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«Das kann jetzt alles kaputt machen»

Die Alte Kaserne muss 200 000 Franken sparen, so will es das Parlament. Die Leiterin fürchtet, dass es nun vorbei ist mit dem ausgewogenen Kulturmix.

Weil sie keinen Platz mehr fand im Saal, verfolgte sie die Spardebatte im Parlament via Twitter. Was sie da las, gefiel Giella Rossi gar nicht: Die Gemeinderäte beschlossen, der Alten Kaserne 200 000 Franken zu streichen. «Ich verstehe das nicht», sagt die Leiterin des städtischen Kulturzentrums. «Wir haben derzeit einen idealen Mix von kommerziellen und nicht kommerziellen Veranstaltungen. Dieser Beschluss kann jetzt alles kaputt machen.» In der Alten Kaserne finden im Durchschnitt etwa sechs Veranstaltungen pro Tag statt. Vereine führen hier ihre Mitgliederversammlungen durch, die Stadtmusik spielt auf, es finden Lesungen, Vernissagen und Vorträge statt. Sowohl für Krawattenträger als auch für Randständige ist im Kulturzentrum Platz – bis jetzt. Künftig soll die Kaserne «kommerzieller betrieben werden und mehr Einnahmen generieren», wie FDP-Gemeinderat Christoph Magnusson seinen erfolgreichen Sparantrag im Parlament begründete. Konkret heisst das: Gut 1,3 Millionen pro Jahr darf das Haus die Stadt noch kosten statt wie bisher 1,5 Millionen. Es drohen höhere Mieten Was das für die Kaserne bedeutet, kann die Leiterin noch nicht sagen. Im Grunde haben die Verantwortlichen drei Möglichkeiten: Entweder sie führen mehr kommerzielle Anlässe durch, an denen das Zen­trum mehr verdient, oder sie bauen Leistungen ab oder erhöhen die Preise. Eine beste Lösung gebe es nicht, sagt Rossi. Gutes Geld würde sich mit zusätzlichen Partys verdienen lassen, so wie früher, als das Haus ein kleines Techno-Mekka war. Dann wäre es aber vorbei mit dem «idealen Mix», welcher der Leiterin so wichtig ist. Und: Wegen des Lärms würde es Beschwerden der Anwohner hageln, glaubt Rossi­. «Messungen in den angrenzenden Wohnungen haben gezeigt: Man spürt die Bässe. Wir dürfen das gute Verhältnis mit den Nachbarn nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.» Sparpotenzial sieht die Chefin kaum. Man bewältige heute mit weniger Angestellten als früher einen viel grösseren Aufwand. Auch die Öffnungszeiten des Bistros im Erdgeschoss könne man nicht ohne Weiteres reduzieren. «Die Leute an der Bar bewirten nicht nur die Gäste, sie stehen auch den Veranstaltern zur Seite. Und sie sind vor Ort, falls einmal ein Notfall eintritt.» Bleibt noch die Preiserhöhung. Dieses Szenario dürfte nicht unwahrscheinlich sein. Die Kaserne offeriert kleine Räume den nicht kommerziellen Veranstaltern für einen fast unschlagbaren Preis: 55 Franken – pro Anlass, nicht pro Stunde. Eine günstige Miete sei wichtig, sagt Rossi: «Wir wissen, dass die Mittel vieler Vereine und Verbände sehr beschränkt sind.» Für eine Vereinigung, die gerne ins Kulturzentrum kommt, gilt das sicher nicht: In Kürze wird hier die FDP ihre Delegierten­versammlung abhalten – jene Partei, die im Parlament den Sparantrag für die Alte Kaserne gestellt hat.

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