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«Das Fünkchen Eifersucht gegen Zürich»

Die Rivalität zwischen Zürich und Winterthur reicht weit zurück. Im 19. Jahrhundert wurde sie durch zwei hohe Politiker geprägt, wie Historiker Peter Niederhäuser in einem Vortrag beschrieben hat.

Der «Nebelspalter» sprach von einem fortwährenden Hahnenkampf zwischen den beiden Gockeln Winterthur und Zürich, oder genauer: dem Winterthurer Johann Jakob Sulzer und dem Zürcher Alfred Escher. Die beiden Politiker prägten die beiden Städte um 1850 ganz besonders. Und die beiden konnten sich nicht leiden. Ihre persönliche Animosität übertrug sich auch auf die Beziehung zwischen den beiden Städten.

«Feindliche Brüder?» hiess der Vortrag, der das Leben dieser beiden hohen Politiker des 19. Jahrhunderts beschrieb und verglich. Der Historiker Peter Niederhäuser hielt ihn am Donnerstagabend auf Einladung der Neuen Helvetischen Gesellschaft im Kirchgemeindehaus Liebestrasse.

Zwei, die polarisierten

Die Rivalität zwischen Zürich und Winterthur ist altbekannt. Es bleibe bis heute, so zitierte Niederhäuser ein Geschichtsbuch, «ein Fünkchen Eifersucht Winterthurs gegen die ehemalige Residenz». Der Konkurrenzkampf verschärfte sich im 19. Jahrhundert. Es war die Zeit des Aufstiegs der beiden Städte, der mit der Industrialisierung nach 1850 begann. Er war in Zürich eng mit der Person Alfred Eschers und in Winterthur mit Johann Jakob Sulzer verknüpft. Beide stehen für eine Epoche, welche zahlreiche wirtschaftliche und soziale Neuerungen und Umwälzungen brachte.

Niederhäuser führte in einem leichtfüssigen und äusserst detailreichen Referat durch die Lebensläufe der beiden Politiker und verknüpfte sie einprägsam mit der Entwicklung der beiden Städte. Die beiden Männer waren sich auffällig ähnlich. Ihre Karrieren in Stadt-, Kantons- und Bundespolitik verliefen parallel und praktisch zeitgleich. Schon früh wurde die Rivalität und persönliche Abneigung zwischen den beiden erstmals fassbar.

Beide waren schwierige Charakterköpfe. Sulzer kam als Bundespolitiker zu zweifelhafter Berühmtheit: Eine damalige Redewendung im Bundeshaus lautete, «zu hassen, wie der Sulzer hasst». Auch Escher polarisierte und wurde gehässig als Aristokrat des 19. Jahrhunderts bezeichnet.

Ihre Leistungen für Winterthur und Zürich sind aber unbestritten. Ihre persönliche Rivalität mag diese sogar noch beflügelt haben. Escher war massgeblich an der Gotthardbahn beteiligt und setzte sich für die Gründung der ETH in Zürich ein. In seine Zeit fällt auch der Bau der Bahnhofhalle in Zürich, die sich an Weltstädten wie London oder Paris orientiert.

Sulzer wiederum prägte das Winterthurer Stadtbild mit dem imposanten Stadthaus. Zudem baute er als einer der Ersten in der Schweiz nach englischem Vorbild Arbeitersiedlungen und plante neue Quartiere. Und auch er setzte sich für eine technische Hochschule in der Stadt ein: Unter seinem Stadtpräsidium wurde das Technikum gegründet. Niederhäuser illustrierte , wie die beiden im Städtebau, beim Ausbau der Eisenbahn, in der Bildung und im Bankenwesen ihre Spuren hinterliessen. Diese Bauten und In­sti­tu­tio­nen repräsentieren bis heute eine Zeit der Dynamik und der Öffnung, die ihresgleichen sucht. Claudia Peter

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