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CD-SPOTS

Beck findet zu sich selbst

Zu einer schrägen Folk-Rap-Mixtur besang er einst drastisch den Versagerstatus: «I’m a loser, baby, so why don’t you kill me?» Das war der Satz, mit dem Beck Hansen 1994 zu einem neuen, modernen Typ Singer-Songwriter wurde. Der Welthit «Loser» scheint Lichtjahre entfernt zu sein, wenn man die kunstvollen Songs seines neuen Albums hört. Auf «Morning Phase» klingt der Amerikaner so entspannt und selbstbewusst wie noch nie. Die Songs baden geradezu im Wohlklang. Akustikgitarren, perlendes Klavier und seidige Streicher schmücken die Harmonien aus. Hip-Hop-, Blues- und Funk-Einflüsse sind verschwunden. Stattdessen gibt es epische Lieder wie «Unforgiven», das dank schwerer Pianoakkorde auch auf einem 70er-Jahre-Album von Elton John hätte Platz finden können. Oder er zaubert in «Heart Is a Drum» eine bezwingende Folk-Jazz-Melodie aus dem Ärmel, quasi als Erbe von Nick Drake. Eine Rückbesinnung auf bewährte Songwriter-Traditionen merkt man auch «Country Down» an, einem Americana-Song mit seufzender Steel-Gitarre und Mundharmonika. Als Sänger ist Beck spürbar gereift. Sein warmer Bariton hält den üppigen Arrangements mühelos stand und brilliert vor allem im grandiosen Bombast von «Wave». (sda)

Morning Phase

Beck Capitol/Universal

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Tiefgekühlt

Seine besten Momente hat das zweite Album von Anna Aaron dann, wenn sich ihre Songideen gegen die fetten Fastfood-Kulissen ihres britischen Produzenten David Kosten zu behaupten vermögen. Im Folkrock von «Stellarling» etwa ist das de Fall oder in «Off», wo ein feines Gefühl der Verlorenheit mit überraschenden Wendungen kombiniert wird. Übers Ganze gesehen, macht das Album der Basler Popmusikerin, die vor Jahren bereits zur «neuen Sophie Hunger» ausgerufen wurde, hingegen einen ratlosen Eindruck. Die Arrangements sollen offenbar die Stimme in Szene setzen, die hier die Hauptrolle spielt. Doch sie wirken meist aufgesetzt, als würden sie aus einem tiefgekühlten Fertigmenü stammen. Auf eine klassisch angehauchte Klavierballade werden Soundtrack-Geigen und ein mehrfach multiplizierter Gesang montiert, dann wieder soll ein steriler Puls aus dem Computer Urbanität signalisieren; ein Song wie «Sutekina» könnte als Demotape durchgehen. In der krampfhaften Suche nach Originalität geht die eigene Musiksprache verloren. (dwo)

Neuro

Anna Aaron Two Gentlemen

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Experimentelle Werkstatt

Die zwölf Stücke auf «Numerals», dem neuen Album des Zürcher Trios Disco Doom, sind wie ein Blick in eine experimentelle Werkstatt. Es fasziniert durchaus, was da so alles abläuft. Dabei überzeugen kraftvolle Gitarrenrockstücke wie «Rice & Bones», das mit einem wunderbaren Gefühl fürs Timing einen hypnotischen Sog entwickelt, mehr als hübsche, zarte Liedchen wie «Fire­place», das zwar schwerelos in die Atmosphäre aufsteigt, wo man es aber auch bald aus den Augen verliert. Nicht ganz gelingen wollen zudem die Übergänge zwischen dem feinstofflichen und dem brachialen Sektor. (dwo)

Numerals

Disco Doom Irascible

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