Zum Hauptinhalt springen

Beweisen, dass man genügend Biss hat

Mit Damien Brunner ist es einem weiteren Schweizer Stürmer nicht gelungen, sich in der NHL zu behaupten. Die Ausnahme ist und bleibt Nino Niederreiter.

Der Klotener Damien Brunner gehört zu den spektakulärsten Stürmern der Schweiz. In der Saison 2011/12 avancierte er zum ersten einheimischen NLA-Top­skorer seit Guido Lindemann (1982). Dass er das Potenzial für die NHL besitzt, bewies er bei den Detroit Red Wings, für die er in 58 Partien 17 Tore und 18 Assists erzielte. Dennoch ist seit letzter Woche seine Zeit in der besten Liga der Welt zu Ende. Bei den New Jer­sey De­vils war er nicht mehr erwünscht, in der AHL wollte er nicht spielen – er erhielt einen Vierjahresvertrag in Lugano. Vor Brunner kehrte vor drei Jahren Roman Wick, der MVP der vergangenen NLA-Saison, nach einer Spielzeit mit nur sieben Einsätzen in der NHL – und immerhin dem Gewinn des Calder Cup in der NHL – in die Heimat zurück. Auch Reto von Arx (19 Partien), einem der prägendsten Schweizer Center der letzten Jahre, war es trotz zweier Tore im zweiten NHL-Spiel nicht gelungen, sich in Übersee zu eta­blie­ren – wie auch dem als grosses Talent eingeschätzten Michel Riesen (12 torlose Partien), der 1997 als erster Schweizer in der ersten Runde (Nummer 14) gedraftet worden war. Somit ist der erst 21-jäh­rige Niederreiter mit 187 Einsätzen (vor dem Spiel in der Nacht auf heute) bereits der erfahrenste Schweizer Stürmer in der NHL. Zum Vergleich: Es gibt drei Torhüter (Hiller, Gerber, Aebischer) und vier Verteidiger (Streit, Sbisa, Josi, Weber), die mehr NHL-Spiele als der Churer bestritten haben. Gibt es hierzulande also zu wenig gute Stürmer? «Talent haben wir Schweizer genug, um hier erfolgreich zu sein», sagte Niederreiter. «Wir haben eine gute Ausbildung.» Mal einen Schritt zurück Woran liegt es dann? «Wir (Schwei­zer) sind noch nicht so weit, um gedraftet zu werden und dann in der NHL gleich einzuschlagen, vor allem wir Stürmer. Wenn du als Stürmer keine Tore schiesst, bist du in der dritten oder vierten Linie. Dann musst du eine andere Rolle einnehmen, ob dir diese entspricht oder nicht. Dann musst du Schüsse blockieren, musst du defensiv so spielen, dass dir der Trainer das Vertrauen gibt. Um dich in der Liga zu etablieren, musst du auf einige andere Sachen schauen als auf ­Tore und Punkte.» Niederreiter ist ein per­fek­tes Beispiel, wie es geht, verlief doch auch sein Weg alles andere als gerad­linig. So musste er bei den New York Islanders, die ihn als Nummer 5 gezogen hatten, unten durch, und wurde er in der Lockout-Saison nicht einmal ins Vorbereitungscamp eingeladen. Erst der Trade zu Minnesota im Sommer 2013 brachte die Wende zum Guten. «Es ist schwierig, den direk­ten Weg in die NHL zu schaffen», so Niederreiter. «Es gibt nicht viele Europäer, die keine einzige Partie in der AHL ge­spielt haben.» Man müsse beweisen, dass man genügend Biss habe, ­ um in dieser Liga zu spielen. ­Dazu gehöre, mal einen Schritt zurückzumachen. Auch für Niederreiters Agenten André Rufener sind «unbedingter Wille und Durchhaltevermögen» entscheidende Faktoren für den Sprung in die NHL. «Das ist nicht jedem gegeben.» Die vorzeitige Rückkehr von Brunner findet er zwar «nicht optimal». Er denkt aber nicht, dass dies negative Auswirkungen auf andere Schweizer Stürmer hat. Auch U20-Nationaltrainer John Fust sieht keinen Nachteil: «Diese Zeiten sind vorbei.» Die neue Generation der Gene­ral Manager wisse, dass es in jedem Land neue Spieler zu finden gebe. Bei Brunner sei die Si­tua­tion in New Jersey keine einfache gewesen, das Timing habe nicht gestimmt. Dass es bislang ­ so wenig Schweizer Stürmer in die NHL geschafft haben, hat für Fust auch damit zu tun, dass «wir bis jetzt nicht genügend Spieler hatten, die alles gegeben haben, um zu bleiben». Dies führt er auch auf die guten Bedingungen in der NLA zurück. Rufener ist überzeugt, dass sich in den nächsten paar Jahren mehr Schweizer Stürmer in der NHL durchsetzen werden. «Wir sind immer noch die Schweiz und nicht Schweden oder Finnland. Es braucht Zeit und Vorreiter.» Bei den Torhütern nahm diese Rolle Aebischer ein und bei den Verteidigern Streit. Nun gibt es mit Niederreiter auch einen Schwei­zer Offensivspieler, der als gutes Beispiel vorangegangen ist – in der Nacht auf gestern Mittwoch hat er bereits seinen 14. Saisontreffer geschossen. spg

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch