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China und Taiwan führen ranghöchste Gespräche seit 1949

Mit einem historischen Treffen wollen China und Taiwan 65 Jahre nach dem Bürgerkrieg eine neue Ära der Annäherung einleiten. Zum Abschluss der ranghöchsten Gespräche seit 1949 vereinbarten beide Seiten im ostchinesischen Nanjing einen regelmässigen Austausch.

Dies berichtete Chinas Nachrichtenagentur Xinhua. Formell befinden sich Peking und Taipeh noch im Kriegszustand, denn bis heute wurde kein Friedensvertrag unterzeichnet.

"Der Besuch ist nicht leicht, er ist das Ergebnis von mehrjährigen Kontakten zwischen den beiden Seiten", sagte der Verantwortliche für die China-Politik in Taipeh, Wang Yu Chi. Bei dem historischen Gespräch war der Raum neutral dekoriert, ohne Landesflaggen und mit Namensschildern ohne offizielle Titel.

Eine offizielle Agenda gab es nicht. "Das Hauptziel des Besuchs ist es, das gegenseitige Verständnis zu befördern", sagte Wang. Laut einer Erklärung aus Taipeh lud Wang seinen Kollegen nach Taiwan ein.

Sein chinesischer Kollege Zhang Zhijun sagte nach dem Treffen, beide Seiten sollten sich dafür einsetzen, nie wieder Rückschritte bei den Beziehungen zuzulassen. "Ich bin überzeugt, dass wir uns weiter annähern können, solange wir auf der richtigen Strasse der friedlichen Entwicklung voranschreiten", sagte Zhang.

Noch keine heiklen Themen

Heikle Themen sollen bei den Gesprächen allerdings nicht aufgegriffen worden sein. Auch Details zu den künftigen Begegnungen wurden nicht genannt.

Das Treffen in Nanjing könnte den Weg für eine weitere Entspannung in den Beziehungen zwischen Peking und Taipeh einleiten. Seit der Pro-Pekinger Politiker Ma Ying-jeou 2008 in das Präsidentenamt auf Taiwan gewählt worden war, haben beide Seiten rund 20 Verträge unterzeichnet, die unter anderem wöchentlich hunderte Direktflüge ermöglichen, den Touristenverkehr erleichtern und Bankgeschäfte vereinfachen.

Beobachter bezeichneten die Gespräche in Nanjing als Meilenstein. Minister Wang hatte zuvor bereits ein Treffen zwischen Chinas Staatschef Xi Jinping und Taiwans Präsidenten Ma Ying-jeou beim APEC-Gipfel in Peking in November ins Gespräch gebracht.

Beim APEC-Gipfel auf Bali vergangenes Jahr hatte Xi sich mit dem ehemaligen taiwanischen Vizepräsidenten Vincent Siew getroffen. Damals waren auch die beiden Minister Wang Yu Chi und Zhang Zhijun Teil der jeweiligen Delegationen.

Mausoleum-Besuch

Wang weilt mit seiner 20-köpfigen Delegation für vier Tage in China. Am Mittwoch will er das Mausoleum des Präsidenten der ersten chinesischen Republik von 1911, Sun Yat-sen, besuchen. Auch die Pekinger Führung lobt Sun bis heute in höchsten Tönen. Anschliessend will Wang nach Shanghai weiterreisen.

Nanjing war die Hauptstadt Chinas, als das Land in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der nationalistischen Kuomintang-Partei regiert wurde. Nach einem blutigen Bürgerkrieg mit Millionen Toten vertrieben die Kommunisten unter Führung Mao Tsedongs 1949 den Kuomintang von der Macht.

Widersprüchliche Ansprüche

Zwei Millionen Anhänger des Nationalistenführers Chiang Kai Shek flohen daraufhin auf die Insel Taiwan. Das Festland und Taiwan, das sich offiziell Republik China nennt, werden seitdem getrennt regiert, beanspruchen aber beide, die wahre Regierung Chinas zu sein.

Die beiden Länder etablierten erst in den 1990er Jahren wieder halboffizielle Beziehungen. Die kommunistische Regierung in Peking strebt noch immer nach dem Wiederanschluss Taiwans, das sie weiterhin als abtrünniges Gebiet betrachtet.

(sda)

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