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Das «blaue Wunder» von Kleinandelfingen

Aus gut 80 Holzteilen wird der neue Kindergarten momentan zusammengebaut – sein Äusseres wird allerdings für überraschte Gesichter sorgen.

Vor der Urnenabstimmung vom letzten Mai war noch von Holz die Rede, mit dem der neue Kleinandelfinger Kindergarten verkleidet werden soll – nun werden es blaue Tonziegel sein. Die abweichende Idee hat der Gemeinderat kürzlich genehmigt, wie er im aktuellen Mitteilungsblatt schreibt. Die wabenähnlichen Ziegel werden das Dach und die Aussenwände des Gebäudes abdecken. Die «auf den ersten Blick befremdende Wirkung» entfalte im Zusammenspiel mit der Gebäudeform einen «modernen, soliden Eindruck», schreibt der Gemeinderat weiter. Seit vergangenem Montag werden die rund 80 vorgefertigten Gebäudeteile aus Holz zusammengebaut. Ziegelschilde sind ortstypisch Bauen sei ein fortlaufender Prozess «vom Groben ins Feine», in dem man auch dazulernen könne, sagt Florian Stegemann vom Schaffhauser Architekturbüro Meyer Stegemann. Auf diese Weise habe man sich auch der Idee mit den blauen, rautenförmigen Tonziegeln schrittweise angenähert, «in intensiver Diskussion mit der Baukommission». So wurden gemeinsam mehrere Varianten geprüft, wie das Dach und die Aussenwände des neuen Kindergartens aussehen könnten. Die Frage der Fassadengestaltung gehöre zur Detailplanung, die jeweils erst nach der Gutheissung eines Bauprojektes beginne. Den möglichen Verdacht, dass die Idee mit den blauen Ziegeln etwa schon vor der Abstimmung bestanden haben könnte, weist Stegemann ausdrücklich zurück. «Das war keine Finte.» Die im Vorprojekt noch vorgesehene Holzfassade sei relativ früh und aus mehreren Gründen verworfen worden, erzählt Stegemann. So sind die Tonziegel wetterbeständiger als Holz, besonders an der Westfassade. Die Idee mit den Ziegeln griffen die Architekten nicht etwa aus der Luft. Vielmehr orientierten sie sich an den sogenannten Ziegelschilden, von denen es in Kleinandelfingen einige gibt. «Das war unser Aufhänger», sagt Stegemann. Bei diesen traditionellen Schilden handelt es sich um Ziegelflächen, die zum Beispiel eine Giebelfassade abdecken. Das neue Gemeindehaus in Dinhard ist ebenfalls komplett mit Ziegeln eingehüllt. Holz sogar teurer als Ziegel Die Kleinandelfinger Tonziegel sind keine Spezialanfertigung – sie sind so im Handel erhältlich. Die Ziegel werden nicht an die Fassade gehängt, sondern geschraubt. Die Vandalismusfrage habe der Hauswart auch gestellt, erzählt Stegemann. Eine Garantie für eine unversehrte Fassade könne er nicht geben. Doch das sei auch bei einer Fassade aus Putz oder Eternit nicht möglich, die durch einen Steinwurf ebenso beschädigt werden kann. Die Einkleidung mit Tonziegeln ist sogar günstiger als eine aus Holz oder Eternit. «Das ist ein angenehmer Nebeneffekt.» Das Blau der Fassade wird mit einzelnen schwarzen Ziegeln optisch aufgebrochen. Steht man frontal vor einer der Teilfassaden, erscheint diese dunkel. Fällt der Blick jedoch schräg auf sie, nehmen die glänzenden Ziegel die Farben des Umfelds auf. Die vielen Abwinklungen und Neigungen des Baus «wirken wie Spiegel, die die Umgebung reflektieren», sagt Stegemann. Ein Achteck im Dreieck bauen Der Doppelkindergarten, der zurzeit für rund 2,5 Millionen Franken gebaut wird, muss auf einer dreieckigen Parzelle Platz haben, «die fast nicht bebaubar ist», sagt Stegemann. Die zwei sechseckigen Einzelbauten sind zu einem länglichen, achteckigen Bau verbunden. Auf diese Weise sind die Fassaden mehrfach abgeknickt, sodass das Gebäude näher an der Grundstücksgrenze stehen darf, als dies bei einer einzigen, durchgehenden Fassade erlaubt wäre. Man habe aus der Not eine Tugend gemacht. «Das Baurecht hat uns zu neuem Denken gezwungen.» So sei aus Zwängen etwas Spielerisches entstanden. «Und wenn man bei einem Kindergarten nicht spielerisch sein kann, bei welchem Gebäude soll man es dann sein können?», fragt sich der Architekt. Markus Brupbacher

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