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Bundesanwalt Lauber: «Die Offenheit der Schweiz ist Fluch und Segen zugleich»

Statt eine reine Ode an Helvetia zu richten, verteidigte Michael Lauber den Rechtsstaat in einem nüchternen, aber prä­gnan­ten Plädoyer.

Alles ist anders, alles bleibt gleich. Ein Widerspruch, der andeutet: Die Welt dreht sich immer schneller, gewisse Grundfesten aber behaupten sich. Noch. «Aber das ist nicht selbstverständlich!», sagte Michael Lauber gestern bei seiner 1.-August-Rede in der Reithalle. Der «Anwalt des Bundes» kennt diesen Spagat bestens. Er, der täglich gegen das international organisierte Verbrechen kämpft und ermittelt – gegen «Nepper, Schlepper und Bauernfänger» –, weiss auch, wie sich die Schweiz am besten vor den Gefahren der Globalisierung feit. Indem sie ihren Rechtsstaat schützt, schätzt und ihm Sorge trägt. Lauber hielt vor den rund 140 Gästen ein Plädoyer für die helvetische Errungenschaft «Rechtsstaat». Er tat dies weniger als Bürger Winterthurs, sondern als Bundesanwalt. Bis auf wenige Ausnahmen blieb er besonnen-analytisch. Einen unfreiwilligen Lacher gab es zu Beginn gleichwohl. Noch wisse er nicht so recht, ob er glücklich über diese «Beförderung» sei. Bei der Begrüssung war er kurz zum Bundesrat geworden. Der Stadt gratulierte er herzlich zum Jubiläum, überzeugt, dass diese «zukunftsfähig» sei. Es gelte, aus der 750-jährigen Erfahrung die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dann aber widmete er sich ganz dem Hauptthema «Sichere Schweiz – heute und in Zukunft». Globalisierung überfordert «Sind wir inzwischen nicht alle Getriebene? Bleibt uns noch Zeit für Freiheit, für Sicherheit?», fragte Lauber ins Publikum. Schliesslich konfrontiere das Tempo des Internetzeitalters jeden Einzelnen und «pulverisiere» die Privatsphäre. Längst betreffe die Globalisierung nicht mehr nur die Staaten direkt. Sie überfordere unser Land zuweilen und bedrohe damit seine Souveränität und Freiheit. «Die Offenheit der Schweiz ist Fluch und Segen zugleich», sagte er. Abschottung aber sei die falsche Antwort darauf. Wolle die Schweiz souverän bleiben, müsse sie kooperieren. Gerade die Bekämpfung internationaler Kriminalität zeige ihm dies täglich auf. Auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene wählen und mitbestimmen zu können, seien unverhandelbare Souveränitätsrechte – auch weil der Rechtsstaat hier funktioniere, wenn auch nicht perfekt: «Eine Insel der Glückseligen sind wir nicht.» Auch die Justiz mache Fehler. Er appellierte daran, sich der «Lebenssicherheit» in der Schweiz wieder stärker bewusst zu werden und sich diese auch gerne zu leisten. «Denn in diesem Land haben alle die Freiheit, ihre persönliche Antwort auf Geschwindigkeit, Globalisierung und eine offene Gesellschaft zu geben.» Till Hirsekorn

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