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Bundesrat will mehr Frauen in der Chefetage

Der Bundesrat macht Nägel mit Köpfen: Er will mindestens 30 Prozent Frauen in den Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten der grössten Schweizer Firmen. Sanktionen soll es aber keine geben.

Gestern hat sich die Schweizer Landesregierung für einmal von Deutschland inspirieren lassen. Dort hatten sich die Spitzen der grossen Koalition Anfang dieser Woche auf eine Frauenquote von 30 Prozent in den Verwaltungsräten der grössten deutschen Unternehmen geeinigt. Nun hat der Bundesrat nachgezogen und geht teilweise sogar noch weiter. Er will nicht nur in den Verwaltungsräten mindestens 30 Prozent Frauenanteil, sondern auch in den Geschäftsleitungen der «wirtschaftlich bedeutenden, börsenkotierten Gesellschaften».

«Ernüchternd»

Die einen klatschen jetzt begeistert Zustimmung, die anderen finden den Entscheid das Letzte. Die meisten dürften sich zwar darauf einigen können, dass Vielfalt an den Unternehmensspitzen wünschenswert sei. Nicht nur, was das Geschlecht, sondern beispielsweise auch, was das Alter und die Herkunft betrifft. Die Frage ist nur, ob es die Aufgabe des Staates ist, hier der Wirtschaft Vorschriften zu machen. Justizministerin Simonetta Sommaruga argumentierte an der gestrigen Medienkonferenz damit, dass die Ergebnisse der bisherigen Bemühungen «ernüchternd» seien. In 60 Prozent der börsenkotierten Unternehmen in der Schweiz sitze keine einzige Frau im Verwaltungsrat. Im Schnitt liegt der Frauenanteil in Verwaltungsräten bei 13 Prozent, in Geschäftsleitungen bei 6 Prozent. «Ganz offensichtlich führt die Selbstregulierung hier nicht zum Ziel. Es braucht politischen und rechtlichen Druck», meinte die Bundesrätin.

Keine Sanktionsmöglichkeiten

Der Druck ist vor allem moralischer Natur. Es gilt der sogenannte Comply-or-Explain-Ansatz. Das heisst, die Unternehmen, die es nicht schaffen, einen Frauenanteil von 30 Prozent zu erreichen, sollen dies in ihrem Vergütungsbericht erwähnen. Dort müssten sie auch erklären, wieso sie das Ziel verfehlt haben und was sie zu unternehmen gedenken. «Es gibt keine Sanktionen», betonte Simonetta Sommaruga. Die Konkurrenzsituation zu anderen Firmen sei Anreiz genug, sich um mehr Frauen zu bemühen. In Deutschland sieht man dies anders: Finden sich nicht genügend Frauen für die Aufsichtsratsposten, bleiben die Stühle in dem Gremium leer.

Nur 250 Firmen betroffen

Pragmatisch bleibt der Bundesrat auch, wenn es um die Umsetzung seiner Vorschläge geht. Die Firmen sollen nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes fünf Jahre Zeit haben, um genügend Frauen zu rekrutieren. Die Vernehmlassung dauert bis zum 15.März 2015. Die Regelung beschränkt sich zudem auf grosse, börsenkotierte Unternehmen, die einer ordentlichen Revision unterliegen. Dies trifft auf Firmen zu, die mindestens zwei der drei folgenden Kriterien erfüllen: Sie verfügen über eine Bilanzsumme von mindestens 20 Millionen, erwirtschaften einen Umsatz von mindestens 40 Millionen Franken und bieten mindestens 250 Vollzeitstellen an. In der Schweiz fallen 250 Unternehmen in diese Kategorie. Auf die Frage, ob diese Menge nicht etwas gar bescheiden sei, meinte die Justizministerin: «Es ist ein guter Anfang.»

Schon heute Druck auf Firmen

Ein Argument für die Frauenquote ist auch der drohende Fachkräftemangel: Wenn die Aussichten für Frauen auf hohe Positionen grösser sind, so die Hoffnung, werden sie sich eher beruflich engagieren. Ob diese Rechnung aufgeht, ist allerdings offen. Gerade in den vom Fachkräftemangel besonders bedrohten Branchen wie etwa dem Ingenieurwesen dürfte es schwierig sein, überhaupt weibliche Mitarbeiter zu finden. Und die wenigen, die es gibt, müssten bereit sein, auf der Karriereleiter höher zu klettern. Zum Thema Quoten meinte der Headhunter Guido Schilling gestern, der Zwang zu einer 30-Prozent-Quote in den Geschäftsleitungen innert fünf Jahren würde die Schweizer Wirtschaft abwürgen. Ausserdem könnten Firmen es sich ohnehin nicht mehr erlauben, auf Frauen zu verzichten.

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