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Coco Beach revisited

Ein Manager arbeitet auch über Weihnachten – am Strand. «Abschalten», die Eigenproduktion des Casinotheaters nach «Business Class»-Motiven von Martin Suter, geht in die zweite Runde.

Man weiss nicht, wo die fünf Tonnen Sand im Sommer Ferien gemacht haben. Jedenfalls ist der Sand jetzt zurück im Casinotheater und macht wieder ganz auf Coco Beach, mit Ausrufezeichen wie: Wir machen Urlaub! Jetzt buchen! Losfliegen! Entspannen! – Willkommen auf der Insel. Auf der Bühne des Casinotheaters ist alles wieder bereit für «Abschalten». Im Juni hat die Eigenproduktion des Casinotheaters Premiere gehabt. Kurz der Rückblick: «Abschalten» ist das Sequel von «Business Class». Domenico Blass hat Martin Suters Kolumnen, die vom Second Life von Managern berichten, für die Bühne umgeschrieben – die Business Class macht jetzt Ferien. Da stehen Männer, die sonst Anzüge in gedeckten Farben tragen, in Lahco-Badehosen da. Die Business Class zeigt Bauchansatz. Ein lässiges Leben haben Manager natürlich in den Ferien nicht. Ihre Badehosen sind nur Camouflage. Denn aus dem Abschalten müssen Manager immer einen Businessplan machen. Quality Time wollen sie haben, und zwar subito, sonst polieren sie den anderen die Fresse. Dar­um buchen Manager auch gerne Offline-Ferien – ganz weit draussen in der Pampa, wo es ausser Langeweile nichts mehr gibt. Und zu Hause bleiben die Gameboys der Kinder und das Natel der Ehefrau. Die Familie findet das nicht besonders lustig – und schaltet endgültig ab. Der Manager-Mann aber arbeitet umso mehr in den Ferien – er lässt sein Privatbüro heimlich über den Beach-Club laufen – und organisiert am Strand die ganze Teppichetage neu. Ein Leben, in den Sand gesetzt. Stefan Huber, auch er ein grosser Martin-Suter-«Business Class»-Spezialist, hat «Abschalten» für das Casinotheater auf die Bühne gebracht. Alles geht hier durcheinander, ganz im Sinn der Vorlage. Wir sind am Strand, wo Obermanager Siegmund Tischendorf in Badehosen eine gute Figur machen will – seine Frau Alexandra Seefisch macht in ihrer Rolle natürlich eine weit bessere. Und wir sind im Büro daheim, wo die Untermanager Max Gertsch und Markus Merz die Stellung halten müssen, zusammen mit der Sekretärin Esther Gemsch. Zwei Welten kommen hier im kleinen Menschentheater zusammen, besser gesagt: Es kommt in jeder Beziehung zum Crash. «Zum Brüllen komisch» Das Publikum hat über dieses Business-Class-macht-Ferien-Theater sehr gelacht, «zum Brüllen komisch» fands sogar die «NZZ». Jetzt wird «Abschalten» im Casinotheater wiederaufgenommen – die Komödie ist noch bis ins neue Jahr zu sehen. Vieles ist gleich geblieben. An einer Martin-Suter-Vorlage lässt sich nicht schräubeln. Einiges hat sich aber auch verändert – das Leben geht eben auch im Theater immer weiter. Domenico Blass hat die neuen Umstände gleich in die Szenen inte- griert – und Stefan Huber übt die Änderungen mit den Schauspielern ein. Kurzer Besuch auf einer Probe, kurz vor der Premiere der Wiederaufnahme. Wenn Max Gertsch und Markus Merz nur schon auf der Bühne stehen, ist es ein Theater für sich. Die beiden haben die Haltung ihrer Figuren eingenommen, doch können sie noch ein bisschen beiseit der Rolle stehen. Die zwei Manager gibt es hier als Möglichkeitsform: kleinlaut und grosssprecherisch. Max Gertsch und Markus Merz, die für jede Produktion ein Gewinn sind, stehen an der Bar und tun so, als tränken sie Bier und rauchten. Und natürlich reden die Männer über Männerzeugs, so über Viagra und so. Sie deklinieren dann Viagra durch, dass es ein dreifaches Hoch wird auf den Stoff, aus dem, wie sie sagen: die Obermacker- manager sind. Und wenn sie hängen, machen sie daraus, haha, noch einen zusätzlichen Spass. Management by Viagra Noch stimmt das Timing nicht ganz. Stefan Huber lässt die Szene noch einmal von vorn spielen. Wenn dann die Schauspieler Sperenzchen machen mit dem Zigarettenanzünden und Biertrinken, sagt der Regisseur einfach: Saufen und rauchen, das sei doch ein Ding. Das ist genau der Ton, der «Business Class», Kapitel «Abschalten» ausmacht, und die Management-by-Via- gra-Szene ist schon auf der Probe sehr lustig. Bis zum Brüllen ist es nur ein kleiner Schritt. Die fünf Tonnen Sand, die sind eben das Gewicht für die Leichtigkeit des Seins.

Abschalten Eine Komödie nach Martin Suter. Casinotheater Winterthur, bis 4. Januar www.casinotheater.ch

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