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Chance für die Autonome Schule

Die Autonome Schule Zürich hat im letzten Moment ein Bürogebäude in Altstetten gefunden. Bis im Herbst kann sie dort ihre Gratis-Deutschkurse für Asyl­bewerber und Sans-Papiers anbieten.

Lange war die Zukunft der Autonomen Schule Zürich (ASZ) ungewiss. Während Monaten suchten die Verantwortlichen des Freiwilligenprojekts nach einem Ort, wo sie ihre Gratis-Sprachkurse weiterführen können. Diese werden täglich von bis zu 200 Asylsuchenden und Sans-Papiers besucht. Bisher war die ASZ in einer Baracke auf dem Areal des alten Güterbahnhofs untergebracht. Doch dieses wird nun geräumt, um dem geplanten Polizei- und Justizzentrum Platz zu machen. Eigentlich hätte die ASZ ihre Bleibe bis am 1. Mai verlassen müssen. Doch die Suche nach einer Lösung harzte so sehr, dass die Schule den Kanton als Besitzer des Güterbahnhofs um einen Aufschub bitten musste. Die Baudirektion gewährte eine Galgenfrist von zwei Wochen, die in den nächsten Tagen abläuft. Nun endlich zaubern die Verantwortlichen auf den allerletzten Drücker doch noch eine neue Bleibe aus dem Hut. Wie sie gestern mitteilten, handelt es sich um ein grosses Bürogebäude an der Badenerstrasse in Altstetten. Der Umzug hat bereits begonnen, ein Grossteil des Mobiliars (Schulbänke, Stühle, Wandtafeln) stehe schon am neuen Ort, sagt Sprecher Raphael Jakob. Ab nächster Woche soll der Unterricht stattfinden. Die vierstöckige Liegenschaft gehört der Swisscanto, einer Vermögensverwaltungsfirma der Kantonalbanken. Früher war im Gebäude die Amag untergebraucht. Seit einigen Monaten wird es vom Verein Zitrone zwischengenutzt. Diesem gehören zahlreiche Künstler an, die in den einstigen Büros nun ihre Ateliers betreiben. Nutzer zahlen keine Miete Rund 4000 Quadratmeter Fläche hat der Verein zur Verfügung. Einen Teil davon will er nun der Autonomen Schule überlassen. Konkret ist die Rede von elf Räumen – einem halben Stockwerk. Eine reguläre Miete wird die Schule dafür nicht bezahlen. «Dazu sind wir als Freiwilligenprojekt nicht in der Lage», sagt Raphael Jakob von der ASZ. Zahlen muss sie nur die Nebenkosten. Die Swisscanto hat den Deal so abgesegnet. Laut deren Sprecher Roman Kappeler muss auch der Verein Zitrone nur für die Nebenkosten aufkommen. Die Nutzung ist allerdings zeitlich beschränkt. Ende September müssen die Künstler und Aktivisten raus. Die Swisscanto will das bestehende Gebäude abreissen und das Areal neu überbauen. Ein konkretes Projekt gibt es laut Kappeler noch nicht. Es sei aber gut möglich, dass Wohnungen gebaut würden. Angesichts der noch vagen Planung ist der Termin im Herbst aber nicht in Stein gemeisselt. Sollte der Neubau auf sich warten lassen, werde die Zwischennutzung verlängert, so Kappeler. Sie besetzen noch immer Häuser Mit dieser Rettung in letzter Sekunde findet die ASZ erstmals in ihrer Geschichte eine auf Anhieb legale Lösung. In den vergangenen Jahren hat die Gruppierung, die sich in erster Linie als politisches Kollektiv versteht, wiederholt leer stehende Häuser besetzt, die dann teilweise von der Polizei geräumt wurden. Davon haben die Verantwortlichen angeblich genug. «Wir wollen eine legale, dauerhafte Bleibe», sagt Raphael Jakob. Zweifel sind aber angebracht: Just gestern beteiligten sich ASZ-Aktivisten wieder an einer Hausbesetzung – nur wenige Hundert Meter vom neuen Standort an der Badenerstrasse entfernt (siehe Kasten). Trotz solcher Aktionen erwartet das Kollektiv bei der Suche nach einem permanenten Domizil nicht zuletzt auch die Hilfe der Stadt. Das stand bereits in einem offenen Brief an Stadtpräsidentin Corine Mauch, welchen die Verantwortlichen im März publizierten. Gestern bekräftigten sie die Forderung nach einer städtischen Liegenschaft in ihrer Mitteilung. Laut Mediensprecher Nat Bächtold hat die Stadt der ASZ inzwischen ein Gesprächsangebot unterbreitet. Diese habe daran grundsätzlich Interesse bekundet, sagt er. Ein Treffen habe jedoch noch nicht stattgefunden.

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