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Chemotherapie optimieren

An den Tumortagen trafen sich Betroffene und Angehörige. Ein Fachvortrag weckte Hoffnungen auf eine verbesserte medika-mentöse Krebstherapie durch «zielgerichtete» Substanzen.

Zahlreiche Interessierte fanden sich am Freitag und Samstag zu den Tumortagen ein. Besonderes Interesse weckte der Vortrag von Andreas Müller, Leitendem Arzt der Medizinischen Onkologie am Kantonsspital Winterthur. Chemotherapie könne unter anderem Rückfälle verhindern, verursache aber die bekannten unerwünschten Nebenwirkungen, sagte Müller. «Sie leistet zwar einen wichtigen Beitrag in der Behandlung von Krebskrankheiten. Da aber weder Wirkung noch Verträglichkeit optimal sind, braucht es neue Behandlungsansätze.» Hoffnungen ortet der Facharzt bei «zielgerichteten» Medikamenten. Dadurch lasse sich Krebs möglicherweise in eine chronische Krankheit umwandeln, und mehr Patienten könnten unter Umständen von Krebs geheilt werden.

Müller zeigte in seinem Vortrag auf, wie die Zellen durch Chemotherapie attackiert werden, verhehlte aber auch problematische Nebenwirkungen nicht, wie etwa die Hemmung der Neubildung von Blutzellen, die für die Abwehr von Infekten zuständig sind. Die Forschung habe entscheidend zum Verständnis beigetragen, weshalb Krebszellen entarten. In der Regel handelt es sich um eine Störung der Kontrolle der Zellteilung, häufig bedingt durch eine Mutation von Genen, welche die Signalübertragung im Zellinneren betreffen. Dies führt zur dauernden Aktivierung des betreffenden Signalweges mit anhaltender und unkon­trol­lier­ter Zellteilung.

Dagegen wurden Medikamente entwickelt, welche diese überaktiven Si- gnalwege gezielt blockieren. Diese sind einerseits Antikörper (Abwehr-Eiweiss-Moleküle) und anderseits kleine Moleküle, die im Innern der Zellen Zwischenstationen der Signalwege hemmen. Obwohl diese Medikamente «zielgerichtet» sind, haben auch sie Nebenwirkungen. Die kleinen Moleküle verursachen unter anderem häufig Müdigkeit, Hautprobleme oder eine Erhöhung der Leberwerte. Die Antikörper können neben allergischen Reaktionen zu Herzmuskelschwächung, Bildung von Gerinnseln und sehr selten zu Durchbrüchen der Darmschleimhaut führen.

Die neuen Medikamente sind zwar bei verschiedenen Tumoren alleine nur mässig wirksam. «In Kombination mit einem Zytostatikum kann die Wirkung aber deutlich verstärkt werden», betonte Müller. Mittelfristig würden zielgerichtete Medikamente die Zytostatika noch nicht ersetzen. Langfristig dürfe aber damit gerechnet werden, dass die krebsverursachenden Signalwegstörungen noch besser erforscht werden, sodass Behandlungen entwickelt werden können, die so wirksam und nebenwirkungsarm sind, dass sie die klassische Chemotherapie ersetzen könnten.

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