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Erst dreizehn Jahre ist es her, seit man in der Schweiz einen Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen eingeführt und auch das klappte nur mit Ach und Krach. Dabei ist natürlich schon der Name eine Mogelpackung. Auch wer bloss mal von Ferne zugeschaut hat, was eine Mutter nach der Geburt ihres Kindes so leistet (und übrigens nicht nur während der ersten 14 Wochen) der weiss, dass das mit Urlaub nur bedingt etwas zu hat.

Trotzdem scheint auch heute noch die Logik verbreitet, dass, wer Kinder kriegt, selber schuld sei und damit den Arbeitgeber doch bitte möglichst wenig behelligen solle. Und so wundert man sich dann auch nicht, dass für einen allgemeinen Vaterschaftsurlaub von läppischen zwanzig Tagen erst eine Volksinitiative gestartet werden muss.

Könnte es nicht sein, dass eine Elternzeit nicht nur sozial vernünftig, sondern auch ökonomisch klug wäre?

Und beim Vorschlag einer Fachkommission, dass eigentlich 38 Wochen Elternzeit sinnvoll wären, brechen all jene Parlamentarier, die sich besonders viel auf ihre Wirtschaftsfreundlichkeit einbilden, nur noch in Lachanfälle aus.

Könnte es aber nicht sein, dass eine Elternzeit nicht nur sozial vernünftig, sondern auch ökonomisch klug wäre? Man müsste nur mal die Bezeichnung ändern und die kuschlig klingende Elternzeit in das umbenennen, was sie eigentlich ist: nämlich ein «Advanced 24-hour-Leadership-Training mit progressiver Multitasking-Anforderungen» und dann würden all die Firmen vielleicht langsam anfangen zu verstehen, dass sie die Elternzeit nicht als Verlust, sondern als exklusive Weiterbildung verbuchen könnten.

Noch immer riskieren Frauen, die wegen ihren Kindern im Job pausieren, dass sie nachher zu schlechteren Bedingungen wieder eingestellt werden. Dabei müssten sie eigentlich nach der Elternzeit automatisch drei Lohnstufen hochrücken, weil sie nämlich Zuhause eine Ausbildung in Mehrfachbelastung, Stressresistenz, Produktivität, sowie Team-Organisationsfähigkeit absolviert haben, gegen die jeder dieser Summer-School-Masterstudiengänge den sich der CEO für viel Geld einkauft einfach nur noch popelig wirkt.

Und all die Chefs, die den Müll verzapfen, es fehle Leuten, die nicht nur Karriere machen sondern auch ihrer Familie schauen wollen, halt einfach am nötigen Biss, die aber selber umgehend den Nobelpreis verliehen bekommen möchten, wenn wenn sie mal bei ihrem Nachwuchs die Windeln wechseln – sie alle sollten verpflichtet werden, dass sie bei jeder ihrer Mitarbeiterinnen, die ein Kind bekommt, während sieben der vierzehn Wochen Mutterschaftspause im Haushalt helfen gehen. Wollen mal schauen, wer dann noch von Urlaub redet.

(Der Landbote)

Erstellt: 21.08.2018, 15:48 Uhr

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