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Bubentraum und Kinderwagen

Das 2er-Cabrio ist im Programm von BMW längst kein Geheimtipp mehr. Der kurze Radstand macht das kleinste Cabrio der Bayern spritziger als viele grössere Modelle – und doch besteht es unseren «Kinderwagentest».

Ein bisschen überrascht sind wir ja schon. Das Gestell des Hipster-Kinderwagens hat gerade so Platz im Kofferraum. Die Babyschale schaukelt fröhlich auf der Rückbank. Die unliebsame Mission «Umtausch wegen Mängeln» kann also beginnen.

Am Vortag hatten wir noch den alten Volvo V70 aus Familien­beständen ausgeliehen, um das Gefährt für den erwarteten Nachwuchs abzuholen. Jetzt, nach den entdeckten Kratzern am Gestell des Kinderwagens, war uns das zu blöd. Und der 230i, das kleinste Cabrio im Stall von BMW, muss drum als Transporter herhalten.

«Eine solche Schlamperei würde sich BMW nie erlauben», geht uns durch den Kopf. Der 2er kommt gerade von einer Modellauffrischung und wirkt vor allem innen herausgeputzt. Das überarbeitete Armaturenbrett soll zusätzlich die Breite betonen, sich noch mehr dem Fahrer zurichten, lesen wir in den Presseunterlagen nach. Vor allem sieht es gut aus, denken wir, tadellos verarbeitet, übersichtlich, sportlich. Und da ist kein einziger Kratzer.

Die Ausstattung ist augenfällig luxuriös. Da ist das dicke, griffige M-Sportlenkrad, da sind die Sitze in robustem braunem Leder, und da ist die ganze digitale Vernetzung, auf Wunsch mit aktiven Verkehrsinformationen, mit Parking-Infos und einem WLAN-Hotspot für bis zu zehn Endgeräte – viel mehr Endgeräte, als je in diesem Auto mitfahren werden.

Es ist wie schon länger bei BMW: Die Baureihe bestimmt nur noch marginal den Standard. Sicher, für ein grosses Head-up-Display ist kein Platz, und es wäre wohl in dieser Klasse zu teuer. Und den Digitaltacho bringen die Bayern, jede Wette, mit der nächsten Generation. Aber sonst ist fast alles da oder bestellbar.

Die Motorisierung des 230i, ein Vierzylinder mit 252 PS, tritt beherzt auf, Tempo 100 sind aus dem Stand in 5,9 Sekunden erreicht. Er kann aber auch ganz zahm. Es ist alles eine Frage der Laune, die man über den Fahrzeugcharakteristikschalter mit der eigenen synchronisiert. Der 2er, wir haben es schon früher gesagt, macht unter allen BMW-Baureihen mit am meisten, wenn nicht den meisten Spass – mit Ausnahme des 2er Active Tourer, versteht sich. Vortrieb, Fahrwerk, Lenkung, Schaltung sind auf gewohntem BMW-Niveau, aber mit 4,43 Metern ist der Wagen deutlich kürzer als die Markenbrüder. Drum lenkt der 2er williger ein, lässt sich trotz Heckantrieb leichter einfangen, wenn es mal wild hergeht, und er wirkt einfach in jeder Situation kompakter und gefasster.

Was wirklich neu ist am 2er- Cabrio – mal abgesehen vom technischen Update, etwa mit der neuen iDrive-Generation –, ist schnell aufgezählt. Es gibt vorne grössere Lufteinlässe und hinten wie vorne neue LED-Leuchten, die vorderen gegen Aufpreis adaptiv. Dazu vier neue Felgen, drei neue Farben und noch etwas Zierrat mehr. Mit anderen Worten: Da hat BMW das Minimum gemacht. Eine Schwäche des Designs bleibt. Die Front wirkt breit und präsent, aber dem Übergang von der Flanke ins Heck fehlt der Pfiff. So sieht der 2er offen aus, wie ein Bullterrier mit Stummelschwänzchen.

Als Cabrio bietet die Baureihe freilich Extraspass sowie etwas mehr neidische Blicke. Im Gegenzug muss man sich beim Platz einschränken. Der Kofferraum fasst 335 Liter, wenn das Verdeck offen ist. Ist der Stoff eingefahren, sind es noch 280. Dass man in Reihe zwei nach dem Klettereinstieg durch die grossen Coupé-Türen nicht lange freiwillig sitzt, sei auch noch erwähnt. Für einen normalgrossen Erwachsenen ist der Schulter- und Kopfraum eng.

Vorne dagegen ist das 2er-Cabrio ein Auto für Geniesser, selbst im Winter. Die Luftverwirbelungen belästigen einen kaum, Kappe und Schal reichen vollends fürs Cabriofeeling bei knappen Plustemperaturen. Auch wenn das die ungeübten Augen am Strassenrand nicht wahrhaben wollen. Die Sitzheizung haben wir nicht einmal angemacht.

Der Haken bei der Sache ist wie immer der Preis: Den 230i gibt es offen ab 54‘700 Franken, etwa 15‘000 Franken sollte man für Extras bereithalten. Nicht ganz billig war auch der erwähnte Kinderwagen. Er erreicht nach dem Umtausch noch immer nicht das ihm nachgesagte BMW-Niveau – hat aber immerhin auch ein offenes Dach.

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