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Besuch an Stefaninis Krankenbett

Wie krank ist der Immobilien- und Bildersammler wirklich? Kann er noch selber entscheiden, oder ist er dement? Der «Landbote» konnte den Sohn und die Tochter von Bruno Stefanini gestern bei einem kurzen Krankenbesuch begleiten.

Luxuriös ist nichts in Bruno Stefaninis Schlafzimmer. Die Vorhänge, der Linoleumboden, der Wandverputz, die Möbel, alles ist alt. Nur der Fernseher scheint aus diesem Jahrtausend zu sein. Neben dem Bett hat jemand das Poster der Stefanini-Ausstellung in Bern hingepinnt, das Sujet ist ein Anker-Mädchen. Daneben hängt eine Fotografie jener Leute, de­nen er in Büro und Stiftung vertraut, in der Mitte der Patron. Das Bett, in dem Bruno Stefanini liegt, ist immerhin höhenverstellbar und hat eine Spezialmatratze, die dem Wundliegen entgegenwirkt. Zwei Pflegerinnen sind bei ihm. Kurze, passende Antworten Der 90-Jährige fasst die Tochter, dann den Sohn bei der Hand und drückt sie. Er scheint zumindest zu spüren, wer ihn am Krankenbett besucht. «Hoi, wie gehts dir heute?», fragt sie. «Es geht.» Ob er Schmerzen habe? «Ja.» Ob er gehört habe, was in den Zeitungen über ihn stand? «Ja.» Und was er dazu meine? «Positiv.» Die Antworten des alten Mannes sind kurz und hart und passen zu den Fragen. Ob Stefanini auch komplexere Zusammenhänge wie die Änderung einer Stiftungsurkunde noch erfasst und beurteilen kann, lässt sich nicht sagen. Sohn und Tochter erkundigen sich auch bei den Pflegerinnen, was zu tun sei, um dem Vater das Liegen und Leben zu erleichtern. Das Schmerzmittel müsse stärker und besser dosiert sein, der Arzt werde das regeln, sagen sie. Den Bettlägrigen dürste nach Wein, um die Schmerzen zu ertragen, wird die Tochter später erzählen, die Pflegenden würden dem Wein dann Traubensaft beimischen. Etwas Süsses aus Bern Der Besuch am Krankenbett ist kurz. Die Tochter, die sonst in Irland lebt, sieht ihren Vater dieser Tage oft. Der Sohn, der in Winterthur wohnt, noch öfter. Sie habe ihm noch etwas Süsses aus Bern mitgebracht, sagt sie, zeigt ihm die Kleinigkeit und gibt sie den Pflegenden weiter. «Tschau, Bruno», sagt der Sohn beim Gehen, und die beiden fassen sich wieder bei der Hand. Die Tochter verabschiedet sich mit Umarmung. Bern ist nicht nur die Stadt, wo die Bilder aus Stefaninis Sammlung kürzlich in grosser Umgebung gezeigt wurden. In Bern haben Sohn und Tochter auch einen Grossteil der Kinderjahre mit ihrer Mutter verbracht, nachdem sich die Eltern getrennt hatten. Bettina Stefanini war damals fünf-, ihr Bruder Vital einjährig. Für die Ausbildung kam die Tochter später nochmals für sieben Jahre nach Winterthur. Das grosse Haus am Bäumliweg in Oberwinterthur, wo die Familie bis 1970 gewohnt hatte, steht seither leer und zerfällt zur Ruine. Vital sagt, er hätte es gerne gerettet. Dass nun wenigstens das Haus zum Schanzengarten so schön renoviert wurde, empfindet er als grosses Glück. Er habe dort viel zu zügeln gehabt, erzählt er. Seit elf Jahren arbeitet er auf Wunsch seines Vaters für dessen Stiftung. Er sichtet, ordnet, inventarisiert alles, was sich angesammelt hat. Eine leitende Position in der Stiftung kommt für ihn weniger in Frage, da er 2002 bei einem Unfall eine Gehirnverletzung erlitt. Zehn Jahre ar­bei­te­te er Seite an Seite mit einer Kuratorin. «Eine irrsinnig gute Zeit» hätten sie gehabt, sagt er. Doch die Kuratorin kehrte der Stiftung dieses Jahr den Rücken und trat aus dem Stiftungsrat zurück. Der «Landbote» hatte im Juni dar­über berichtet. Es waren die ersten Zeichen des Sturms. Die Vorwürfe, die damals hörbar wurden, sind dieselben, die nun die Tochter erhebt. Der Stiftungsrat versuche, die Nachkommen auszuschalten und pflege die Sammlung nicht korrekt. Schutzbehörde informiert Gestern legte Bettina Stefanini weitere Argumente nach. Ihr Vater habe «bedauerlicherweise» tatsächlich an Stiftungsratssitzungen teilnehmen müssen. «Es ist aber nicht davon auszugehen, dass er geistig präsent war.» Sohn und Tochter haben, «um ihrem Vater diese Art unnötiger Stra­pazen zu ersparen», im Februar 2014 bei der Schutzbehörde Kesb Gefährdungsmeldung gemacht. Ihr Vater sei in der Folge nach ­einigem Zuwarten im Juni von einem Spezialisten untersucht worden, entschieden habe die Behörde noch nicht.

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