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Boot im Fjord Ungefähr zweihundert Gefühle Mit Licht schreiben Alte neue Spiele

Zwei Cousinen, abgründig und tollkühn die eine, brav und verbissen die andere, tauchen zusammen ab in neue Gewässer: für Mai, mutiger und leichtsinniger als Idun, sind sie am Ende zu kalt, zu tief. Nach ihrem Verschwinden lässt Idun den gemeinsamen Sommer am Fjord Revue passieren: jenen Sommer, in dem sie aufgehört hat, immer Zweite zu sein, in dem sie Ane Mo im Mittelstreckenlauf geschlagen, mit einem Sträfling geschlafen und sich endlich gewehrt hat gegen die Zumutung, allein nach ihren Leistungen gemessen zu werden. Mit «Prison Island» (Gerstenberg, 141 Seiten, Fr. 18.90) lotet die Norwegerin Hilde K. Kvalvaag die existenziellsten Gefühle einer Jugend aus. Beklemmender ist über innere Gefängnisse, sinnlicher über Sex und radikaler über psychisch-physische Grenzsi­tua­tio­nen selten geschrieben worden.

Ausgerechnet von Tiny muss Will Grayson sich sagen lassen: «Du kannst manchmal ein solches Mädchen sein.» Und das nur, weil Will sich weigert, zum sexbesessenen Monster zu mutieren, anstatt Jane aus der Ferne anzubeten! Ähnliches muss sich der andere Will Grayson anhören, der sich mit Onlinebeziehungen über Wasser hält, statt sich nach einem Partner in Fleisch und Blut umzusehen. Aber Tiny hat gut reden: Er ist nicht nur der grösste, schwulste Mensch der Welt, er lädt auch alle 18 Exfreunde zum eigenen Musical ein, in dem er seine Biografie besingt und das Publikum mit Liedern zur Notwendigkeit wahrer Liebe indoktriniert. John Green und David Levithan zünden in Will & Will (cbt, 381 Seiten, Fr. 21.90) ein Feuerwerk an skurrilen Dialogen und Figuren, an Coming-outs und Breakthroughs, an dem Menschen aller Geschlechter und Sexualitäten ihre Freude haben werden

Blake fragt sich zuweilen, welches Alien den Körper seiner Freundin Shannon besetzt hält – und sucht Rat bei seinen geliebten Vorabendserien, um der Spezies Mädchen auf die Spur zu kommen. Die 2011 verstorbene L. K. Madigan zitiert in «Blakes Gesetze der Fotografie» (Carlsen, 316 S., Fr. 20.90) gekonnt aus populärwissenschaftlichen Geschlechtergeschichten und einschlägiger Ratgeberliteratur, wenn sie ihren Protagonisten, einen Komiker in spe, über die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs räsonieren lässt. Doch Blake ist auch ein leidenschaftlicher Fotograf, und wenn Madigan von seiner Freundschaft? Liebe? zur gefährdeten Marissa aus seinem Fotokurs erzählt, dann wechselt sie, unversehens, die Farbtemperatur, gibt weichen Konturen und krassen Kontrasten Raum. Nicht nur Blakes Bilder gewinnen so an Tiefenschärfe.

Dot und Balthasar sind ein verschworenes Paar, Gefährten in Alltag und Abenteuer – als Kinder träumen sie sich in den Gärten ihrer benachbarten Ferienhäuser eine Farm, gehen auf die Jagd und führen ein Leben fern von den Blicken der Erwachsenen. Es sind «Liebe lange leichte Tage», die für Dot noch an Gewicht gewinnen, als sie und Balthasar am Strand, im Schuppen ihre Körper zu erforschen beginnen. Bodil Bredsdorff inszeniert in ihrem neuen Jugendroman (Urachhaus, 93 Seiten, Fr. 17.90) einen Abschied: von der Kindheit, von unbeschwertem Zusammensein, und von der Idee einer ersten Liebe, die in den Gefühlswirren der Pubertät verloren geht. Gefallen dürfte dieser poetische, nicht allzu nostalgische Text vor allem Erwachsenen – für Jugendliche, die mittendrin stecken in Dots Gefühlschaos, verweilt er wohl allzu lange in der gerade erst überstandenen Kindheit. (mak)

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