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Blicke auf die Geschichte – aus unterschiedlicher Perspektive

1.-August-Ansprachen in den Gemeinden der RegionDie Geschichte der Schweiz diente den meisten Politikern und Politikerinnen als eine Grundlage für ihre 1.-August-Reden in der Region. Das Fazit lau­tete freilich verschieden, je nach Couleur.

In Oberembrach und in Zell hielt SVP-Regierungsrat Markus Kägi seine Rede zum Nationalfeiertag und machte dabei den Ersten Weltkrieg zum Thema, der vor 100 Jahren ausbrach. Er schaue sorgenvoll auf die aktuellen Konflikte in der Ukraine, in Nordafrika oder im Nahen Osten. Diese würden ihn an Spannungsfelder erinnern, die sich vor 100 Jahren in Europa aufgebaut hätten. Aber in der Schweiz hätten die Bürger an der Urne immer wieder die Möglichkeit zu zeigen, dass sie eine Wahl hätten. Geschichte werde hier nicht von «hypernervösen Leuten» in Ministerien und Generalstäben gemacht, wie im Ersten Welt­krieg. Die Geschichte gehöre in die Hand von allen. Am 1. Au­gust 1914 sei mit der Kriegserklärung von Deutschland an Russ­land Geschichte geschrieben worden. Kägi forderte das Publi­kum auf, im Jahr 2014 eine bessere Geschichte zu schreiben – vielleicht in Form von Memoiren für die Nachkommen. rut

Rorbas und Freienstein-Teufen müss­ten ein Vorbild für die Bundes- und insbesondere die Aussenpolitik sein, sagte SVP-Nationalrat Hans Fehr an seiner Festrede in Rorbas. Die beiden Gemeinden würden beste «bilaterale Beziehungen» pflegen und erfolgreich, «Töss-übergreifend» zusammenleben und -arbeiten. Dennoch seien beide Gemeinden eigenständig. Auch die Schweiz müsse sich weltoffen zeigen und mit der EU zusammenarbeiten – aber sie müsse dabei eigenständig und souverän bleiben. Es gebe Kräfte im Land, welche die Schweiz schleichend in die EU treiben wollten. Doch «Schönrednern» und «Trugbildern» solle das Volk nicht nachlaufen. rut

Um das «Ganze» war der Thurgauer SVP-Regierungsrat Jakob Stark besorgt. Er habe manchmal den Eindruck, dass in der Schweiz alle für ihre Einzelinteressen kämpfen würden und niemand mehr an das Ganze denke, sagte er an seiner Ansprache in Aadorf. Die Schweiz sei «ein einzig Volk von Brüdern», zitierte er den Schwur der Eidgenossen von 1291. Der gemeinsame Weg zähle, man müsse das Gemeinsame über das Trennende stellen, sagte Stark. Weiter sprach auch Stark über das Verhältnis zur EU und forderte eine Gesamtlösung, in der sowohl die EU wie auch die Schweiz Kompromisse eingehen würden. Die Frage um das Ver­hältnis mit der EU solle das Schweizervolk nicht weiterhin entzweien, sondern ein für allemal geregelt werden. rut

In seiner Ansprache in Klein­andelfingen zeigte sich SP-­Regierungsrat Mario Fehr beeindruckt von der Schönheit des Weinlandes. Er freue sich über die liebenswürdigen, anständigen und fried­lie­ben­den Menschen, die hier leben. Die 1.-August-Feier, die abwechselnd in Kleinandelfingen und Andelfingen stattfindet, sei Ausdruck des Mit­ein­anders im Kan­ton. «Nur gemeinsam sind wir stark, auch ge­gen­über dem Bund.» Das Miteinander ver­lan­ge von allen mehr Gemeinsinn als Egoismus. «Mir ist aufgefallen, dass der Wille, sich gemeinschaftlich zu engagieren, im Wein­land besonders ausgeprägt ist», sagte Fehr. Die Pflege der Gemeinsamkeiten sei das Erfolgsprinzip der Schweiz, «nicht das Streben nach Abgrenzung». mab

«Hebed de Schwiiz Sorg!», rief Alt-Bundesrat Christoph Blocher seinen zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern in Nürensdorf zu. Er nahm Bezug auf den Bundesbrief, der am Anfang der Eidgenossenschaft stehe und eine Willenserklärung von einfachen Landsleuten, sprich des Volkes, gewesen sei. Schon damals habe man sich gegen fremde Vögte gewehrt, und die Eidgenossenschaft sei 723 Jahre lang gut auf diesem Weg gefahren. Diese fremden Vögte – Blocher ortet sie in der EU, den internationalen Verträgen und dem Völkerrecht – seien heute eine ernsthafte Bedrohung für unser Land. Es sei Unfug, unsere Volksrechte für internationales Recht aufzugeben. Dar­um müsse der Rahmenvertrag mit der EU unbedingt durch das Volk abgelehnt werden. rt

Auch SP-Nationalrätin Jacque­line Badran griff in ihrer Ansprache in Wildberg auf die Gründungsgeschichte der Schweiz zurück. Sie stellte den Nationalhelden Wilhelm Tell ins Zen­trum. Ihr gefalle diese Geschichte vom Kampf gegen den Tyrannen und gegen die Privilegien des Adels, egal, ob sie wahr oder bloss ein Mythos sei. Doch Tell würde sich wohl im Grab umdrehen, wenn er die heutige Schweiz sehen würde. Grosszügig würden wir – zumeist ausländischen – Investoren und Konzernen Privilegien in Form von Steuergeschenken gewähren. Deshalb wünsche sie sich von den Schweizern, dass sie genau hinschauen, «hinter welchen Figuren und welchen In­sti­tu­tio­nen sich die echten, neuen Land­vögte verbergen.» rt

Eigenverantwortung – um diesen Begriff drehte sich die Ansprache von SVP-Nationalrat Max Binder aus Illnau-Effretikon in Ossingen. Die Politikerinnen und Politiker müssten sich die Geschichte unseres Landes als Leitlinie für ihre Entscheidungen nehmen. Statt sich ständig für die Positionen und Entscheidungen der Schweiz zu entschuldigen, könne man mit gesundem Selbstbewusstsein Schweizerin oder Schweizer sein. Dem Land gehe es gut, aber man müsse ihm Sorge tragen. Und da komme eben die Eigenverantwortung ins Spiel. Und zwar nicht nur bei jedem Einzelnen, sondern auch bei den Wirtschaftsführern. «Die Gesellschaft lebt vom Mit- und Für­ein­an­der, nicht vom Gegeneinander», sagte Binder. rt

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