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Das böse Ende in der 94. Minute

basel. Der FCB bezog gegen Chelsea im ersten Europacup-Halbfinal-Heimspiel der Klubgeschichte eine bittere 1:2-Niederlage. David Luiz stürzte den FCB in der 94. Minute mit einem Freistoss ins Unglück.

Tief in der Nachspielzeit vermieste Chelsea dem Schweizer Titelhalter die Laune endgültig. Ausgerechnet der Brasilianer, der nach einem wüsten Tritt gegen David Degen eigentlich hätte Rot sehen müssen, überwand Yann Sommer ein zweites Mal. Damit ist das Endspiel in Amsterdam nur noch auf wundersame Weise zu erreichen. Die erste Niederlage vor eigenem Publikum seit dem 21. August gegen Cluj (1:2) ist nach sportlichem Ermessen nicht mehr zu korrigieren. Das böse Ende kam trotz Schärs spätem Penalty-Ausgleich (87.) gleichwohl nicht völlig ohne Ankündigung – in den letzten Minuten vor dem Knock-out hatten Oscar und Captain Terry bereits zwei hochprozentige Chancen vergeben. Basel setzte wohl zu ungestüm bereits im Hinspiel alles auf eine Karte – und verlor gegen den Giganten aus London damit mutmasslich alles. Welche Priorität Rafa Benitez der letzten Chance einräumte, eine Trophäe zu gewinnen in diesem Frühling, demonstrierte der Spanier nur schon mit seiner Aufstellung: Er setzte im Hinspiel nicht auf Experimente, sondern auf die Leader der besten Europacup-Tage des Klubs, auf Terry und auch auf Lampard – und damit auf einen immensen Erfahrungsschatz. Mit den beiden kompromisslosen Schwerarbeitern, deren Zeit an der Stamford Bridge in ein paar Wochen womöglich abläuft, stoppte der Vierte der Premier League den monatelangen Höhenflug Basels. «Es kommt drauf an, wie viel sie uns anbieten», hatte Marco Streller vor dem Duell gesagt. Am Tag seiner Vertragsverlängerung bis 2015 musste der Basler Captain zur Kenntnis nehmen, dass sich die Prominenz von Chelsea weniger spendabel präsentierte als zuletzt Tottenham, Manchester United oder vor elf Jahren die Grössen aus Liverpool. Einen ersten gefährlichen Abschluss Lampards vereitelte Yann Sommer noch, den unmittelbar danach folgenden Corner-Ball der Chelsea-Ikone hingegen bekam der Basler Keeper nicht mehr zu fassen – Schär und Park behinderten sich gegenseitig, Moses stand bereit und dämpfte die Euphorie der FCB-Anhänger früh. Zwölf passable Minuten genügten den Engländern, um ein taktisches Teilziel zu erreichen: das erste von zwei Auswärtstorren. Nach dem Wunschstart überliessen die «Blues» die In­itia­ti­ve dem FCB. Weniger gefährlich wirkten sie dabei allerdings nicht. Gleich zweimal setzten die Gäste zu einem überfallartigen Konterschlag an. Ramires (36.) und Hazard (45.) standen dicht vor dem 2:0.

Basel bemühte sich zwar nach dem ungünstigen Auftakt sofort wieder um die übliche Haltung. Der Schweizer Titelhalter liess sich die Abwehrpanne zunächst nicht anmerken und fuhr mit dem Stil der letzten Festtage fort: forsch, wuchtig und zielorientiert. Stocker, er mit seinem Speed immer wieder, und Serey Die, bis zur Auswechslung nach knapp einer Stunde der wilde, aber oft unpräzise Mittelpunkt der Einheimischen, verwickelten die englischen Tenöre in spektakuläre Zweikämpfe. Aber der Herausforderer liess sich von den Efforts des Aussenseiters bis nicht weiter weiter irritieren. Im Gegensatz zu Dnjepr, Zenit und Tottenham verfügt Chelsea über unvergleichbar mehr Europacup-Erfahrung – zwölf Professionals der aktuellen Equipe zelebrierten im letzten Mai in München den Triumph in der Champions League. Und im Sommer stiess mit Eden Hazard ein weiteres Juwel zur sündhaft teuren Welt-Auswahl. Der belgische Regisseur stellte Basel mehrfach vor kaum lösbare Probleme. Nach einem weiteren wunderbaren Dribbling setzte Torres den Ball unbedrängt an den Innenpfosten (54.) Dass Chelsea auch über eine überaus humorlose und destruktiven Charakterzug verfügt, bekam der FCB ebenso zu spüren. Im ausverkauften St.-Jakob-Park griff die letztjährige Nummer 1 Europas während einer längeren gegnerischen Druckphase vor der Pause ohne falsche Scham tief in die «Catenaccio-Kiste». Für einen Sympathie-Bonus interessierte sich keiner der Super-Stars. Im Notfall verteidigten sie ihr Territorium mit einer Sechser-Kette und im Falle von David Luiz (Tritt gegen David Degen) ohne Rücksicht auf Verluste. Teilweise erinnerte Chelsea an jene unappetitliche Auswahl, die sich vor Jahresfrist zunächst in Barcelona und später in München den wichtigsten Erfolg der Vereinsgeschichte ermauerte. (si)

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