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Das Heimrecht der Favoriten

Meister FCB (gegen Luzern) und der FCZ als beste Mannschaft des Frühjahrs (gegen Thun) werden heute vor eigenem Publikum als Finalisten im Schweizer Cup erwartet.

Wegen des schwer erträglichen Diktats des Fernsehens werden die beiden Halbfinals heute hintereinander gespielt. FCZ – Thun im Letzigrund droht also an einem winterlich kalten Mittwochabend erst gegen Mitternacht zu Ende zu gehen. Für drei Klubs geht es heute ums grösste Saisonziel. Der vierte dagegen nähme den Cupsieg zwar gerne ein weiteres Mal mit, aber er hat (noch) Höheres im Sinn: Der FCB will vor allem mal Meister werden und sich damit die nächsten rund 20 Champions-League-Millionen sichern. Der Schweizer Meister direkt in der Gruppenphase der Königsklasse und es sind nicht sie – das wäre für die Basler schwer erträglich. «Auf den Fussball fokussieren» Vielleicht ist das ja die Chance des FC Luzern mit seinem Trainer Carlos Bern­egger. Es jährt sich in wenigen Tagen zum ersten Mal, dass der 45-Jährige aus der argentinischen Provinz vom U21-Trainer des FCB zum Chef in Luzern wurde. In 36 Ligaspielen seither holte der FCL immerhin 59 Punkte, aus einem Abstiegskandidaten wurde ein Verein, der auf Platz 2 überwinterte – nur eine Länge hinter dem Leader aus Basel. Aber in der Rückrunde liefs nicht mehr so gut, aus acht Spielen gabs noch sieben Punkte, und es kamen Misstöne aus dem Innern des Vereins. Das ist insofern erstaunlich, als die Mannschaft immer noch Dritter wäre, hätte sie am Sonntag beim Tabellenletzten Lausanne gewonnen. Im Cup steht sie unter den letzten vier. Aber es sieht so aus, als leide sie unter den schnell gewachsenen Erwartungen. Aber auch unter Massnahmen des Sportchefs Alex Frei wie diesen: einzelnen Spielern früh mitzuteilen, ihr Vertrag werde nicht verlängert. Oder die Prämien fürs Erreichen der Halbfinals so lange einzufrieren, bis der Cup gewonnen ist … «Wenn wir uns ganz auf den Fussball konzentrieren, haben wir in Basel unsere Chance», sagt Bernegger. Denn so gut war der FCB in letzter Zeit ja nicht, dennoch hat er – national wie international – erreicht, was er erreichen musste. Zur Luzerner Startelf wird heute auch der Dienstjüngste von Berneggers Spieler gehören: Remo Freuler (22) sah nach seinem Transfer vom FCW auf die Allmend zuerst einmal zu, dann wurde er einmal eingewechselt, ehe er dreimal startete. Zum 1:0-Sieg gegen den FCZ leistete er seinen ersten Assist, und Bernegger sagt: «In den drei Spielen, die er begann, zeigte er, was er kann. Es ist erfreulich, wie er sich integriert.» Tauglich sei er, ob er nun als «Sechser» oder in leicht offensiverer Rolle als «Achter» spiele. Von einem andern ehemaligen Winterthurer, Yassin Mikari, «erwarte ich dagegen mehr», sagt Bernegger. Mikari (31) spielte zuletzt zwar regelmässig, setzte seine Schnelligkeit aber zu wenig zielgerichtet um. Favorit FCB übrigens war in den letzten sieben Jahren fünfmal Finalist; der FCL aber verlor seit seinem letzten Cupsieg, der ins Jahr 1992 fiel, vier Endspiele. Und Bernegger? Er war schon mal Cupsieger: Mit dem FCW gewann er 1997 als Jungtrainer im alten Wankdorf den Nachwuchs-Cupfinal! «Wir müssen dran glauben» Einen «Cupsieg» hat auch Luca Zuffi (Bild), der morgen 24 wird, in seinem jugendlichen Palmarès: Mit der U16 des FCW gewann er 2006 den Cupfinal gegen den FCZ mit Jungstar Marco Schönbächler und Trainer Urs Meier. Den beiden begegnet Zuffi heute wieder: Schönbächler kehrt nach verbüsster Sperre auf die rechte Flanke des FCZ zurück. Meier ist nicht mehr mehrheitlich unbeachteter Juniorentrainer, sondern seit gut einem Jahr Cheftrainer des Zürcher Grossklubs, zu dessen «Denkmälern» Urs Fischer gehört. Der wiederum ist nun, ebenfalls seit gut einem Jahr, Trainer in … Thun. Unter Fischer wurde Zuffi im Berner Oberland zur unbestrittenen Stammkraft. Seine besten Leistungen bot er, als er nicht auf seiner eigentlich angestammten Position als «Sechste» spielte, sondern in offensiverer Rolle, geradezu als zurückhängende zweite Spitze. Da fiel seine Torgefährlichkeit auf. Sieben Tore und vier Assists in 35 Pflichtspielen dieser Saison sind eine massive Steigerung. Immer wieder glückten ihm auch gute Standards. Vor zwei Jahren stand er schon mal in einem Halbfinal. «Das ist immer noch eine Enttäuschung», sagt er in Erinnerung an die Art und Weise, wie der FCW dem grossen FCB 1:2 unterlag. Heute tönt es aus Thun so: «Wir wollen in den Final, das ist unser erklärtes Ziel», formuliert es Zuffi, «wir gehen mit Selbstvertrauen ins Spiel. Wir wissen, dass wir jeden schlagen können, auch wenn wir auswärts etwas schwächer sind.» In der Tat, die Thuner spielen eine weitere gute Saison, selbst in der Europa League. Nur eines haben sie auch so nicht geschafft: «Das Stadion war noch nie voll», stellt Zuffi fest. Die zurückhaltende Würdigung der erstaunlichen Leistungen seines Fussballklubs gehört offensichtlich zu den Eigenarten des Thuners. So sieht es auch jetzt aus, da der FCT die Chance hat, zum zweiten Mal ein Endspiel zu spielen. Seinen ersten Final verlor er 1955 gegen den damals zu den Grossen im Lande gehörenden FC La Chaux-de-Fonds 1:3. «Wir müssen einfach dran glauben», sagt Urs Fischer zum Thema. Die Vorbereitung läuft normal: Abfahrt heute Mittag, letzte Ruhe in einem Tageszimmer in einem Zürcher Hotel. Wer gestern in Thun war, der stellte auch nichts davon fest, dass ein besonderer Match anstehen könnte … Das aber ist dieser Halbfinal, auch für den FCZ, der seit seinem Sieg 2005 gegen Luzern nie mehr Finalist war. Seine letzten Erfahrungen sind gar bedrohlich: Vor einem Jahr verlor er den Halbfinal gegen GC in der Verlängerung 1:2, vor drei Jahren fuhr Neuchâtel Xamax nach erfolgreichem Elfmeterschiessen aus dem Letzigrund heim. (hjs)

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