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Bis 21 Uhr ins «Schwümbi» – vielleicht

Bei sehr heissem Wetter will der Stadtrat künftig möglichst alle Schwimmbäder abends länger offen halten. Auch wenn er weiss: Befehlen kann er das nicht, und Anwohner werden reklamieren.

Man kann es sich fast nicht mehr vorstellen, wie es noch vor zwei, drei Monaten war: Heiss und heiter, über 30 Grad, Sonne von früh bis spät, und doch schliessen Winterthurs Schwimmbäder nach Plan. «Wir bitten sie, das Bad zu verlassen», schnarrt es gegen 19 Uhr mittelfreundlich aus dem Lautsprecher. Der Ärger ist gross, die Sommerfreude weg und der Abend noch lang.Der Gemeinderat Martin Zehnder (GLP) liess es nicht beim Ärger bewenden, sondern griff – bewehrt mit einem Artikel aus dem «Landboten» – zum parlamentarischen Mittel der Anfrage. Und weil die Grünliberalen sparsame Leute sind, forderte er nicht prinzipiell längere «Schwümbi»-Öffnungszeiten, sondern nur «bei sehr schönem Wetter». Jetzt, wo niemand mehr an warme Abende denkt, liegt die Antwort des Stadtrats vor. Sie ist gleichzeitig optimistisch, realistisch und garniert mit Mustern menschlicher Verhaltensweisen.

Die optimistische Lesart

Anlass zur Hoffnung, dass das rigide Regime aufgelockert wird, bietet insbesondere dieser Passus im Schreiben des Stadtrats, das zu wesentlichen Teilen aus dem Sportamt von Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) kommt: «Dem Stadtrat ist es ein grosses Anliegen, dass teure Sportanlagen möglichst intensiv und zeitlich umfassend genutzt werden können. So sollten in Zukunft bei sehr heissem Wetter nicht nur zwei oder drei Freibäder länger geöffnet bleiben, sondern möglichst alle.» Zudem wird auch im Freibad Töss eine «Winternutzung» des Areals wie schon in Oberi und im Geiselweid «möglichst bald realisiert».Was heisst «länger» geöffnet? Der Chef des Sportamts, Dave Mischler, zögert zuerst und sagt dann «bis 21 Uhr». Warum nicht gleich bis 22 Uhr? «Weil der Zusatzaufwand und der Ertrag dann in keinem Verhältnis mehr stehen.» Es sei ohnehin so, dass die meisten Leute eher an Werktagen länger bleiben möchten als an Samstagabenden, dies hätten Erfahrungen gezeigt.

Finanzen zwingen zu Realismus

Zwingen zu längeren Öffnungszeiten kann Mischler die Bademeister nicht, oder kaum. «Wir können Flexibilität nur wünschen, aber nicht verlangen.» Alle fünf Freibäder gehören zwar der Stadt, die auch Umbauten und grössere Reparaturen bezahlt. Aber vier der fünf werden von Schwimmbadgenossenschaften betrieben. Bisher bekamen diese dafür 150?000 Franken pro Jahr (das «Wolfi» nur 125?000), mit dem Sparprogramm werden es für alle nur noch je 115?000 sein. «Das macht es schwierig, gleichzeitig mehr Leistung zu verlangen», sagt Mischler, der zur Zeit die Leistungsvereinbarungen neu aushandelt. Freilich müssen die genossenschaftlichen Quartierbäder nicht mit dem Betriebsbeitrag allein auskommen, sondern haben weitere Einnahmen aus Eintritten, Anteil an den Sportpässen, Sauna, Badeartikelverkäufen und Verpachtung des Restaurants (Finanzzahlen und Besucherzahlen siehe angehängter Artikel).Eine Sonderstellung hat das Schwimmbad Geiselweid als städtischer Betrieb. Finanziell kann das ein Vorteil sein, betrieblich ist es gar nicht so: Die Angestellten unterstünden dem Personalstatut, erklärt Mischler. Was dazu führt, dass sie nicht so flexibel eingesetzt werden können, wie gewünscht und wie es in den anderen Bädern möglich ist: Viel Personal bei gutem Wetter, auch abends, wenig bei schlechtem.

Und ein wenig Verhaltenslehre

Dass nicht nur betriebliche und finanzielle Aspekte mitspielen, wenn Mischler über längere Badeabende nachdenkt, zeigen seine Erfahrungen mit Reklamationen. Das Schwimmbad Oberwinterthur war während den Sommerferien an sieben Samstagen versuchsweise bis 22 Uhr offen. Streng betriebswirtschaftlich war das wenig erfolgreich, weil zu wenig Gäste kamen und im Restaurant konsumierten. Zudem gabs reichlich Ärger mit Anwohnern, die sich vom Lärm gestört fühlten. Erst «klärende Gespräche» bei Stadtrat Fritschi und eine Apéro-Einladung «konnten die Wogen einigermassen glätten». Auch im «Wolfi» und im «Geisi» hätten Nachbarn reklamiert. Beschwerden wegen Abendlärms (die Nachtruhe beginnt im Sommer laut Polizeiverordnung freitags und samstags erst um 23 Uhr) gebe es immer öfter. Der Stadtrat bezeichnet dies als «Me-First»-Mechanismus: Hat jemand das aktuelle Bedürfnis nach Ruhe, beschwert man sich umgehend per Telefon oder Mail über den Lärm von einer Sportanlage. «Will man aber an einem anderen Abend das Freibad auch nach 20 Uhr nutzen, beschwert man sich mit derselben Vehemenz über mangelnden Service Public.» Trotzdem wolle der Stadtrat, dass die Bäder länger offen bleiben. Den Abendschwumm bis 22 Uhr in Oberi – das ist bereits beschlossen – wird es auch im kommenden Sommer wieder geben.

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