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Britisch inspiriertes Heimspiel

Am Mittwoch begeisterten der Blockflötenvirtuose Maurice Steger und der britische Dirigent und Cembalist Laurence Cummings im Abonnementskonzert des Musikkollegiums Winterthur.

In London gab es schon immer ein hochkarätiges Konzert- und Opernleben. Händel, Haydn und Mendelssohn wirkten dort, wo es die besten Chöre und Orchester gab und noch immer gibt. Dies stand seit jeher in eigentümlichem Kontrast zur kaum entwickelten britischen Komponistenszene. Nun konnte man beim Musikkollegium Winterthur einen aktuellen britischen «Stern» erleben: den Cembalisten und Dirigenten Laurence Cummings, einen der besten Kenner von Händels Musik.

Gemeinsam mit dem Blockflötenvirtuosen Maurice Steger, der im Barockkonzert vom Mittwoch als Winterthurer ein «Heimspiel» gab, hat Cummings vor einiger Zeit ein originelles London-Projekt auf die Beine gestellt: «Mr Corelli in London», eine Hommage an den einst in London sehr beliebten Komponisten Arcangelo Corelli (1653–1713), die auch auf CD vorliegt (Harmonia Mundi).

Ein veritabler «Hit»

In Winterthur gaben Steger und Cummings nun erstmals eine Kostprobe von diesem Projekt, mit dem damals weit herumgereichten und mehrfach «bear­bei­te­ten» Concerto in F op. 5/10 Corellis. Und tatsächlich: Dieses Schlussstück des Abonnementskonzerts war ein veritabler «Hit». Die Tanzrhythmen wurden vom Orchester elegant ausgekostet, und Maurice Steger verzierte und akzentuierte hoch virtuos und charmant. Das war einfach fabelhaft: Alles klar pulsiert und lustvoll aus- musiziert, der Funke sprang über.

Von Georg Friedrich Händel wurden zwei originelle Concerti grossi gegeben. Hier konnte man erleben, wie die Musikerinnen und Musiker des Musikkollegiums aus dem Orchesterspiel heraus solistische Qualitäten offenbarten und Händels luzide und farbenreiche Musik zum Leuchten brachten. Unerhört, wie Cummings vom kleinen Cembalo aus, das mitten im Orchester stand, im Basso continuo alle Fäden ins Orchester einzeln zu spannen vermochte. Er dominierte nicht zu sehr, akzentuierte nicht besonders heftig, er inspirierte die anderen agil musizierend und frei atmend.

Herausforderung

Für Orchestermusikerinnen und -musiker, die üblicherweise in einem grösser besetzten Symphonieorchester spielen, ist die historische Musizierpraxis eine spezielle Herausforderung. Hier ist kammermusikalische Flexibilität, solistisches Hervortreten und das eher lineare als harmonische Zusammenspiel gefragt. Auch artikuliert und phrasiert man diese Musik ganz anders. Die Mitglieder des Musikkollegiums brachten Händels Farbenreichtum üppig, aber trotz der modernen Instrumente nicht zu laut zur Geltung. Herrlich die Concerti-Einlagen der Oboistin im Concerto grosso D-Dur op. 6/5, und die heiklen Soli des Primgeigers im Concerto grosso A-Dur op. 6/11 gelangen subtil.

Die acht Stimmführer der Streichergruppen vermochten in Antonio Vivaldis Concerto h-Moll op. 3/10 nicht nur zu gefallen. Sie spielten stehend und brillierten mit innigem, farblich subtil nuanciertem En­sem­blespiel, das Publikum war begeistert.

Die beiden Flötenkonzerte, die Maurice Steger zwischen diesen Orchesterstücken präsentierte, passten ausgezeichnet: hier das quirlige Concerto in G-Dur des wenig bekannten italienischen Barockkomponisten Leonardo Leo (1694–1744), dort das weichere, mit dunkleren Farben eingängigere Concerto in C-Dur von Georg Philipp Telemann. Das Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester war trotz der zum Teil rasenden Tempi präzise und musikantisch frei, da kann man nur gratu- lieren.

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