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Bund baut eigenen Prämienrechner aus

Bern. Nach dem Hackerangriff auf den Prämienrechner des Bundes reicht Bern nun Klage ein – und kündigt dem Internetvergleichsdienst Comparis.ch die Zusammenarbeit.

Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) hat gestern bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. Es will die Umstände des Hackerangriffs auf den Krankenkassenprämienrechner des Bundes klären lassen. Gleichzeitig wird die Vereinbarung mit Comparis.ch gekündigt.

Der Internetvergleichsdienst Com­pa­ris.ch hatte letzte Woche eingeräumt, dass ein Mitarbeiter am 28. Sep­tember 2011 auf eigene In­itia­ti­ve einen Hackerangriff auf Priminfo.ch, den Prämienrechner des Bundesamts für Gesundheit (BAG), versucht habe. «Unter den gegebenen Umständen fühlt sich das EDI nicht mehr an die mit Com­paris.ch unterzeichnete Vereinbarung vom Juni 2012 gebunden», heisst es in einer Medienmitteilung des Departements von gestern.

Comparis.ch begrüsst die Klage, wie Firmensprecher Felix Schneuwly sagte. Sie biete Gelegenheit, die Vorwürfe gegen das Unternehmen zu entkräften. Allerdings lege Comparis.ch Wert auf die Feststellung, dass es sich nicht um einen Hackerangriff, sondern um eine «SQL-Injection» gehandelt habe. Welche rechtliche Relevanz der Tatbestand habe, müssten die Richter entscheiden.

Das versuchte Hacking war letzten Donnerstag von der Westschweizer Wochenzeitschrift «L’Hebdo» publik gemacht worden. Comparis.ch hatte die Vorwürfe zunächst zurückgewiesen, später aber einräumen müssen, dass tatsächlich ein Comparis.ch-Mitarbeiter hin­ter dem Angriff stand. Dabei habe es sich jedoch um eine private Einzel­aktion des Mitarbeiters gehandelt. Der Mann sei umgehend entlassen worden.

Unabhängige Vergleiche

Das EDI respektive das BAG und Com­paris.ch hatten sich letzten Sommer dar­auf geeinigt, dass Priminfo.ch keine Direktlinks zu den Offerten der einzelnen Versicherer aufschaltet, so wie dies Comparis.ch und ähnliche private Anbieter tun. In der Vereinbarung anerkannten das EDI und das BAG «den prozessoptimierenden und effizienzsteigernden Beitrag von privaten Internetvergleichsdiensten».

Diese Zusammenarbeit sei nun hinfällig. Stattdessen will das EDI nun den eigenen Prämienrechner aufwerten. «Das EDI will den Versicherten eine optimale Dienstleistung mit transparenten Vergleichsmöglichkeiten der Krankenkassenprämien bieten.»

Es sei befremdend, dass Comparis.ch erst jetzt und durch die Medien mit den Vorwürfen konfrontiert werde, schreibt der Vergleichsdienst. Er kritisiert, weder das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation, das die inkriminierten Abfragen bemerkt hatte, noch das BAG oder das EDI hätten Comparis.ch in den vergangenen elf Monaten mit der Hackeranschuldigung konfrontiert oder Beweise vorgelegt.

Firma verlangt Akteneinsicht

Comparis.ch reicht nun ein Gesuch gemäss dem Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip ein. Die Firma will Einsicht in alle Dokumente, in denen von den Vorwürfen die Rede ist. «Dass die Dokumente jetzt erst, kurz vor ­Bekanntgabe der Krankenkassenprämien, in den Medien erscheinen, lässt den Verdacht eines gezielten, ruf­schädigenden Vorgehens aufkommen», heisst es in der Mitteilung. (sda)

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