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Das Flaggenfieber ist ausgebrochen

Nachdem der Gemeinderatssaal mit den Quartierflaggen dekoriert wurde, verlangen zwei junge CVP-Parlamentarier, dass Schulhäuser beflaggt werden – «um Kindern zu ermöglichen, sich mit Winterthur, dem Kanton und der Schweiz zu identifizieren», wie sie schreiben.

Matthias Baumberger (Bild unten) und René Harlacher (Bild rechts), aufstrebende Junggemeinderäte, drücken der CVP ihren Stempel auf, der eine als Parteipräsident, der andere als Fraktionschef. Und sie haben auch ein Herz für nationalkonservative Anliegen. Der 34- und der 32-jährige Parlamentarier haben einen Vorschlag eingereicht, den ausser der CVP nur die Schweizerische Volkspartei, der Schweizer Demokrat, der Eidgenössisch Demokratische Unionist und zwei Freisinnige mitunterschreiben wollten: eine Interpellation für «Flaggen an öffentlichen Schulen». Die hiesigen Schulhäuser sollen mit den Fahnen Winterthurs, des Kantons und der Schweiz ausstaffiert werden. Die Kinder, die auf dem Pausenplatz herumrennen und Stadtbewohner, die an den Fahnen vorbeischlendern, sollen so «für unsere Geschichte, Traditionen und Kultur sensibilisiert» werden. Alles dient der «Identifikation mit den staatlichen Strukturen». Gleichzeitig wollen die beiden Gemeinderäte Bericht darüber, wie die Kinder in der Schule auf «ihre Aufgabe als Bürgerinnen und Bürger vorbereitet werden».

Neue Fahnen im Ratssaal

Der Vorstoss zeigt: Fahnenfreude hat im Stadtparlament Konjunktur, es hat sich eine Gruppe von Fahnenfans gefunden. Auch Josef Lisibach (SVP), seit einigen Monaten offiziell Ratspräsident, mag farbige Wimpel. Als er auf dem Chefsessel Platz nahm, liess er seine neue Wirkungsstätte auch neu schmücken und hängte die Flaggen der Stadtteile auf. Man habe dem Saal zuvor gar nicht angemerkt, dass dort das Stadtparlament tage, erklärte Lisibach seine Motivation.

Und was steht hinter der Idee aus der CVP? Waren es gar Erlebnisse aus Amerika oder Frankreich, wo Flaggen und Fahnen fast an jeder Hausecke stehen? Baumberger hat in Chicago, New York und Paris studiert. Nein, die Jahre im Ausland seien nicht Inspiration gewesen, sagt er. Die CVP habe diesen Vorstoss an einer Retraite aufgegleist. Die Flaggen könnten zum Ausdruck bringen, «dass das, was wir hier haben, gut ist, ohne dass man damit anderes schlecht macht», so der Gemeinderat. «Das kann etwas Positives auslösen.»

Alle Schulhäuser zu beflaggen, dürfte auch eine Stange Geld kosten. Kauft man bei einer Schweizer Fahnenfabrik neue Flaggen und Masten für die über hundert Schulhäuser der Stadt, so bezahlt man für die genähten Varianten der Fahnen mindestens 100 Franken. Einen soliden Masten gibt es für 580 Franken, was Gesamtkosten von mindestens 200 000 Franken bringt. Noch nicht eingerechnet sind da die Kosten für die Montage. Und für den aufmerksamen Fahnenwächter, der die Standarten zügig einholt, wenn ein Sturm aufzieht.

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