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Besitzer fahren besser als Mieter

Die In­itia­ti­ve «Sicheres Wohnen im Alter» ist ein weiterer Versuch, die Si­tua­tion von Wohneigentümern zu verbessern. Dabei zahlen diese schon jetzt oft weniger Steuern als vergleichbare Mieter.

Er ist der Feind der Wohneigentümer: der Eigenmietwert, ein fiktives Einkommen, das versteuert werden muss. Er entspricht dem Betrag, der bei der Miete einer gleichwertigen Wohnung oder eines gleichwertigen Hauses anfallen würde. Er kann die Steuerrechnung massiv erhöhen, ohne dass das reale Einkommen steigt. Verständlich also, dass die Wohneigentümer davon nicht begeistert sind. Doch führt der Eigenmietwert tatsächlich dazu, dass Eigentümer ge­gen­über Mietern bei den Steuern benachteiligt werden? Ganz im Gegenteil, sagt der Bundesrat. Er kam schon vor über zehn Jahren in seiner Botschaft zum Steuerpaket zum Schluss, dass vielmehr die Mieter in der Regel steuerlich benachteiligt seien. Und sozialpolitisch besonders brisant: «Der steuerliche Vorteil des Eigentümers nimmt mit steigendem Einkommen und Vermögen zu.» Der Bundesrat berief sich auf eine Expertenkommission und brachte als Beispiel den Vergleich von zwei Berner Familien durch: Beide haben zwei Kinder, 120 000 Franken Vermögen und 80 000 Franken Erwerbseinkommen. Doch während die erste Familie eine Eigentumswohnung kauft, bewohnt die zweite eine vergleichbare Mietwohnung. Ergebnis: Die Mieterfamilie zahlte fast 50 Prozent mehr Steuern. Doch wie ist das möglich? Dafür verantwortlich sind mehrere Gründe: K Eigenmietwert ist logisch: Aller Kri­tik zum Trotz hat der Eigenmietwert (in Kombination mit den Abzügen für Wohneigentümer) durchaus seine Logik. Denn der Wohneigentümer muss keine Miete bezahlen. Insofern bringt ihm sein Wohneigentum durchaus einen Ertrag, seine Einsparung bei der Miete. Würde er sein Geld statt in Wohneigentum in Obligationen stecken, müsste er die Erträge daraus ja auch versteuern – auch wenn diese für die Bezahlung seiner Miete wieder draufgehen würden. K Nicht der ganze Eigenmietwert: Der Eigenmietwert entspricht zwar theoretisch dem Betrag, der bei der Miete eines vergleichbaren Objekts anfallen würde. In Wirklichkeit wird er aber bei 60 bis 80 Prozent dessen festgelegt, was der Eigentümer an Miete verlangen könnte, wenn er sein Eigenheim vermieten würde. Begründet wird dies damit, dass die Verfassung neben der Gleichbehandlung auch die Wohneigentumsförderung vorschreibt. K Zahlreiche Abzüge: Die Wohneigentümer müssen nicht nur den Eigenmietwert versteuern, sie dürfen im Gegenzug dazu auch Abzüge, insbesondere für ihre Hypothekarschulden, machen. Laut dem Bundesrat waren im Jahr 2005 im Kanton Bern bei gut der Hälfte der Wohneigentümer die Abzüge grösser als der Eigenmietwert. Bei den Rentnerhaushalten war dies allerdings nur bei 20 Prozent der Fall. Kein Wunder, zielt der Hauseigentümerverband mit seiner In­itia­ti­ve auf die Rentner. Nur sie sollen künftig wahlweise zu einem System ohne Eigenmietwert wechseln können, wobei sie gleichzeitig auf die meisten Abzugsmöglichkeiten verzichten müssten. Abzüge auch für Mieter? Ebenso kein Wunder, dass auch viele Vertreter der Linken und der Mieter den Eigenmietwert für alle abschaffen wollen – im Prinzip. Praktisch wird sich die Politik aber seit Jahren nicht einig, welche Abzüge für Wohneigentümer im Gegenzug zu streichen wären. Theoretisch gäbe es eine «saubere» Lösung: Abschaffung des Eigenmietwerts, Beibehaltung aller Abzüge für Wohneigentümer, Einführung eines Mietabzugs. Wohnkosten könnten also generell abgezogen werden. Das wäre zwar fair, würde aber die Steuereinnahmen beim Bund ohne Gegenmassnahmen massiv senken. Gut möglich daher, dass uns der ungeliebte Eigenmietwert noch einige Zeit erhalten bleibt.

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