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Das Heimweh des Königs

Er beliefert die ganze Schweiz mit Dönern aus Winterthur. Nun gibt es einen Film über den Aufstieg von Zeynel Demir. Regie führte der Autor Yusuf Yesilöz, jemand mit vielen Parallelen in seiner Biografie.

Er ist nicht einfach Chef. Er spendiert seinen Mitarbeitern den Znüni und das Mittagessen, schaut, dass sie nicht unter der Kälte leiden, wenn sie das Fleisch auf die Spiesse reihen. Und er hilft sogar, wenn jemand in Schwierigkeiten gerät. Denn die über hundert Angestellten liegen Zeynel Demir, dem Geschäftsführer von Royal Döner, am Herzen. «Ich gebe mir Mühe, mit allen Mitarbeitern gut umzugehen. Wir kennen alle das gleiche Leben», sagt Demir am Telefon. Heute ist er Millionär. Doch als er vor 26 Jahren in die Schweiz kam, hatte er nichts. Er wuchs in einem kurdischalevitischen Dorf in der Türkei auf, engagierte sich in der Studentenbewegung, musste flüchten und um sein Leben bangen. In der Schweiz ersuchte er um Asyl. «Ich bin in die Schweiz gekommen, weil es für mich gefährlich war in der Türkei.» Und noch immer darf er seine Heimat nicht besuchen. Der Winterthurer Schriftsteller und Filmemacher Yusuf Yesilöz kann ihm nachfühlen, was das bedeutet. Yesilöz hat in seinen Büchern immer wieder das Fremdsein thematisiert. Nun hat er Zeynel Demirs Geschichte verfilmt, gezeigt wird das Werk «Der Döner­könig» an diesem Mittwoch im Schweizer Fernsehen SRF 1. Dass der Film zustande kam, ist dem Zufall zu verdanken. «Ich trug die Idee schon drei, vier Jahre mit mir herum», sagt Yesilöz. «Als ich Zeynel Demir zufällig in einem Strassencafé traf, fragte ich ihn, ob ich einen Film über ihn machen darf. Er sagte sofort zu.» Filmemacher Yesilöz hat Ähnliches erlebt wie Demir. Auch er kam als Flüchtling in die Schweiz. Was die beiden verbindet: «Die Sehnsucht nach der Heimat, nach dem Dorf.» Yesilöz erzählt, dass er, der schon viele Erfolge als Autor und Filme­macher feiern konnte, und der «Dönerkönig» selten über ihre Karriere sprechen, wenn sie sich treffen. «Aber über das Dorf reden wir immer.» Der Duft der Erde Yesilöz spricht von «verpassten Beziehungen» und Verlust wenn er von seiner Heimat spricht – etwas, das er wohl auch in zwanzig Jahren noch spüren werde. «Jeder vermisst seine Heimat», sagt auch Demir. «Wenn es in der Schweiz regnet, riecht die Erde einfach anders als zu Hause.» Er hat sein Dorf seit 35 Jahren nicht mehr gesehen und spricht mit Wehmut davon. Demirs Geschichte ist auch prägend für seinen geschäftlichen Erfolg. «Ich habe immer versucht, besser leben zu können», sagt er. Durch Zufall und eher spontan habe sich das alles ergeben. Er sei nicht mit dem Vorsatz gekommen, reich zu werden. Eigentlich hätte er einfach selbstständig arbeiten und einen kleinen Laden führen wollen. Seine Firma Royal Döner verarbeitet heute täglich 16 Tonnen Fleisch und macht jährlich einen Umsatz von etwa 40 Millionen Franken. Das Team sei wie eine grosse Familie, sagt Demir. Er mag es übrigens nicht, wenn man ihn Chef nennt. Schliesslich haben alle in seinem Betrieb ähnliche Geschichten erlebt. Dass sich Fürsorglichkeit und wirtschaftlicher Erfolg nicht ausschliessen, ist für Demir selbstverständlich. «Wenn man will, geht es. Man muss einfach bereit sein, zu teilen.»

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