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Buch-Deal: Ein Laden könnte schliessen

Die Fusion von Orell Füssli und Thalia stellt eines der zwei Geschäfte an der Marktgasse in Frage. Der Versanddienst in der Grüze soll gestärkt werden, heisst es. Kleine Buchhändler wittern Morgenluft.

Es gibt immer weniger kleine Buch­läden, weil die grossen ihnen das Leben schwer machen. Nun wollen zwei von diesen heiraten: Orell Füssli und Thalia sollen zu einer neuen Firma zusammen­geführt werden. In Winterthur könnte dies weitreichende Folgen haben. Die Vermutung liegt nahe, dass der kleinere der beiden Läden an der Marktgasse, derjenige von Thalia, geschlossen wird. Und: Einer der Online­händler könnte vom Markt verschwinden, books.ch von Orell Füssli oder buch.ch von Thalia.

buch.ch hat das Versandzentrum in Winterthur. 35 Personen arbeiten an der Industriestrasse in der Grüze, überwiegend in den Bereichen Bestellungs­abwicklung, Versand und Kundendienst. Heute werden jährlich 750 000 Pakete aus Winterthur in die ganze Schweiz verschickt. Das werde auch so bleiben, kündigt Alfredo Schilirò von der Thalia-Pressestelle an: «Der Standort Winterthur soll im Onlinegeschäft künftig eine zentrale Rolle spielen.» Es sei geplant, den Standort zu stärken.

Genauere Angaben dazu gibt es nicht, ebenso wenig zu den Buchhandlungen. In Winterthur gebe es «Überschneidungen», sagt Orell-Füssli-Spre­cherin Daniela Diethelm. Über das Filial­netz sei aber noch nicht entschieden, man warte nun auf die Genehmigung des Deals durch die Wettbewerbsbehörde. Neben der 1500-Quadrat­meter-Filiale in der Altstadt führt Orell Füssli ein kleineres Geschäft im Einkaufszentrum Rosenberg. 36 Personen arbeiten an der Marktgasse, bei Thalia (500 Quadratmeter) sind es sieben, sechs Stellen gibt es am Rosenberg.

Obwohl offiziell nichts entschieden ist, glauben viele Buchhändler, dass ein Geschäft verschwinden wird. «Die Firmen fusionieren ja, um zu sparen», sagt Dorothée von Walzel, Buchhändlerin im «Buch am Platz» neben der Stadtkirche. Es würden sicher Stellen gestrichen, was ihr leidtue. Für das eigene Geschäft erhofft sie sich aber positive Folgen: «Vielleicht profitieren wir kleinen Buchhandlungen davon, wenn es nur noch einen Koloss gibt.» Der grösste Widersacher, der auf den Umsatz drückt, bleibe aber der Internethandel.

Auch die Chefin des «Bücher­koffers» an der Metzggasse, Sylviane Louis, nimmt die Nachricht positiv auf. «Das ist sicher nicht schlecht für uns, vielleicht kommen jetzt etwas mehr Leute.» Sollte Thalia schliessen, fände sie das «tragisch», sagt die Buchhänd­lerin, die 30 Jahre in der Buchhandlung Vogel gearbeitet und sich nach der Übernahme durch Thalia mit einem Kollegen selbstständig gemacht hat. Der Vogel-Thalia-Deal habe damals positive Auswirkungen auf das Geschäft gehabt, erinnert sich Daniela Binder von «Obergass Bücher»: «Es kamen Leute in unseren Laden, die sagten, sie wollten nicht eine anonyme Grossfirma unterstützen.» Diesen Effekt werde es diesmal wohl nicht mehr geben, da jetzt zwei grosse Konzerne zusammengehen.

«Kein Hinweis auf Schliessung»

Für den Besitzer der Thalia-Liegenschaft kommt die Diskussion über die Schliessung der Filiale zu früh. Er habe mit der Firma einen langfristigen Mietvertrag unterzeichnet, der noch bis ins Jahr 2018 laufe, sagt Wolfgang Vogel. «Und die beiden Standorte sind ja sehr gut, der von Thalia und auch der von Orell Füssli.» Im Moment deutet für Vogel nichts dar­auf hin, dass bald ein Kleiderladen in die Buchhandlung einziehen könnte, die sein Grossvater 1911 dem Vorbesitzer abgekauft hat.

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