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Berner "Heiler" und eine weitere Person gefasst

Die Polizei hat am Freitagmittag den in seinem Haus verschanzten Berner "Heiler" und eine weitere Person angehalten. Ein Grossaufgebot der Polizei hatte die Liegenschaft des Mannes rund 24 Stunden lang umstellt. Der Heiler war bewaffnet und drohte mit Gewalt.

Der Zugriff auf den verschanzten "Heiler" erfolgte kurz vor Freitagmittag, wie Polizeisprecher Michael Fichter der Nachrichtenagentur sda mitteilte. Wenig später hiess es von Seiten der Polizei, dass beim Einsatz im Berner Stöckackerquartier insgesamt zwei Personen angehalten worden seien, ein 54-jähriger Mann und eine Frau.

Bereits am Donnerstagabend war spekuliert worden, in der Wohnung des verschanzten Heilers könnte sich eine Frau aufhalten. Augenzeugen sprachen von einer weiblichen Person, die am Fenster gesichtet wurde. Auch entsprechende Pressebilder legten dies nahe.

Am Freitagmorgen bestätigte die Polizei dann, dass sich in der Wohnung tatsächlich auch eine Frau aufhalte. In welcher Beziehung sie zum Heiler stehe, sei noch nicht klar.

Nähere Angaben zum Gesundheitszustand des Heilers und der Frau machte die Polizei am Freitagmittag nicht.

Der selbsternannte Heiler hatte sich am Donnerstag in seinem Haus verschanzt und sich einer Aufforderung widersetzt, vor Gericht zu erscheinen. Vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland ist der Heiler angeklagt, weil er mutmasslich 16 Menschen absichtlich mit HIV infizierte.

Nachdem der Mann zweimal nicht wie vorgesehen vor Gericht erschien, liess der Gerichtspräsident den "Heiler" von der Polizei abholen. Als diese eintraf, verschanzte sich der Mann in seinem Haus. Er war bewaffnet.

Am Donnerstag trat er einmal kurz aus aus dem Haus, bewaffnet mit einem Schwert und einem Messer. Danach verschwand er wieder in der Liegenschaft, ohne dass die Polizei auf ihn zugreifen konnte.

Die Polizei sei anschliessend bis zur Wohnungstür des Mannes vorgedrungen. Durch diese habe der Verschanzte massive Drohungen gegenüber Polizei und Justiz ausgestossen, schilderte Polizeisprecher Fichter am Freitagmorgen die Geschehnisse.

Der Polizeieinsatz gestaltete sich "wegen der baulichen Situation im Haus" schwierig, wie Fichter weiter schilderte. Er dürfte damit auf Pressebilder angespielt haben, die zeigen, dass der Mann seine Liegenschaft offenbar gegen mögliche Eindringlinge geschützt hatte. In verschiedenen Medien waren in den vergangenen Wochen Bilder von Überwachungskameras am Haus zu sehen.

Am Freitagnachmittag soll der Prozess gegen den "Heiler von Bern" fortgesetzt werden. Geplant sind erste Plädoyers von Opfer-Anwälten. Ob der Heiler selber dem Gericht vorgeführt wird, ist offen.

An dem nun schon mehrere Tage dauernden Prozess haben die Opfer den Angeklagten schwer belastet. Auch ein medizinisches Gutachten belastete den Heiler. Der Staatsanwalt forderte am Donnerstag in seinem Plädoyer eine 15-jährige Freiheitsstrafe für den Angeklagten.

Der Heiler befand sich vor Beginn des Prozesses auf freiem Fuss. Nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft machte ihm die Berner Justiz zunächst Auflagen. So durfte der Mann den Kanton Bern nicht verlassen und musste sich täglich bei der Polizei melden. Das Bundesgericht strich aber die meisten dieser Auflagen; sie seien unverhältnismässig, war das höchste Gericht der Ansicht.

(sda)

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