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Christoph Mörgeli kämpft um seinen Ruf

Der vom Fernsehen angegriffene SVP-Nationalrat hat hoch über den Dächern Zürichs einen Konter gefahren. In einem wichtigen Punkt war er sich aber nicht mehr ganz sicher.

Sein Oberkörper bewegt sich mal nach vorne, mal nach hinten, als schwanke Christoph Mörgeli zwischen Angriff und Verteidigung. Vor ihm auf dem Tisch sind die Mikrofone der Medien aneinandergereiht. Unter dem Tisch verschränkt er seine Hände und reibt die Finger aneinander.

Der SVP-Nationalrat und von der Universität Zürich entlassene Medizinhistoriker hat die Journalisten in den Prime Tower geladen, das höchste Haus der Schweiz. Er setzt sich zur Wehr, kämpft um seinen Ruf. Anlass waren Berichte der Fernsehsendung «Rundschau», die dar­auf hinausliefen, seine Doktoranden hätten durch blosses Abschreiben einen Doktortitel bei Professor Mörgeli erlangen können, genauer: durch Transkriptionen und Übersetzungen bereits vorhandener Texte.

Mörgeli spricht von «Rufmord» und erklärt, war­um er Beschwerde bei der fürs Schweizer Fernsehen zuständigen Ombudsstelle eingereicht hat (siehe Artikel rechts). Bei einer der in der «Rundschau» genannten Doktorarbeiten habe es sich keineswegs um eine Übersetzung von Quellentexten aus dem Bulgarischen gehandelt, sondern um eine gelungene Abhandlung über die Zahnarztgeschichte in Bulgarien von den Anfängen bis zur Gegenwart.

«Im Fall der Bulgarin hat sich die ‹Rundschau› so verrannt, dass sie auch im zweiten Fall unglaubwürdig ist», folgert Mörgeli. Der zweite Kronzeuge hatte in der «Rundschau» erklärt, er habe für seine Dissertation Übersetzungsarbeiten von jemand anderem gegen Bezahlung ausführen lassen. In der Einladung zur Medienkonferenz hatte Mörgeli noch geschrieben: «Es handelt sich bei diesem Zeugen um einen Zahnarzt, der bis heute keine Dissertation eingereicht hat, weil er an den Ansprüchen Mörgelis scheiterte.»

So stellt es auch die «Weltwoche» in ihrer jüngsten Ausgabe dar, was das Schweizer Fernsehen umgehend als Falschmeldung bezeichnet hat. Ein Journalist fragt Mörgeli: «Halten Sie an Ihrer Darstellung fest, wie sie in der Einladung zur Medienkonferenz steht?» Der Nationalrat weicht aus: «Sie ist nicht falsch.» Und, eben: Da sich die «Rundschau» im Fall der Bulgarin verrannt habe, sei auch der zweite Fall, auf den sich die Sendung im Wesentlichen stützte, unglaubwürdig.

Erneut Aussage gegen Aussage

Mörgeli ordnet die jüngsten Berichte über sein Wirken an der Universität ein in seine schon öfter vorgebrachte These, wonach er Opfer von politisch motiviertem Mobbing sei. Als einen unter vielen Belegen führt er an, Sebastian Brändli, Chef des kantonalen Hochschulamts, habe einmal auf einer gemeinsamen Zugfahrt zu ihm gesagt: «Ich bin der Meinung, dass deine politische Einstellung mit einer Lehrtätigkeit an der Uni nicht vereinbar ist.» Brändli sagt dazu auf Anfrage: «Ich kann diese Aussage nicht bestätigen.»

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