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Da bleibt nicht viel Luft übrig

plainfeld. Oft machen die Hersteller viel Lärm, wenn sie nur schon eine neue Lackierung für ihre Modelle anzubieten haben. Chevrolet geht bei der Corvette Z06 den entgegengesetzten Weg: Sie wurde ganz still und leise deutlich verbessert.

Zwar sieht man der Z06 nicht auf den ersten Blick an, dass es sich um ein weiterentwickeltes Fahrzeug handelt, aber der Teufel (oder die gute Rundenzeit) liegt ja bekanntlich im Detail. So hat die Z06 einen neuen Frontspoiler bekommen, der in seinen Abmessungen jenem Teil entspricht, welches auch an den so erfolgreichen Langstrecken-Rennwagen von Corvette montiert ist. Weitere Verbesserungen an der Aerodynamik machen die Vette vor allem im Highspeed-Bereich deutlich stabiler.

Und die Z06 ist nun mit einem Performance-Paket lieferbar. Dieses umfasst nicht nur ein für den Sporteinsatz optimiertes Fahrwerk, sondern auch eine Cup-Bereifung von Michelin sowie ein angepasstes Getriebe. Und das neue Traktionskontrollsystem, welches man ohne grosse Worte eingeführt hat, wurde auf die besonders viel Grip bietenden Gummis aus Frankreich abgestimmt. Die fünfstufige Traktionskontrolle ist denn auch das Highlight an der neuen Z06. Je nach Einstellung fährt damit jeder Amateur sehr, sehr flott. Das System lässt dem ambitionierten Sportfahrer auch genügend Freiheiten – Driftwinkel inklusive. Chevrolet-interne Tests haben allerdings ergeben, dass selbst gestandene Rennfahrer mit aktiviertem System schneller unterwegs sind als ohne jegliche elektronische Helfer.

Die Z06 ist, salopp gesagt, ein «böses Teil». Sie hat mit ihren 512 PS aus 6,2 Litern Hubraum zwar nicht so viel Power wie die aufgeladene ZR1 (647 PS, 819 Newtonmeter), aber sie ist von der Abstimmung her sicher die sportlichste aller Vetten. Das Auto lenkt ul-trapräzis ein, ist viel leichtfüssiger als das Drehmomentmonster ZR1 und tönt auch noch viel besser. Der V8 zieht bei hoher Drehzahl so viel Sauerstoff in den Ansaugtrakt, dass der Pilot am besten mit Sauerstoffmaske fährt, denn da bleibt nicht viel Luft übrig.

Ebenfalls ein Traum und Teil des Performance-Pakets ist die Keramikbremsanlage. Übrigens mit den grössten Bremsscheiben, die Brembo derzeit im Programm hat. Auf einer solchen Bremsscheibe kann man locker eine Pizza Familiale servieren, denn der Durchmesser beträgt fast 40 Zentimeter. Die Basis-Z06 kostet derzeit 99 400 Franken. Allein dieser Preis ist schon aller Ehren wert. Wer dann noch das Performance-Paket ordert, muss nur knapp 10 500 Franken zusätzlich investieren, um ein richtig schnelles, schnelles Auto zu haben.

Nur so zum Vergleich: Bei Porsche kostet allein die Komposit-Bremsan- lage einen Aufpreis von über 12 000 Franken. Und noch ein Vergleich: Der Porsche 911 Turbo mit seinen 500 PS und einem Basispreis von 227 500 Franken braucht für eine Runde auf der Nordschleife des Nürburgrings fünf Sekunden mehr als die Corvette.

Dabei muss fairerweise aber auch gesagt sein: Mit dem Cup-Fahrwerk und den entsprechenden Reifen ist die Corvette ausserhalb der Rennstrecke nur noch mit Einschränkungen fahrbar. Das Sportgerät läuft jeder Rille nach, und beim Überfahren von Zigarettenstummeln kann der Fahrer vermelden, ob es sich um ein Exemplar mit Filter oder eben ohne gehandelt hat. Der Porsche kann das viel besser, viel alltagstauglicher – aber die Vette ist halt schneller.

Doch die Kirche soll im Dorf bleiben: Selbstverständlich lässt sich die Vette in noch so manchen Punkten nicht mit einem Porsche vergleichen. Das Interieur des Z06 verfügt zwar auch über Leder und diverse Annehmlichkeiten, doch es sieht halt unglaublich popelig aus. So ein bisschen wie koreanische Automobile vor 10 Jahren ausgesehen haben. Und die Verarbeitung des vielen Hartplastik ist auch nicht gerade vorbildlich. Immerhin: Die Sitze sind gut, bequem auf langen Strecken, und – ganz wichtig – sie bieten hervorragenden Seitenhalt.

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