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Crevetten aus dem Schweizer Zuchtbecken

Frisch aus der Schweiz, statt tiefgefroren und aus Übersee importiert: Ein Solothurner Start-up plant, Crevetten zu züchten und sie als Delikatesse zu verkaufen.

Der Businessplan von Swiss Shrimp schwang beim ersten Berner Business-Creation-Wettbewerb letztes Jahr obenaus, eine Auszeichnung für einen langen Atem hätte das Start-up ebenfalls verdient: Seit 2010 arbeiten sechs Solothurner daran, fangfrische, einheimische Crevetten zu züchten. Klappt alles wie vorgesehen, können Kunden die Delikatesse ab 2018 an Frischtheken bei Detailhändlern kaufen oder in Gourmetrestaurants geniessen. Bis dahin steht das Jungunternehmen noch vor einigen Hürden. «Wir brauchen für den Bau einer Produktionsanlage rund drei Millionen Franken an Investitionen und dazu einen geeigneten Standortpartner», sagt Geschäftsführer und Marketingleiter Rafael Waber. Aktuell läuft die Pilotphase in einer provisorischen Anlage auf dem Areal der früheren Firma Borregard in Luterbach bei Solothurn. Im Dezember wurden die ersten 1500 Larven in Becken eingewässert. In sechs Monaten erreichen sie die gewünschte Grösse. «Unsere Riesencrevetten sind ausgewachsen so lang wie ein Kugelschreiber und dick wie ein Daumen», erklärt Waber.

Drei Kundentypen im Visier

Der Markt für Crevetten in der Schweiz ist riesig (siehe Box rechts). Die Ware wird heute tiefgefroren importiert und stammt meist aus Asien oder Südamerika. Die Umwelt-, Arbeits- und Hygienebedingungen auf den Shrimpfarmen sind oft zweifelhaft und werden kritisiert. Mit ihrer Zucht zielt Swiss Shrimp auf drei Kundentypen: erstens den Geniesser, der lieber Frischprodukte als Tiefgefrorenes isst. Dann den Protektionisten, der das Schweizer Produkt dem ausländischen aus Prinzip vorzieht, und drittens den bewussten Konsumenten, dem nachhaltige Produktion und fairer Handel wichtig sind. Die Aufzucht in der Schweiz funktioniere, das zeige ihre Erfahrung, sagt Rafael Waber. «Aber wir sind Realisten und wollen Crevetten zu konkurrenzfähigen Preisen auf den Markt bringen – der Konsument zahlt mehr dafür, weil sie ihm den höheren Preis wert sind.» Diese Bereitschaft stösst aber an Grenzen, ist das Kilogramm zu teuer, lässt der Kunde die Ware liegen. SwissShrimp peilt einen Endpreis von deutlich unter 100 Franken pro Kilogramm an, wichtigste Voraussetzung dafür ist der passende Standortpartner. Dazu sagt Waber: «Die fertige Produktionsanlage muss neben einem Industriebetrieb stehen, dessen Abwärme wir kostenlos für das Aufheizen des Wassers nutzen können.»

Wärme liebende Tiere

Das mit Salz angereicherte Wasser muss 28 bis 30 Grad warm sein. Wenn die thermische Energie kostet, würde das den Kilo-Preis auf über die gesetzte Frankenlimite hochtreiben. Swiss Shrimp steht mit mehreren potenziellen Standortpartnern in Kontakt, die Crevettenfarm wird dereinst also nicht zwingend am jetzigen Ort stehen – Partner wird, wer ins Geschäftsmodell passt. Einen gesunden Realitätssinn der Swiss-Shrimp-Gründer zeigt sich auch beim Entscheid, 2014 zuerst eine Pilotanlage aufzustellen. Sie kostete rund 200000 Franken. Auf ihr werden sämtliche Abläufe der Crevettenzucht getestet. Die definitive Anlage wird eine Millioneninvestition sein – ein Risiko, das rasch zum finanziellen Desaster geraten könnte, und darum abgesichert werden muss.

Pioniere brauchen Geduld

SwissShrimp hat seit dem Start viel Zuspruch von aussen erfahren. Bis 2018 die ersten selbst gezüchteten Crevetten auf den Frischtheken liegen, vergeht jedoch noch eine lange Zeit. Woher kommt der aussergewöhnliche Durchhaltewille? «Wir sind ein gutes Team mit einem grossen Kitt, und wir sind von unserem Produkt überzeugt», antwortet Rafael Waber. Dazu zeigten Delikatessenhändler und Gastronomen Interesse an ihrem Produkt, «lange bevor es wirklich existiert». Gleichzeitig verhehlt er die Schwierigkeiten nicht, die die lange Dauer mit sich bringt. «Wir sind Pioniere in einem Markt, den es noch nicht gibt, die Zusammenhänge sind komplex, die Herausforderung ist gross.» Alle Mitglieder des Teams gehen erwerbshalber anderen Beschäftigungen nach, oft hinken sie deshalb ihren Zeitplänen hinterher. Trotz der bisher erbrachten Opfer ist die Begeisterung für die Crevettenzucht «made in Switzerland» ungebrochen, bis jetzt ist keiner der Gründer ausgestiegen.

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