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City-Schlitteln

Die Stadt Zürich leistet sich am Üetliberg den Luxus eines Schlittelwegs mit eigenem Bahnanschluss, Pistenunterhalt und Reinigungsdienst.

Nachts ist der Reiz am grössten: Die breite Masse, die am Wochenende und am Mittwochnachmittag für stauähnliche Situationen auf dem Schlittelweg vom Üetliberg zum Triemli sorgte, hat sich in ihre warmen Stuben zurückgezogen. Jetzt sind die eingefleischten Schlittelfreaks unterwegs. Man erkennt sie an den Stirnlampen. Oder an den Taschenlampen, die sie am Schlitten befestigt haben. Oder am Rennrodel, der sie wie auf Schienen über vereiste Wege kurven lässt. Und nicht zuletzt am verwegenen Blick, mit dem sie unter Helmen hervorlinsen. Auf der elfminütigen Fahrt mit der S10 vom Triemli zur Endstation Üetliberg wird über Bodenwellen, Abkürzungen und Schlittentypen gefachsimpelt. Dann entleert sich der Zug.

Zürich leistet sich so manchen Luxus. Einer davon ist der 3,1 Kilometer lange Üetliberg-Schlittelweg mit S-Bahn-Anschluss bis zur Bergstation und 329 Metern Höhendifferenz. Letztes Wochenende transportierte die Bahn pro Tag 8000 bis 10 000 Personen auf Zürichs Hausberg, wie Sprecher Armin Hehli auf Anfrage sagt. Um den Grossandrang zu bewältigen, kam über den 20-Minuten-Takt hinaus pro Stunde ein Extrazug hinzu.

Täglich gefräst und planiert

Auch für den Unterhalt des Schlittelwegs scheut die Stadt keinen Aufwand: «Wenn Schnee liegt, wird der Weg täglich gefräst und planiert», sagt der zuständige Stadtförster Rolf Lehmann. «Denn dort, wo die Leute bremsen, gibts Buckel.» Ein- bis zweimal pro Woche macht Lehmann sich zudem auf den Weg, um leere Bierbüchsen und kaputtgegangene Schlitten einzusammeln. Schon im November wurden Wegweiser angebracht – und Polster an besonders exponierten Bäumen.

Die Fahrt ins Dunkle geht los. Der Weg ist als heller Schimmer zwischen den Bäumen knapp sichtbar. Die Bodenwellen sind ohne Lampe vor allem spürbar. Das Fräsen und Planieren des Stadtförsters kommt gegen die Masse der Schlittler auf die Dauer kaum an. Der Rodel hüpft auf den steileren Passagen von Welle zu Welle. Die Schläge gehen in die Knochen. Jetzt heisst es festhalten – und die Schuhsohlen auf den Boden stemmen, wenn Kontrollverlust droht.

Die Lichter der Grossstadt schimmern nach rund zwei Kilometern durch die Bäume. Das Tempo lässt nach. Durchatmen. In der Zielkurve stehen dunkle Gestalten und rauchen. Etwas weiter unten steht das Triemlispital, wo der Notfalldienst tags darauf alle Hände voll zu tun haben wird, um auf dem Glatteis Ausgerutschte zu behandeln. Wie viele davon vom Schlittelweg kamen, sei aus Zeitgründen nicht eruierbar, erklärt eine Spitalsprecherin.

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