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Chaotische Szenen am Rande der Beerdigung Al-Hassans in Beirut

Der Konflikt in Syrien wird nun auch für den Libanon zu einer echten Zerreissprobe: Am Rande der Trauerfeier für die Opfer des verheerenden Bombenanschlages in Beirut versuchten Hunderte aufgebrachte Demonstranten am Sonntag, den Sitz der pro-syrischen Regierung zu stürmen.

Mit Tränengas und Warnschüssen versuchten Soldaten, sie daran zu hindern. Wie der arabische Sender Al-Dschasira berichtete, versuchte die Menschenmenge in den Serail, den Amtssitz von Ministerpräsident Nadschib Mikati, vorzudringen.

Auf Bildern des Nachrichtensenders CNN war zu sehen, wie Verletzte weggetragen wurden. Mehreren hundert Demonstranten gelang es, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen und bis auf 50 Meter an den Eingang zum Regierungssitz vorzudringen.

Erst die Schüsse der Soldaten schienen sie zu stoppen. Einheiten der Armee schwärmten mit Schlagstöcken in den Strassen aus. Die Lage entspannte sich dann aber.

Die chaotischen Szenen in der Hauptstadt des Libanon ereigneten sich am Rande der Trauerfeierlichkeiten für den Geheimdienstchef Wissam al-Hassan, der am Freitag gemeinsam mit sieben weiteren Menschen bei einem Bombenanschlag getötet worden war.

Bei der Trauerfeier wurden die mit den Flaggen des Zedernstaates umhüllten Särge mit den Leichen von Geheimdienstchef Al-Hassan und seinem bei dem Anschlag ebenfalls umgekommenen Leibwächter durch die Strassen von Beirut getragen.

An der Feier nahmen auch der libanesische Präsident Michel Suleiman und Regierungschef Nadschib Mikati teil. Die Frau und die Kinder Al-Hassans waren aus Frankreich angereist.

Al-Hassans Grab wird neben dem von Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri sein, der 2005 ebenfalls bei einem Anschlag getötet worden war. Al-Hassan hatte Rafik Hariri als Sicherheitschef gedient. Wie bei Al-Hassan wurde auch bei Hariri über eine Beteiligung Syriens an dem Attentat spekuliert. Beweise dafür gab es bislang jedoch nicht.

Nach Ansicht von Beobachtern galt der Anschlag vom Freitag dem Geheimdienstchef, der der anti-syrischen Zukunftsbewegung nahestand. Viele sehen die Verantwortlichen für den Anschlag daher in Damaskus. Derzeit ist im Libanon ein pro-syrisches Bündnis an der Macht - dominiert von der schiitischen Hisbollah.

Premier Mikati hatte Suleiman am Vortag seinen Rücktritt angeboten. Der Präsident bat ihn allerdings, vorerst im Amt zu bleiben. Die Opposition, die für Sonntag zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen hatte, besteht aber auf einem Rückzug der Regierung.

Der multireligiöse Libanon ist tief zerstritten zwischen Anhängern und Gegnern Assads. Viele Schiiten unterstützen den ihrer Konfession nahestehenden Alawiten Assad, die meisten Sunniten stehen auf der Seite seiner Gegner.

Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte das Attentat. Einstimmig wurde die Tat als Terroranschlag eingestuft. US-Aussenministerin Hillary Clinton warnte vor einer Destabilisierung des Libanon. Ähnlich äusserten sich auch die EU, Frankreich und der Vatikan. Auch der Iran - ein Verbündeter Assads - verurteilte die Tat.

(sda)

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