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Das Bike aus einer anderen Welt

Die neue Kawasaki Z1000 will fest angepackt werden. Ihr extravagantes Design erinnert an ein Raubtier, vielleicht an einen urzeitlichen Raptor. Akustisch wäre das auf jeden Fall naheliegend.

Wie eine aus dem Vollen gemeisselte Skulptur mit unzerstörbarem Nacken blickt die neue Kawasaki Z1000 grimmig durch ihre LED-Scheinwerfer. So, als setze sie nach Belieben das Ende der Nahrungskette fest. Provokativ, aber ausgewogen geformt sticht der Töff aus der Masse wie ein gefrässiges Reptil im Streichelzoo. Von der Seite betrachtet, erweckt sie den Eindruck, als hätten die Ingenieure sie auf das Wesentliche reduziert – einen wuchtigen Motor, zwei Räder, alles nur knapp mit Beiwerk bedeckt.

Das puristisch-futuristische Design des Big Bikes ist den Japanern gut gelungen und mit feinen Details wie serienmässigen Felgenbändern trefflich in Szene gesetzt. Entgegen dem harten Anschein thront der Pilot hinter dem breiten 17-Liter-Tank in bequemer Angriffshaltung auf guten Platzverhältnissen und freut sich über brauchbare Rückspiegel, die wie Fühler eines Insektes aufragen.

Längere Ausfahrten oder die geduldige Suche nach kurvenreichen Strecken gelingen auf der Kawa ohne Rückenschmerzen. Sind Kurven in Sicht, steht fest: Die Z1000 will mehr vom Leben, als auf Landstrassen zu cruisen. Sie giert auch in der vierten Generation danach, ihre Muskeln spielen zu lassen. Dem Piloten kommt die präzise Gasannahme dabei sehr gelegen, verzichtet der zweirädrige Raptor doch auf elek- tronische Beruhigungsmittel wie Traktions- oder Wheelie-Kontrolle. Einmal von der Leine gelassen, hilft der gut dosierbaren Vorderradbremse mit 310 mm grossen Scheiben nur ein ABS, um die 142 Pferde wieder einzufangen.

Den Motor hat die Z1000 von der Vorgängerin geerbt und durch kleine Modifikationen 4 PS dazugewonnen. Massiver Druck in allen Lebenslagen statt irrwitziger Spitzenwerte war das Ziel der Ingenieure, was ihnen gelungen ist. Die Leistung kommt aber derart direkt, als wäre der Gasgriff gleich am Motor verschraubt. Die kleinste Drehbewegung reicht und der Vier- zylinder bellt los.

Bis zur 4000-U/min-Marke brabbelt die Z1000 etwas grimmiger, als sie zupackt, was gut ist für die Warmlaufphase und den Stadtverkehr. Kaum erkennbare schwarze Balken im volldigitalen Display zeigen die Kurbelwellenumdrehungen an. Dann übernehmen weisse Dioden. Grell wie ein Warnsignal schiessen sie bei Bedarf von links nach rechts bis zu den roten Schlusslichtern kurz vor 11?000 Umdrehungen. Für den Piloten bedeutet das Lichterspiel den Spurt auf 100 Stundenkilometer in etwa 3,1 Sekunden.

Der Vierzylinder mit 1043 ccm Hubraum gebärdet sich im oberen Drehzahlbereich wie ein reinrassiger Sportmotor. Dass die Z1000 leistungsmässig nicht überladen ist, fördert ihre Fahrbarkeit, schliesslich sind die ersten fünf der sechs Gänge eher kurz übersetzt. Zum sportlichen Anspruch und der zur aggressiven Optik passt das fast voll einstellbare und stabile Fahrwerk. Es ist straff gedämpft, aber auch in der Stadt geniessbar und macht die 221 Kilogramm schwere Maschine erfreulich handlich. Beim zügigen Kurvensurfen will die Kawa fest angepackt und mit dem Körper gelenkt werden. Das gelingt eigentlich immer bestens, auch wenn beim Test-Motorrad ein starkes Aufstellmoment beim Reinbremsen oder bei korrigierenden Bremseingriffen in Kurven störte.

Dem Trend zu kleinen Multi-Informations-Displays folgt leider auch die neue Z1000, die es ab 14?990 Franken zu kaufen gibt. Während man Tempoangaben und die Drehzahldioden noch ablesen kann, sollten die anderen Informationen lieber vor einer roten Ampel studiert werden. Nicht nur sind die Ziffern und Buchstaben klein, das digitale Infocenter sitzt auch schlicht zu nahe vor dem Piloten. Daher muss man den Kopf senken, wenn man weitere Informationen ablesen möchte. Eine positive Überraschung ist dagegen die Aerodynamik des Naked Bikes. Beugt man sich für eine zügige Autobahnetappe tief zwischen die hohen Lenkerenden, liegt man ruhig und erstaunlich komfortabel im Wind.

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