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Das angekündigte Spektakel

Alpe d’Huez. Attacken ab dem ersten Kilometer, ein gnadenloses Ausscheidungsfahren, ein Leader in Nöten und der erste französische Etappensieg: Die Königsetappe der Tour de France hielt, was sie versprochen hatte.

Der Franzose Christophe Riblon rettete mit dem grössten Sieg seiner Karriere die Ehre des bis anhin sieglosen Gastgeberlandes an der laufenden Tour. Im Schlussaufstieg der 18. Etappe von Gap auf die Alpe d’Huez, die zum ersten Mal in der Geschichte der Tour zweimal bewältigt werden musste, fing der 32-jährige Profi des französischen Teams AG2R den Amerikaner Tejay van Garderen noch ab, der lange wie der sichere Sieger ausgesehen hatte. Somit überquerte Riblon nach 168,5 km solo die Ziellinie und liess die «Grande Nation» endlich jubeln.

Van Garderen, der sich bereits nach zehn Kilometern mit einer Spitzengruppe abgesetzt hatte und die letzten 14 Kilometer in Führung liegend in Angriff nehmen konnte, zollte am Ende für sein hohes Tempo Tribut, rettete sich aber auf den zweiten Platz. Knapp eine halbe Minute hinter dem BMC-Profi wurde Moreno Moser Dritter.

Apropos BMC: Der eigentliche Teamleader Cadel Evans zog erneut einen miserablen Tag ein, verlor als 80. über 25 Minuten und fiel im Gesamtklassement aus den Top 20. Bester Profi des amerikanisch-schweizerischen Teams ist auf Platz 27 … der Schweizer Steve Morabito (44:46 zurück).

«Nicht mehr daran geglaubt»

Riblon ist erst der dritte Franzose nach Bernard Hinault (1986) und Pierre Rolland (2011), der im «Mekka» der Tour de France siegt. «Es ist unglaublich», stammelte Riblon immer wieder. «Bei der 5-km-Marke habe ich nicht mehr dran geglaubt, van Garderen noch einzuholen. Aber im Wagen hinten haben sie mich immer wieder angefeuert. Plötzlich habe ich ihn dann vor mir gesehen. Das war ein Wahnsinnsfinale.» Der 32-jährige Riblon, der in der gefährlichen Abfahrt hinab von der Alpe d’Huez ins Gras fuhr und nur mit Glück um einen Sturz kam, feierte seinen zweiten Etappensieg im Rahmen der Tour.

Froomes Zuckermangel

Hinter Riblon, van Garderen und Moser entbrannte wie erwartet auch der Kampf unter den Besten der Gesamtwertung. Nachdem er mehrere Angriffe souverän pariert hatte, zeigte Leader Froome erstmals eine leichte Schwäche. Knapp sechs Kilometer vor dem Ziel klagte Froome über Zuckermangel. Sein «Leutnant» Richie Porte holte im Begleitfahrzeug einen Ener­gie­­riegel. Weil dies gemäss Reglement auf den letzten Kilometern verboten ist, brummte die Jury beiden Sky-Profis eine Strafe von 20 Sekunden im Gesamtklassement auf.

Trotzdem und vor allem dank der Hilfe von Porte machte Froome auf seinen ersten Verfolger weiter Zeit gut. Denn der zweitklassierte Alberto Contador hatte schon weiter unten in den 21 Kehren der Steigung den Kontakt zum Briten verloren. Bis ins Ziel verlor Contador 57 Sekunden auf Froome; er liegt nun (die Zeitstrafe mit eingerechnet) 5:11 Minuten hinter dem Führenden.

Hinter Froome, dessen Gesamtsieg immer näher rückt, kommen für die beiden verbleibenden Podestplätze wohl noch vier Fahrer in Frage: Contador, Nairo Quintana, Roman Kreuziger und Joaquim Rodriguez. Das Quartett trennt im Gesamtklassement nur 47 Sekunden. Seine Ambitionen für die Top 3 begraben musste dagegen Bauke Mollema, der wie im Zeitfahren am Vortag erneut viel Zeit einbüsste.

Noch zwei Alpenetappen

Heute Freitag dürfte der Vierkampf um Platz 2 seine Fortsetzung finden, in der zweitletzten Alpenetappe von Bourg-d’Oisans nach Le Grand-Bornand über 204,5 km und fünf Pässe (davon zwei der höchsten Kategorie). Die Entscheidung dürfte indes erst am Samstag fallen, wenn einen Tag vor dem grossen Finale auf der Champs-Elysées in Paris in Annecy-Semnoz die letzte Bergankunft im Programm steht. (si)

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