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Chinatown am Vierwaldstättersee

Luzern. Der Schwanenplatz in Luzern ist ein Paradies für Uhrenkäufer aus aller Welt. Vor allem für die Touristen aus China sind die dortigen Bijouterien ein Pflichtbesuch – auch zur Freude des städtischen Finanzdirektors.

Der Luzerner Fremdenverkehr begann 1835 am Schwanenplatz. Damals wurde an dem am Rand der Altstadt und direkt am See gelegenen Ort mit dem «Schwanen» das erste Aussichtshotel der Stadt eröffnet.

Eine zentrale Rolle spielt der Schwanenplatz auch heute noch. Die Gäste strömen indes nicht mehr nur wegen der Aussicht oder des nahen Wasserturms dorthin, sondern auch um Uhren zu kaufen – keine Kitschkuckucksuhren, sondern edle Stücke.

Die Kauflust ist enorm. Es wird kolportiert, dass nur an der Place Vendôme in Paris und Plaza 66 in Schanghai noch mehr Uhren über den Ladentisch gehen würden als am Schwanenplatz.

Der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren bestätigt, dass Luzern weltweit zu den Top-Uhrenverkaufsplätzen gehöre. Speziell die Angebotsvielfalt auf kleinstem Raum sei wohl rekordverdächtig. Im Schweizer Uhrenverkauf sei Luzern nach seiner Einschätzung die Nummer eins. Verkauft werden die Uhren in Luzern zum grössten Teil um den Schwanenplatz in den Traditionsgeschäften Bucherer und Gübelin, aber auch in den Geschäften Embassy oder Cartier.

Reisefreudige Chinesen

Motor des Geschäfts sind die Touristen aus China. Die Zahl ihrer Logiernächte hat sich von 1999 bis 2012 von 144 000 auf 815 000 erhöht und somit mehr als verfünffacht. Ein Drittel dieser Logiernächte entfällt auf die Region Luzern-Vierwaldstättersee – allein in der Stadt Luzern waren es 2012 136 000. Luzern sei die beliebteste Stadt für chinesische Gäste in der Schweiz, erklärt Perren.

China ist für Luzerns Tourismus nach der Schweiz und den USA der drittwichtigste Markt. Das rasante Wachstum der letzten Jahre flacht zwar ab. Perren rechnet in der nächsten Zeit bei den chinesischen Gästen mit einem Zuwachs von 5 Prozent pro Jahr. China zähle somit auch künftig zu den wichtigsten Wachstumsmärkten.

Auf ihren Auslandsreisen kaufen die Chinesen gern Uhren. In China sind die ausländischen Uhren wegen der Abgaben sehr teuer, wie die Credit Suisse in ihrem Bericht zur Schweizer Uhrenindustrie 2013 schreibt. Kaufen die Chinesen die Zeitmesser in der Schweiz, können sie zudem sicher sein, keine Fälschung erworben zu haben.

Verstopfter Schwanenplatz

80 Prozent der chinesischen Touristen reisen in Gruppen. Diese seien für die Uhrenhändler interessant, schreibt die Credit Suisse, weil sie mit den Reiseleitern dank Umsatzbeteiligungen Abkommen abschliessen könnten. Den Gruppentouristen wird in Luzern der Einkauf einfach gemacht: Sie werden direkt zu den Uhrengeschäften am Schwanenplatz gefahren. Dieser Verkehr ist bei den Einheimischen nicht nur beliebt. Oft gibt es für die Fussgänger fast kein Durchkommen, immer wieder kommt es zu gefährlichen Si­tua­tio­nen. 2012 ereignete sich gar ein tödlicher Unfall.

Die Stadt stockte dar­auf das Sicherheitspersonal am Schwanenplatz auf. Seit Anfang 2014 müssen die dortigen Geschäfte die Kosten für die Parkplatzwächter selbst tragen.

Wie viele Busse vorfahren, ist nicht bekannt. Stichproben sprächen von maximal 275 Carbewegungen täglich, erklärt Perren. Um die Si­tua­tion in der Innenstadt zu verbessern, lasse Luzern Tourismus den Cartourismus analysieren. Ergebnisse sollten im Juni dieses Jahres vorliegen. Es gibt auch vage Alternativprojekte zum Carbetrieb. So könnten die Touristen mit einer Metro oder einem Fussgängertunnel von Parkhäusern direkt und gezielt an den Schwanenplatz geführt werden.

Stadt betont den Nutzen

Die Stadtregierung wies ge­gen­über dem Parlament jüngst dar­auf hin, dass das Uhrenshopping nicht nur eine Belastung sei. Der Cartourismus am Schwanenplatz generiere auf kleiner Fläche eine sehr hohe Wertschöpfung.

Für die Stadtkasse ist der Schwanenplatz Gold wert. Die dortigen Uhren- und Souvenirgeschäfte zahlten jährlich 3 bis 5 Millionen Franken Steuern, schreibt die Stadtregierung. Der Beitrag dieser wenigen Unternehmen mache 10 bis 15 Prozent des Steueraufkommens der 5000 in Luzern steuerpflichtigen Firmen aus. Auch für die Vermarktung von Luzern sind die vier grossen Bijouterien am Schwanenplatz wichtig. Sie sind Aktionärspartner der Luzern Tourismus AG und zahlen ihr Marketingbeiträge. Wenn sie ihre Märkte direkt bear­bei­te­ten, unterstützten sie zusätzlich auch die Gesamtvermarktung der Destination Luzern. Luzern Tourismus rechnet damit, dass Luzern 2013 auf etwa 1,18 (2012: 1,1) Millionen Logiernächte kommt. Dazu kommen jährlich rund 5,5 Millionen Tagestouristen.

Ein Tagestourist gibt im Schnitt in Luzern 103 Franken aus, ein Übernachtungsgast 244 Franken. Zu den ausgabenfreudigsten zählen die Chinesen. Deren Durchschnittsausgaben werden für die Schweiz auf 350 Franken geschätzt.

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