prämien aus. Und glaubt er, es hebe einer der Jüngeren ab, es könnte einer nach einem Erfolg wie jenem von Slowenien in der Kon­zen­tra­tion für die nächste Aufgabe nachlassen, «dann sage ich ihm das auch». Und zwar in einem Ton, der nicht laut zu werden brauche.

Benaglio kann von sich ja auch sagen, in der Geschichte der Schweizer Torhüter zu sein, der als Auslandprofi am meisten Ansehen erworben habe – sicher mehr als Zuberbühler bei seinem Abstecher zu Bayer Leverkusen oder später in England; sicher mehr als Pascolo mit insgesamt nur 19 Ligaspielen für Cagliari und Nottingham Forest. Nach zweieinhalb Jahren bei Nacional Funchal spielt Benaglio nun seit dem Januar 2008 beim VfL Wolfsburg. Gleich in seinem ersten Pflichtspiel, einem Cupmatch gegen Schalke 04, war er der Held eines Elfmeterschiessens. Anderthalb Jahre später war er mit den «Wölfen» Meister.

Seit Beginn der Saison ist er gar deren Captain – und hielt in seinem ersten Bundesligamatch in dieser Rolle gleich wieder einen Elfmeter. Auch deshalb gewann der VfL sein Startspiel beim VfB Stuttgart 1:0; Benaglio wurde vom Fachblatt «Kicker» zum «Spieler der Runde» gewählt. Eine Überraschung sei es natürlich nicht mehr gewesen, als ihm Trainer Felix Magath in einem persönlichen Gespräch die Wahl mitgeteilt habe, «schliesslich war ich letzte Saison schon Vizecaptain».

Den Captain-Status erarbeitet

Das mache ihn schon stolz, fügt er bei. «Aber ich bin jetzt bald fünf Jahre da, und den Status in einer Mannschaft erarbeitet man sich nicht von heute auf morgen», sagt Benaglio. «Ich habe aber auch immer Verantwortung übernommen. Und natürlich ist die Persönlichkeit wichtig. Wenn du nicht einer bist, der auch mal die Klappe aufmacht, dann bist du nicht die richtige Wahl als Captain.» Mindestens so stolz macht ihn aber auch, neben 17 Deutschen einziger ausländischer Stammgoalie in der Bundesliga zu sein – und das in einem Land, das auf seine Torhütertradition besonders viel gebe.

Kein Problem ist für ihn auch, mit einem Trainer wie Magath zu arbeiten, der in den Medien immer wieder als «Schleifer», ja als «Sonderling» rüberkommt, gerne «Quälix» genannt wird. Benaglio hat unter ihm schon in Stuttgart zusammengearbeitet. Er wusste also, worauf er sich einlässt, als dessen Angebot aus Wolfsburg kam. «Er tut einfach alles für den Erfolg, und das verlangt er auch von den Spielern», urteilt der Torhüter, aber «Unmenschliches» habe er an seinem Trainer noch nie festgestellt. Der werde öfter «falsch dargestellt. Denn intensiv trainieren hat nichts mit quälen zu tun.»

Trainiert Benaglio nicht mit Magath, tut er es mit Landsleuten: An­dreas Hilfiker ist seit Jahren Goalietrainer beim VfL, der ehemalige FCW-Goalie Marwin Hitz (25) die Nummer 2. Und zumindest was Benaglio anbetrifft, wird es noch geraume Zeit bei dieser Konstellation bleiben, denn er hat im Frühjahr seinen Vertrag um vier Jahre bis 2017 verlängert.

Heute in Luzern ist er allerdings in seiner Funktion als Nummer 1 der Schweiz zu sehen. Ein Sieg gegen Albanien ist das Ziel nach einem «Dreier» in Slowenien, «nach dem wir doch auch bei den Schweizern schon ein bisschen Euphorie spürten». (hjs)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch