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Busfahrer sass zu Unrecht im Gefängnis

Weil ihm eine Seniorin Erpressung vorgeworfen hatte, verbrachte ein Zürcher fast zwei Monate in Untersuchungshaft. Jetzt entlastete ihn das Gericht.

Für den heute 44-jährigen Bus-Chauffeur ging es am letzten Montag vor dem Bezirksgericht Zürich um viel. Wegen Erpressung drohte ihm eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Ein Jahr davon sollte er absitzen.

Laut Anklage nahm der Schweizer mit mazedonischen Wurzeln im Mai 2010 Kontakt zu einer 80-jährigen Zürcher Seniorin auf, die verwitwet und gesundheitlich angeschlagen war. Er schuf ein Vertrauensverhältnis zu ihr, indem er ihr im Alltag oft aushalf und sie betreute – bis er im Juni 2010 von der Geschädigten angeblich plötzlich Geldbeträge forderte. Dabei soll er auch mit dem Einsatz von Schusswaffen gedroht haben. Laut Anklage übergab die Seniorin dem Beschuldigten mehrere Tausend Franken. Als er im Sommer 2010 rund 45 000 Franken von ihr verlangte, zeigte sie ihn bei der Polizei an. Der festgenommene Bus-Chauffeur beteuerte seine Unschuld: Er sei ein Helfer, kein Erpresser.

Es fehlte an Beweisen

Der Beschuldigte verbrachte 58 Tage in Untersuchungshaft und weigerte sich, ein Geständnis abzulegen. Auch vor Gericht wies er alle Vorwürfe zurück. Er sprach von einer Racheaktion der Seniorin, da er im Sommer 2010 nach Mazedonien verreist sei und sie alleine zurückgelassen habe. Der Verteidiger zerpflückte zudem die teils widersprüchlichen Aussagen der Witwe.

Mit Erfolg. So sprach das Gericht den Verzeigten von Schuld und Strafe mangels Beweisen frei. Für die zu Unrecht erlittene Haft erhält der Mann neben einem Schadenersatz von 4800 Franken eine Genugtuung von weiteren 5000 Franken. Zudem wurde ihm eine Prozessentschädigung von 14 800 Franken zugesprochen.

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